openPR Recherche & Suche
Presseinformation

EU ahndet Angaben in Fusionskontrolle

 (© MTR Legal Rechtsanwälte)
(© MTR Legal Rechtsanwälte)

(openPR) Köln, 14. Oktober 2026. Die Europäische Kommission hat gegen Kingspan eine Geldbuße von insgesamt 40 Mio. Euro verhängt. Hintergrund sind nach Angaben der Kommission unrichtige und irreführende Informationen im Zusammenhang mit der 2021 angemeldeten Übernahme von Trimo.

Das irische Unternehmen hatte den geplanten Zusammenschluss im März 2021 bei der Kommission angemeldet. Im April 2022 wurde das Vorhaben aufgegeben, nachdem die Kommission in ihrer Prüfung unter anderem wettbewerbliche Bedenken mit Blick auf mögliche Preiserhöhungen geäußert hatte. Die nun verhängte Sanktion betrifft nicht die Aufgabe des Zusammenschlusses selbst, sondern Angaben, die nach Darstellung der Kommission während des fusionskontrollrechtlichen Verfahrens gemacht worden seien.

Vier Einzelgeldbußen nach EU-Fusionskontrollrecht

Die Kommission setzte vier getrennte Geldbußen von jeweils 10 Mio. Euro fest. Grundlage sind die Befugnisse nach der EU-Fusionskontrollverordnung, wonach Unternehmen sanktioniert werden können, wenn sie im Prüfverfahren unrichtige oder irreführende Informationen übermitteln. Nach den veröffentlichten Angaben können solche Geldbußen bis zu 1 Prozent des Gesamtumsatzes des betroffenen Unternehmens erreichen.

Die beanstandeten Informationen sollen unterschiedliche Themenbereiche betroffen haben. Genannt wurden insbesondere Angaben zur Erfassung von Penetrationsraten für Mineralfaser-Sandwichpaneele, zur Verfügbarkeit von Bieterdaten, zur Einbindung von Board-Mitgliedern in Akquisitions- und Strategiefragen sowie zu Forschung und Entwicklung. Die Angaben sollen nach Darstellung der Kommission entweder im Anmeldeformular oder in Antworten auf Auskunftsverlangen nach Art. 11 Abs. 2 und Art. 11 Abs. 3 der EU-Fusionskontrollverordnung erfolgt sein.

  • Gesamtbetrag: 40 Mio. Euro durch vier Einzelgeldbußen.
  • Verfahrensbezug: Prüfung der beabsichtigten Übernahme von Trimo.
  • Rechtsgrundlage: Sanktionen für unrichtige oder irreführende Angaben im Fusionskontrollverfahren.
  • Verfahrensstand: Kingspan hat angekündigt, die Entscheidung vollständig anzufechten.

Verfahren nach Aufgabe des Zusammenschlusses fortgeführt

Das Bußgeldverfahren wurde im November 2022 förmlich eröffnet, nachdem das ursprüngliche Übernahmevorhaben bereits nicht mehr weiterverfolgt wurde. Im März 2024 übermittelte die Kommission eine Mitteilung der Beschwerdepunkte, in der zunächst sechs Verstöße geltend gemacht wurden. Nach einer ergänzenden Mitteilung der Beschwerdepunkte wurden zwei Vorwürfe fallengelassen, sodass sich die Geldbuße nun auf vier festgestellte Verstöße bezieht.

Kingspan hatte im laufenden Verfahren erklärt, das Unternehmen habe während des Trimo-Vorhabens vollumfänglich mit den europäischen Behörden kooperiert. Zudem hat das Unternehmen angekündigt, die Entscheidung vollständig anzufechten. Damit ist der weitere Verfahrensgang abzuwarten; die von der Kommission getroffenen Feststellungen können Gegenstand weiterer Verfahren sein.

Bereits im Umfeld des Verfahrens hatte Kingspan Entscheidungen des Anhörungsbeauftragten vor dem Gericht der Europäischen Union angegriffen. Diese Klage wurde als unzulässig abgewiesen. Unabhängig davon wird über eine separate Klage von mehr als 60 institutionellen Investoren gegen Kingspan berichtet, bei der Forderungen von mehr als 100 Mio. Euro geltend gemacht werden sollen; daraus folgt keine Aussage zum Ausgang dieses gesonderten Verfahrens.

Bedeutung für Unternehmen und Investoren

Fusionskontrollverfahren beruhen in erheblichem Umfang auf den Angaben der beteiligten Unternehmen. Die Kommission benötigt belastbare Informationen, um Marktstrukturen, mögliche Preiswirkungen, interne Strategieunterlagen und Innovationsaktivitäten bewerten zu können. Werden Angaben später als unrichtig oder irreführend eingeordnet, kann dies neben der materiellen Zusammenschlussprüfung eigenständige Bußgeldrisiken auslösen.

Rechtsanwalt Michael Rainer, MTR Legal Rechtsanwälte, erklärt: „Der Fall zeigt, dass die Kommunikation mit der Europäischen Kommission in Fusionskontrollverfahren eine erhebliche wirtschaftliche Tragweite haben kann. Unternehmen und Investoren sollten interne Daten, Strategieunterlagen und Antworten auf behördliche Auskunftsverlangen daher besonders sorgfältig abstimmen und dokumentieren.“

Für betroffene Unternehmen kann sich daraus ein erheblicher Prüfungs- und Koordinierungsbedarf ergeben. Relevante Informationen sollten frühzeitig identifiziert, inhaltlich abgeglichen und nachvollziehbar aufbereitet werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn mehrere Unternehmensbereiche an der Vorbereitung von Anmeldungen oder Antworten auf Auskunftsverlangen beteiligt sind.

Weitere Informationen: https://www.mtrlegal.com/eu-kommission-verhaengt-40-mio-euro-bussgeld-gegen-kingspan/

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 1326714
 105

Pressebericht „EU ahndet Angaben in Fusionskontrolle“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von MTR Legal Rechtsanwälte Pressearchiv

Bild: EuGH klärt Spielraum bei Fremdwährungsdarlehen
EuGH klärt Spielraum bei Fremdwährungsdarlehen
Berlin, 31. Oktober 2026. Der Gerichtshof der Europäischen Union hat die Anforderungen an die Rückabwicklung eines wegen missbräuchlicher Klauseln unwirksamen Fremdwährungsdarlehens präzisiert. Eine Verrechnung gegenseitiger Ansprüche von Verbrauchern und Banken bleibt möglich, wenn das nationale Recht sie zulässt und der unionsrechtliche Verbraucherschutz gewahrt wird. Nationale Gerichte behalten Spielraum bei der Abrechnung Der EuGH entschied mit Urteil vom 10. September 2026 – C‑510/25, dass Art. 6 Abs. 1 und Art. 7 Abs. 1 der Richtlinie…
Bild: Maklervertrag: Textform entscheidet über Provision
Maklervertrag: Textform entscheidet über Provision
München, 31. Oktober 2026 – Das LG München I hat mit Urteil vom 13. Mai 2026 – 3 O 13657/25 einen Provisionsanspruch von rund 15.000 Euro mangels formwirksamen Maklervertrags abgewiesen. Nach Zurückweisung der Berufung durch das OLG München, Beschluss vom 22. Oktober 2026 – 8 U 1651/26, ist die Entscheidung rechtskräftig. WhatsApp-Nachrichten belegten die Provisionsabrede nicht Ausgangspunkt des Rechtsstreits war der Verkauf einer Eigentumswohnung in Bayreuth. Der Makler trug vor, der Eigentümer habe ihn damit beauftragt, gegen Provision ei…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Praxisforum internationale M&A-Transaktionen
Praxisforum internationale M&A-Transaktionen
… Recht, Regulierung und Due DiligenceGrenzüberschreitende M&A-Transaktionen sind mit unterschiedlichen gesellschaftsrechtlichen, regulatorischen und kulturellen Rahmenbedingungen verbunden. Investitionskontrolle, Fusionskontrolle, Due Diligence und Vertragsgestaltung können sich je nach Zielmarkt erheblich unterscheiden. Für Unternehmen und ihre Berater …
Bild: 12. GWB-Novelle: Verbraucher stärker im Blick
12. GWB-Novelle: Verbraucher stärker im Blick
… Dem Bundesrat war der Entwurf bereits am 14. August 2026 als besonders eilbedürftig zugeleitet worden. Zu den geplanten Änderungen zählen Anpassungen bei der Fusionskontrolle, ein neues Vergabescreening sowie Regelungen zu Medienfragen und Ministererlaubnissen.Bei der Fusionskontrolle sollen nach § 35 Absatz 1 GWB in der Entwurfsfassung die Aufgreifschwellen …
Bild: Kartellrecht bei M&A-Transaktionen: Risiken zwischen Due Diligence, Signing und Closing
Kartellrecht bei M&A-Transaktionen: Risiken zwischen Due Diligence, Signing und Closing
… Informationen, Due-Diligence-Prüfungen oder Site Visits rechtliche Fragen aufwerfen. Nach Vertragsunterzeichnung kommen Vorgaben für die Integrationsplanung sowie mögliche Verfahren der Fusionskontrolle, Investitionskontrolle und nach der Foreign Subsidies Regulation hinzu. Das Online-Seminar „Kartellrecht bei M&A-Transaktionen“ der Akademie Heidelberg am 10. …
Bundeskartellamt berichtet über neuste deutsche und europäische Rechtsprechung
Bundeskartellamt berichtet über neuste deutsche und europäische Rechtsprechung
Im Fokus: Materielle Vorrausetzungen von Fusionskontrolle, Missbrauchs- und Bußgeldverfahren sowie aktuelle Trends in der Entscheidungspraxis des Bundeskartellamtes. Köln, 25.03.2008 - Beinahe täglich berichten die Medien über anstehende Fusionen. Aktuell bestrebt Porsche seine bisherigen Aktienanteile an VW, ca. 31 Prozent, auf über 50 Prozent aufzustocken. …
Bild: Kartellfreigabe für Kontrolle am Zeitverlag
Kartellfreigabe für Kontrolle am Zeitverlag
… die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck freigegeben. Die Entscheidung betrifft eine Änderung der bisherigen Kontrollstruktur und zeigt, dass auch interne Beteiligungsverschiebungen der Fusionskontrolle unterliegen können.Gegenstand des Vorhabens ist der Erwerb der bislang von der Dieter von Holtzbrinck Medien GmbH gehaltenen Beteiligung von 50 Prozent …
Bild: EU vertieft Prüfung im Möbelhandel-Deal
EU vertieft Prüfung im Möbelhandel-Deal
… Bewertung nach der EU-Fusionskontrollverordnung. Eine Feststellung eines Verstoßes ist mit der Eröffnung der vertieften Prüfung nicht verbunden.Separates Verfahren wegen möglichen Gun-JumpingsVon der Fusionskontrolle abzugrenzen ist ein weiteres Verfahren der Kommission zu einem möglichen Verstoß gegen das Durchführungsverbot. Dabei geht es um die Frage, ob …
Deutsches und EG-Fusionskontrollverfahrensrecht - Praxiswissen aus erster Hand
Deutsches und EG-Fusionskontrollverfahrensrecht - Praxiswissen aus erster Hand
… die Verfahren vor der EU-Kommission als auch die vor dem Bundeskartellamt gleichermaßen eine Rolle. Die zuständigen Kontrollbehörden überprüfen im Rahmen der Fusionskontrolle, ob durch den Zusammenschluss eine marktbeherrschende Stellung entsteht oder verstärkt wird, bzw. wirksamer Wettbewerb behindert wird. Das FORUM-Seminar Fusionskontrolle am 12. …
Bild: Kartellrecht bei M&A-Transaktionen: Rechtliche Risiken bei Unternehmenskäufen frühzeitig einordnen
Kartellrecht bei M&A-Transaktionen: Rechtliche Risiken bei Unternehmenskäufen frühzeitig einordnen
… Diligence, Clean-Team-Strukturen, Vertragsregelungen im SPA sowie die Integrationsplanung zwischen Signing und Closing werfen eigenständige rechtliche Fragen auf. Hinzu kommen Fusionskontrolle, Investitionskontrolle und die Anforderungen der europäischen Foreign Subsidies Regulation (FSR). Ein Online-Seminar der Akademie Heidelberg am 10. September 2026 …
Bild: GWB-Reform: Anhörung zeigt offene Streitpunkte
GWB-Reform: Anhörung zeigt offene Streitpunkte
… Anhörung des Ausschusses für Wirtschaft und Energie ein geteiltes Echo ausgelöst. Im Fokus standen das geplante Vergabescreening, neue Schwellenwerte in der Fusionskontrolle, digitale Verfahrensabläufe und besondere Regeln für Kooperationen im Medienbereich.Grundlage der Anhörung war der von der Bundesregierung vorgelegte Entwurf eines Zwölften Gesetzes …
Bild: EU prüft KKR-Angaben zur NetCo-Transaktion
EU prüft KKR-Angaben zur NetCo-Transaktion
… Vertragslage intern überprüfbar und konsistent dokumentiert sein. Dazu gehören insbesondere:Vollständige Erfassung der für die Fusionskontrolle relevanten Vertragsbeziehungen,klare Darstellung von Änderungsrechten, Kündigungsmöglichkeiten und Preisbildungsmechanismen,abgestimmte Kommunikation zwischen Transaktionsteam, Management und Beratern,Nachvollziehbarkeit …
Sie lesen gerade: EU ahndet Angaben in Fusionskontrolle