(openPR) Eine der “größten Verblendungsaktionen” findet zur Zeit im kleinen Ort Bad Schmiedeberg in Sachsen - Anhalt statt. Zeitungen werben schon vom Durchbruch der Reformen … bis hin zur Schlagzeile:
“Erste Stadt in Deutschland ohne Hartz IV”
Klingt als Laie sehr verführerisch und lässt die Ratsherren bis hinauf zum Arbeitsministerium jubelnd aufschreien. Doch was “soll” das angebliche Geheimnis sein, welchen ein Leben mit /ohne Hartz IV ermöglicht - um diese Jubeltöne nicht 20 Zeilen tiefer verstummen zu lassen.
In Fachkreisen nennt man es: Bürgerarbeit - könnte man definieren als wenn Bürger arbeiten - oder? Gehen wir mal davon aus, dann ist doch ein arbeitender Bürger kein arbeitsloser Bürger mehr und kann somit aus der Statistik fallen, welches die Arbeitslosenzahlen fallen lassen. Dazu gibt es viele Wege, welche aber nicht so kräftig in der Propaganda wirken als Schlagzeilen der besonderen Art. Von ABM über Beschäftigungsmaßnahmen, ist der Ideenreichtum schier unbegrenzt … und endet in der Handlungsaufforderung zum “sozialen” Ein Euro Job. Nur was haben diese Arbeitsmaßnahmen alle gemeinsam - richtig - keiner der Betroffenen kommt ohne den weiteren Bezug von Arbeitslosengeld aus. Außer einer geschönten Statistik bleibt alles beim alten und belastet die Kassen unvermindert.
Aber da haben die Kritiker nicht mit dem Ideenreichtum der Stadtväter und Agenturen gerechnet - jedoch hat der Sozialticker mal die Rechnung durchschaut.
Sehr interessant im Ergebnis, wenn man sich noch den Geldfluss anschaut, welcher nicht so offensichtlich gemacht wird, aber nach den Aussagen der Verantwortlichen eine klare Sprache spricht. Das Geld, mit dem zuvor “angebliche” Arbeitslosigkeit finanziert wurde, fließt nun in zwei Beschäftigungsgesellschaften, bei denen die “Bürgerarbeiter” angestellt sind. Am Monatsende gibt’s “angeblichen” Lohn, welches nichts anderes als ALG II darstellt und im Gegensatz erarbeitet werden muss. Die Geburt einer weiteren Zwangsarbeitsform, lässt die Kassen zur Sanierung von “Beschäftigungstherapieanstalten” klingen.
Was sagen die Betroffenen zu dieser sensationellen Arbeitslosigkeitsbereinigung?
“Davor habe ich rund 600 Euro Hartz IV bekommen, plus Zuschüsse. Macht unterm Strich das Gleiche.”
“Die Leute sind zwar von der Straße, aber das ist nicht die Lösung.”
Die Jobs der Bürgerarbeiter sind wenig sinnvoll. “Ich find ja gut, dass die arbeiten für ihr Geld, aber müssen die wirklich zu dritt vor meiner Tür Unkraut jäten?”
“Es wird ein Aufschwung vorgegaukelt, der nicht da ist. Außerdem habe ich jetzt Probleme, Aushilfen zu bekommen.”
usw. usf.
So lauten die Klagen der betroffenen Menschen, welche bei Vereinen, im Kurbetrieb, im Altenheim oder im Naturschutz beschäftigt sind und sicherlich nicht bis Berlin zu hören wären. Klagen können aber die Gesellschaften weniger, denn ihnen wird staatlich kräftig unter die Arme gegriffen, nur um die Stimmung im Lande zur positiven Wende zu verhelfen, welche definitiv nicht vorhanden ist. Aber es kommt noch schlimmer, denn die Inkompetenz breitet sich nach Vorstellungen im Amt über das gesamte Bundesgebiet aus und führt damit eine geschichtliche Wiederholung ein.
Einen positiven Aspekt möchte wir jedoch erwähnen. Kennen Sie “Rumpelstilzchen”? - sicherlich, denn genau so müsste sich der Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Sachsen-Anhalt und Thüringen fühlen, welcher glaubt:
“Mit Bürgerarbeit bekommen die Leute wieder eine Chance, bei denen wir früher kapituliert haben … - … Wir geben den Menschen ihre Würde zurück”. (Quelle: Hamburger Abendblatt)
Solange die Bürgerarbeit nicht ein Leben oberhalb der Armutsgrenze garantiert und durch eindeutige Vorschriften reglementiert wird, die Einsatz und Arbeitsbedingungen definieren, ist der von Bad Schmiedeberg gewagte Vorstoß nur ein Blendwerk. Langzeitarbeitslose werden zum totalen Arbeitsansatz freigegeben, deren Nutznießer nur der Maßnahmeträger ist. Jedoch ist zu erwarten, dass weiterhin reguläre Arbeitsplätze verdrängt werden. Für Betroffene ändert sich hingegen nichts. Sie bleiben am Rande der Gesellschaft hängen und leben weiterhin in Armut.
http://www.sozialticker.com/verbloedung-in-bad-schmiedeberg_20070218.html
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