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Deutschland bei Arbeitskosten weiterhin Weltspitze

25.09.2007 • 11:58 Uhr • Politik, Recht & Gesellschaft

(openPR) Wenn das Steuersystem nicht einfacher wird, hat der Arbeitnehmer netto nicht viel in der Lohntüte

Bonn/Düsseldorf – Die Diskussion über die seit Jahren stagnierenden Netto-Löhne geht weiter. Jetzt fordern erste Politiker Steuersenkungen. Laut Bundesarbeitsministerium bmas.de fiel der Anteil der Löhne am Volkseinkommen in den vergangenen zehn Jahren um vier Prozent, während der Anteil der Unternehmens- und Vermögenseinkommen um 42 Prozent stieg, schreibt die Bild-Zeitung http://www.bild.de. Wirtschaftswissenschaftler gehen davon aus, dass die Bruttolöhne zumindest der gering qualifizierten Arbeitnehmer auch in Zukunft stagnieren oder sogar sinken werden. „Dieser schmerzhafte Anpassungsprozess wird dadurch ausgelöst, dass Millionen Niedriglöhner aus China, Indien und anderen Ländern auf den Welt-Arbeitsmarkt drängen“, so Professor Thomas Straubhaar vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) http://www.hwwi.org gegenüber Bild.



FDP-Politiker wie Rainer Brüderle und Guido Westerwelle machen die Regierung für die größte Steuererhöhung in der Geschichte der Bundesrepublik verantwortlich. Die Boulevard-Zeitung bringt drei Beispiele, die die staatliche Abzocke illustrieren sollen. Eine 59 Jahre alte, ledige Bäckerei-Fachverkäuferin kostet ihren Arbeitgeber im Monat 2.333,42 Euro. Ihr bleiben als Nettolohn 1.258,47 Euro übrig. Ein 32 Jahre alter, ebenfalls lediger Malergeselle kostet seinen Arbeitgeber monatlich 3.034,34 Euro. Als Nettolohn bleibt übrig: 1.383,44 Euro. Und ein verheirateter Glas- und Gebäudereiniger, 36 Jahre alt und Lohnsteuerklasse III, kostet den Arbeitgeber 2.394,84 Euro. Netto kommt dieser Mann auf 1.303,51 Euro.

„Finanzminister Steinbrück setzt den falschen Hebel an, wenn er fordert, nach Jahren des Lohnverzichts und unbezahlter Mehrarbeit müssten nun die Einkommen steigen. Hiermit gibt der oberste Sparkommissar den schwarzen Peter an die Arbeitgeber weiter. Doch Steinbrück ist nicht allein auf weiter Flur. Jürgen Rüttgers, der ihn einst in NRW als Ministerpräsident ablöste, entpuppt sich als ein Bruder im Geiste. Es ist einfach nur dreist, wenn Rüttgers in seinem neuen Buch behauptet, die Steuern in Deutschland seien nicht zu hoch“, sagt Udo Nadolski, Geschäftsführer des Düsseldorfer Beratungshauses Harvey Nash http://www.harveynash.de. Zudem lenke der CDU-Politiker mit seiner Aussage, niedrigere Steuern führten nicht zu mehr Arbeitsplätzen, bewusst ab. „Wir haben eine Staatsquote von annähernd 50 Prozent. Das Problem ist ja nicht allein die Höhe der Steuern. Ich mache der Großen Koalition konkret zum Vorwurf, dass sie bisher nichts unternommen hat, um das Steuersystem einfacher und unbürokratischer zu machen. Anscheinend sind unsere Spitzenpolitiker an einer Bierdeckel-Steuer aber gar nicht interessiert. Sie wollen nämlich weiterhin ungerührt Milliardensummen im deutschen Wohlfahrtsstaat hin und her schieben.“

Ähnlich sieht es EX-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel. In seinem Bild-Kommentar weist er darauf hin, dass die deutschen Bruttolöhne im internationalen Vergleich immer noch hoch sind. Bei den vom Arbeitgeber zu bezahlenden Arbeitskosten seien die Deutschen weiterhin Weltspitze. „Deshalb: Mehr Netto für alle“, fordert Henkel.

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