(openPR) In regelmäßigen Abständen interviewen wir die Netzwerke auf unserer Seite. Heute die Arge Metall- und Elektroindustrie (MEI) aus Finsterwalde. Unsere Fragen beantwortet Marco Bünger, der Geschäftsführer des Leading Partners EEPL in der ARGE:
Sehr geehrter Herr Bünger, können Sie uns zunächst sich und das Netzwerk Arge MEI kurz vorstellen?
Marco Bünger: Die ARGE MEI umfasst über 50 zumeist mittelständische Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie in Südbrandenburg; im Schnitt mit rund 55 Mitarbeitern, seit Jahren im Wachstum befindlich. Auch Ausnahmen wie die Schließung des Grohe-Werks können mittlerweile durch Arbeitsplatzzuwächse in anderen Unternehmen als ausgeglichen gelten. Der stabile Kern des Netzwerks, knapp 35 Unternehmen, bildet die ARGE MEI. Gegründet 2005 auf Initative eines Unternehmertreffens hin. Ich selbst arbeite seit Ende 2002 im Netzwerk und seit 2003 als Geschäftsführer der EEPL GmbH, die seit 1999 als Leading Partner dieses Netzwerk aufgebaut hat und bis heute erfolgreich managt.
Was hat die Arge MEI gebracht? Welche dauerhaften Ergebnisse gibt es? Für die Beteiligten und für Sie selbst?
Marco Bünger: Ich denke das ist mehr als gut sichtbar: rund jeder 7. Arbeitsplatz in der Branche ist durch Kooperationen entstanden bzw. gesichert worden; eine gemeinsame Ausbildungsklasse, eine Vielzahl von Qualifizierungen und Coachings haben den Unternehmen viel gebracht und sind auch unserer Hauptarbeitsfeld in den nächsten Jahren. Nicht zu vergessen: in den letzten 2 Jahren haben wir den Anteil Älterer in den Belegschaften um rund 20% gesteigert, ein toller Erfolg im Rahmen des Beschäftigungspaktes 50plus.
Nicht zuletzt ist der Bekanntheitsgrad gestiegen, das sieht man besonders am Beispiel der Kjellberg Finsterwalde GmbH. Vor 3 Jahren wollte der RBB nicht mal anhören, wozu wir ihn einluden (eine internationale Plasmafachtagung in Finsterwalde); mittlerweile waren sie 2007 schon zwei mal da – auch wenn der eine oder andere „Kjellberg“ und „Klärwerk“ noch immer nicht unterscheiden konnte; immerhin reden wir hier vom Europamarktführer der Plasmaschneidtechnik und der Nr. 2 der Welt in diesem Bereich…
Für mich? Naja ich habe vor allem die einzigartige Chance, eine solche Vielzahl von Unternehmen teilweise sehr genau zu kennen, deren Philosophie, Strategien, Probleme. Daraus entsteht ein Erfahrungsschatz für mich, der ist kaum messbar und unersetzbar.
Welche Hindernisse mussten Sie aus dem Weg räumen, um die von Ihnen genannten Ergebnisse zu realisieren?
Marco Bünger: Vertrauen braucht Jahre bis es belastbar entstanden ist; das ist ein irdisches Hindernis. Ansonsten gab es keine existenziellen Bedrohungen in der Phase des Netzwerks bis heute! Wichtig ist und war: personelle Konstanz; ich kann nicht jedes Jahr eine neue „Kuh“ durch Dorf treiben. Das unterscheidet uns von vielen. Und macht uns viele Neider, die aller gern mit am Tisch wären….
Welches sind die Erfolgsfaktoren Ihrer Arbeit? Was ist Ihrer Meinung nach der wichtigste Erfolgsgarant für Netzwerke?
Marco Bünger: …just die Konzentration auf Unternehmen; wir sind immer offen, aber wenn wir Unternehmertreffen machen, so sind das wirklich welche! Keine Institutionen und ähnliches, keine Herden von Beratern, sondern Unternehmen treffen sich. Das ist ein Faktor, es gibt noch viele weitere, aber wenn ich mal ein Buch schreiben möchte darf ich nicht alles verraten…
Worin sehen Sie den Beitrag des Netzwerkmanagements zur Entwicklung des Netzwerks?
Marco Bünger: Ich denke, wir sind und waren immer flexibel, vertrauensvoll, kreativ und schnell. Wir haben immer die Unterstützung der Sozialpartner (Gewerkschaften und BVMW sowie IHK) gehabt und waren nie einseitig orientiert. Das Unternehmen und seine Entwicklung im Sinne der Region stand im Vordergrund. Und unser Erfolg steht und fällt mit dem Netzwerk – auch wirtschaftlich, das ist ein deutlicher Unterschied zu anderen.
Was würden Sie den Netzwerkförderern raten? Wie muss Förderung aussehen, damit erfolgreiche und nachhaltige Netzwerke entstehen?
Marco Bünger: Darüber kann man ein Buch schreiben, aber es gibt wohl schon welche! Förderung muss an Unternehmensinteressen, nicht nach politischem Willen oder zentralistisch vergeben werden. Es wäre gut wenn mehr Förderung in den Unternehmen ankommt und nicht schon vorher „verwaltet“ wird. Wir haben als EEPL immer sehr engagiert und innovativ versucht, möglichst viel in den Unternehmen mit den Belegschaften zu erreichen.
Teile der Landesregierung haben uns dabei wohlwollend unterstützt, manche aber auch nur wohlwollend geredet! Auch inhaltlich bin ich nicht überall konform mit Potsdam – statt „Stärken zu stärken“ sollte man lieber „Potentiale entwickeln“ – ich kann Ihnen eine Reihe von Unternehmen nennen, die hätte man vor ein paar Jahren als „Krauter“ abgetan, heute haben die ihre Belegschaften verdreifacht, bilden aus, stellen Ingenieure ein… Aber sie sind immer noch zu klein, um von der Politik ernst genommen zu werden!
An welchen aktuellen Projekten und Themen arbeiten Sie gerade? Was werden wir in den nächsten Monaten Neues von Ihnen zu hören und zu sehen bekommen?
Marco Bünger: Wir begleiten z.Z. besonders die gemeinsame Ausbildungsklasse MEI mit Doppeltqualifizierung, die ab 1.9. am OSZ Elsterwerda gestartet ist. Das ist ein Brandenburger Pilotmodell.
Es geht uns im Netzwerk mehr und mehr um die Jugend, darum werden wir eine Nachwuchsstiftung aufbauen („SINUS“), deren Zweck die berufliche Bildung und der Nachwuchs in der Region sein wird. Dafür haben wir schon eine Reihe von Stiftern gewonnen, besonders unsere Unternehmen – das freut mich persönlich sehr. Ein Riesenthema wird der Ingenieurnachwuchs, da sind wir dran, zur Zeit mit über 20 Studierenden in 10 Innovationsteams…
Wir wollen das Modell der „Fabrik der Älteren“ in Finsterwalde weiterentwickeln, vermehrt Geringqualifizierten wieder zu Arbeit verhelfen. Auch hier wird ein neues Projekt starten. Vom Horizont - Sozialwerk für Integration (vgl. www.horizont-sozialwerk.de ) werden sie noch häufig hören, wir brauchen innovative Pilotmodelle, neue Wege und Horizonte. Dafür steht unser Team.
Zurzeit bin ich im Kosovo und berate Unternehmen der Metallindustrie des Kosovo – und wir werden hier neue Partnerschaften und Projekte generieren und helfen damit auch unseren Unternehmen und sichern Arbeitsplätze in beiden Regionen. Ich hoffe nur, dass die Lage hier stabil bleibt, die Menschen im Kosovo haben das verdient...
Sie sehen also, es gibt eine ganze Bandbreite von Aufgaben und genug Arbeit…
Wie sieht Ihre ganz persönliche Zukunftsvision aus: Wo sehen Sie die Arge MEI in fünf Jahren?
Marco Bünger: Keine Ahnung, hätten Sie mir vor 5 Jahren gesagt ich sitze heute als Geschäftsführer von über 20 Angestellten, Netzwerkmanager und Berater in einem Hotel in Pristina und schreibe ein Online-Interview für Sie, hätte ich reichlich gelacht und Sie sicher auch, wenn sie mich überhaupt gekannt hätten.
Beständig sind nur Veränderungen, und daher lassen wir uns überraschen. Eins ist sicher: EEPL wird nicht verlagert oder ausgesourct, wir wollen weiter in Berlin-Brandenburg aktiv sein und dort Arbeitsplätze schaffen.
Abschließend noch zwei persönliche Fragen: Was ist Ihr Motto? Womit beschäftigen Sie sich, wenn Sie nicht als Netzwerker tätig sind?
Marco Bünger: Mein Motto? Steht das nicht zwischen den Zeilen immer mal, ich kann es nicht sehen! Komplex denken, neue Wege gehen, EEPL soll immer etwas anderes sein – nach außen und nach innen mit unseren MitarbeiterInnen und Mitarbeitern.
Wenn ich nicht arbeite, dann bin ich gern unterwegs, wobei ich eher, aber nicht immer ein gewisses „Nordweh“ verspüre – zuletzt im Winter durch Norwegen mit Bahn, Flugzeug und Schiff. Ein Glück dass meine Freundin da ähnlich gelagert ist… Ich spiele gern Tennis in meinem Kiez in Berlin-Pankow, und segeln tu ich gern. Bin schon mal fast untergegangen auf der Ostsee beim Versuch bis Stockholm mit nem 45 Jahre alten Schiff zu segeln und meine Mutter zu überraschen - und habe jetzt (4 Jahre später) meinen ersten Bootsführerschein gemacht. Eins steht fest: Da oben segle ich noch mal hin…
Kontakt:
EEPL
Entwicklungsgesellschaft Energiepark Lausitz GmbH
Marco Bünger
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