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Das Knirschen im Gebälk wird lauter

19.03.201912:06 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft

(openPR) Der amerikanische Wirtschaftsjournalist Henry Hazlitt (1894 – 1993), mahnte komplexes Denken in Zusammenhängen und Wechselbeziehungen an: „Die Kunst des Wirtschaftens besteht darin, nicht nur die unmittelbaren, sondern auch die langfristigen Auswirkungen jeder Maßnahme zu sehen; sie besteht ferner darin, die Folgen jedes Vorgehens nicht nur für eine, sondern für alle Gruppen zu bedenken.“



Daß Mario Draghi aus seiner Nummer mit der Ausplünderung der an der Finanzkrise Unschuldigen zwecks Alimentierung der daran Schuldigen nicht mehr herauskommen kann, wurde an dieser Stelle bereits mehrfach thematisiert. Jetzt, angesichts des möglicherweise letalen letzten Aktes dieses Dramas von der Bestrafung der Unschuldigen und der Belohnung der Schuldigen, bestätigt der EZB-Chef diese Voraussage, indem er nichts anderes als ein mehr desselben Giftes ankündigt, das bereits bisher die finanzielle Basis der Euroländer ruiniert hat. Man wird an den Zauberlehrling erinnert, der die Geister, die er rief, nicht mehr loswurde.

Die EZB-Politik ist dabei, sich auch für die tumbsten Gemüter als das zu erweisen, was sie von Anfang an war: Ein untauglicher Versuch, den Teufel des Schuldenmachens mit dem Beelzebub von noch mehr Schulden auszutreiben, begleitet von sukzessiver Enteignung der Sparer und Vernichtung privater Altersversorgungen.

Der nicht mehr zu übersehene Niedergang der Europäischen Währungsunion ist zwar nur eine Facette des letalen polit-ökonomischen Dramas „Europäische Einigung“, aber eine besonders wichtige. Viele europäische Staaten droht das Gift ausufernden Schuldenmachens zu zerfressen. Die Länder der Währungsunion sind zusätzlich von den Folgen einer aberwitzigen Notenbankpolitik bedroht.

Die Politiker schaden dem Europäischen Einigungsgedanken, wenn sie zulassen, daß in der Währungsunion die einen auf Kosten der anderen leben, während auf dem Weg zu mehr Wohlstand einzig Hilfe zur Selbsthilfe angebracht wäre. Die Politiker sorgen auch in fast allen Ländern eifrig dafür, daß der bereits tiefe Graben zwischen Arm und Reich kontinuierlich breiter und tiefer wird. Das gilt besonders für Deutschland, das – wie es aussieht – in Zukunft auch noch die Zeche für den anhaltenden finanziellen Schlendrian einiger Südländer der Währungsunion wird zahlen müssen. Stichwort: Target2-Salden. Die untere Mittelschicht unseres Landes leidet besonders unter Draghis Politik, weil sie ohnehin schon von der Hand in den Mund leben muß. Trotz ihrer geringen Einkommen trägt sie nämlich seit langem schon die relative größte Steuerbelastung. Das wurde an dieser Stelle schon mehrfach thematisiert.

Diejenigen, die sich heute schon in prekären Verhältnissen durchs Leben schlagen müssen, bekommen aber nicht nur den unvermeidlichen Verfall Eurolandes besonders zu spüren, sondern werden auch am meisten unter den Folgen der begonnenen Weltfinanz- und -wirtschaftskrise zu leiden haben. Der von der Politik seit Kanzler Schröder in Gang gesetzte Niedergang des (unteren Teils des) Mittelstandes wird durch Mario Draghis Enteignungspolitik mittels Null- und Negativzinsen erheblich beschleunigt.

Die von der EZB erzeugte Geld- und Kreditschwemme vermag die Spekulationsblasen inzwischen allerdings nur noch sehr mühevoll zu konservieren. Die Vermögenspreisblasen lassen bereits, von der breiten Öffentlichkeit noch unbemerkt, erste Luft ab. Andererseits laden minimale oder bereits negative Renditen bei Anleihen nicht zu Investitionen ein. Der Aktienmarkt wirkt angeschlagen wie ein Boxer, der dem K.O. zusteuert. Bei Immobilien gibt es bereits Leerstände, Vermietung oder Verkauf werden schwieriger.

Die Fettaugen auf der dünner werdenden Wohlstandsbrühe haben jetzt ein Luxusproblem: Was tun mit dem vielen Geld, das man schon hat und dem billigen Geld, das man sich spottbillig noch dazu leihen kann? Das Verhältnis der zu erzielenden Renditen zum wirtschaftlichen Risiko der Geldanlagen ist derzeit extrem ungünstig. Entsprechend schwierig ist es, aus Geld noch mehr Geld zu machen.

Nicht jeder sitzt im Vorstand einer großen Aktiengesellschaft. Der kann eine Anleihe auflegen, diese dann (an die EZB?) verkaufen und mit dem Erlös eigene Aktien seines Unternehmens kaufen. So läßt sich deren Kurs nach oben treiben und damit die Basis für üppige kursabhängige Zusatzeinkünfte des Vorstands verbessern. Paradiesische Verhältnisse. Mitbürgerinnen und Mitbürger, die für ihr eigenes Geld Zinsen zahlen zu müssen, suchen dagegen inzwischen vergeblich nach Kapitalanlagen, die ohne beträchtliches Kursrisiko unterm Strich noch Erträge abwerfen.

Immobilien in guten und nachhaltig interessanten Lagen sind inzwischen beträchtlich überteuert, zum Teil so extrem, daß sie unter vernünftigen wirtschaftlichen Erwägungen als Investitionsobjekt nicht mehr in Frage kommen. Auf ein kräftiges Anziehen der Inflation zu spekulieren, die Schulden schnell verdampfen ließe, wäre angesichts der heraufziehenden Weltfinanz- und -wirtschaftskrise, die eher deflationäre Wirkungen haben wird, ein sehr gewagtes Spiel. Die Zahl der Leerstände und der Ladenhüter unter den Immobilien steigt bereits. Für viele Käufer könnte die Pleite lange vor der Entwertung ihrer Schulden eintreten.

Vielen Schuldenkönigen droht ohnehin ein Massaker. Ohne real kostenlose Kredite geht ihre Rechnung in vielen Fällen heute schon nicht mehr auf. Aber kann Draghi die Zinsen ewig unter null halten? Kann er den Negativzins noch weiter senken? Kann er noch mehr Geld aus dem Nichts schöpfen und an die skrupellosesten Schuldenmacher verteilen? Wohl kaum. Wenn man nur Geld drucken und verteilen müßte, um die Wirtschaft am Laufen zu halten Wohlstand zu schaffen, bräuchte doch schon lange niemand mehr zu arbeiten. Oder haben wir da etwas übersehen? Wohl eher nicht. Die Spekulationsblasen beweisen: Die von der EZB erwünschte Inflation ist schon längst überreichlich da, nur nicht dort, wo sie sie gern hätte.

Das ist nicht überraschend. Konsumentenpreise steigen nicht, wenn die Satten nicht mehr konsumieren wollen und die Hungrigen nicht mehr konsumieren können.

Im Verlaufe der bereits begonnenen Weltfinanz- und -wirtschaftskrise wird Draghi wahrscheinlich aber noch mehr Geld an diejenigen verschenken, die die Misere verschuldet haben. Das ist pure Verschwendung. Damit kann er das unvermeidliche finanzwirtschaftliche Fiasko allenfalls noch eine Weile hinausschieben und dadurch die wirtschaftlichen und politischen Folgen verschlimmern. Die an er Misere gänzlich Unschuldigen kann er mit Duldung durch die Politik vielleicht noch schneller um ihre Ersparnisse und ihre Altersversorgung bringen und damit deren Konsumfreudigkeit zunehmend einschränken. Ja, Draghi kann die unvermeidliche Katastrophe durchaus noch komplettieren und verstärken. Mit der Vernichtung des unteren Mittelstandes produziert er in Deutschland allerdings einen gefährlichen politischen Sprengsatz, der nicht nur die Währungsunion schließlich zerreißen wird.

Im Hinblick auf die kommenden Wahlen werden sich die Politiker sehr gut überlegen müssen, wie sie auf Draghis Verzweiflungskurs reagieren wollen und was sie angesichts des absehbaren geldpolitischen Fiaskos tun wollen, um die absehbaren sozialen und politischen Folgen zu beherrschen. Die innenpolitische Situation könnte in vielen Ländern schneller kritisch werden als ohnehin zu befürchten ist. In Deutschland würden CDU/CSU dann auch dort landen wo die SPD bereits angekommen ist, nachdem sie ihre Klientel unter der Führung von Gerhard Schröder verraten hat. Von den Sanktionen ihrer (potentiellen) Wähler hat sich die Partei bis heute nicht erholt.

Draghi wird froh sein, wenn er das Amt des EZB-Präsidenten los ist. Wer ihm nachfolgt, wird eine Herkulesaufgabe vor sich haben, und es ist durchaus nicht unwahrscheinlich, daß er oder sie daran scheitert. Wir sollten uns jedenfalls auf turbulente Zeiten und einen durchaus wahrscheinlichen Totalcrash des Finanzsystems einstellen.

Die Politik der EZB – wenn man sie weiterhin von der Leine sozialverträglichen Handelns ließe – läuft auf die vollständige wirtschaftliche Ausplünderung eines großen Teils der an der Misere unschuldigen Bevölkerung hinaus. Angesichts der miesen Rentenpolitik ist heute schon absehbar, daß viele Millionen Deutsche zur Armut im Alter verurteilt sind. Unzureichende Sozialrenten, die deutlich niedriger sind als in den meisten anderen Industriestaaten, könnten nur durch erhebliche zusätzliche Vermögensbildung auf das zu einem angemessenen Lebensunterhalt Notwendige aufgestockt werden. Alle bisherigen Versuche, die Deutschen zu Minikapitalisten zu machen, die von den Erträgen ihres Vermögens leben können, sind aber kläglich gescheitert. Profitiert haben einzig Banken und Lebensversicherungen. Das ist allerdings keine Überraschung, wenn man „Vermögensbildung“ den Lobbyisten des nimmersatten Großkapitals überläßt.

Viele Menschen sind infolge unzureichender Einkommen gar nicht in der Lage, sich eine private Altersversorgung aufzubauen und werden es nach der jetzt gestarteten Krise noch weniger sein. Es wird deshalb höchste Zeit, daß die vom Volk gewählten Politiker endlich ihres Amtes walten und für alle Deutschen eine sichere und auskömmliche staatliche Altersversorgung schaffen. Die vernünftigste Lösung wäre eine Einkommensteuerreform, die die unteren Einkommen beträchtlich entlastet und die hohen Einkommen entsprechend höher belastet. Letzteres könnte ein gutes Stück schon dadurch erreicht werden, daß man Steueroasen endlich trocken legte und Steuerflucht bestrafte. Schließlich brauchen wir ein Grundeinkommen für alle Deutschen, das in Gestalt einer negativen Einkommensteuer, wie es an dieser Stelle schon vorgeschlagen wurde, am gerechtesten und kostengünstigsten zu realisieren wäre.

Auf dem derzeit eingeschlagenen Weg droht Deutschland bereits in der nächsten Generation eine Sozialstruktur wie sie auch in zahlreichen Schwellen- und Entwicklungsländern anzutreffen ist. Unternimmt die Politik weiterhin nichts für einen wirksamen sozialen Ausgleich, könnten die politischen Konsequenzen dramatisch werden. Sie zeichnen sich bereits jetzt ab und werden bei den kommenden Wahlen noch viel deutlicher hervortreten. Zu befürchten ist allerdings, daß die Politiker so lange mit geeigneten Gegenmaßnahmen gegen die sich vertiefende soziale Spaltung warten, bis es zu spät ist und sich viel schneller als gedacht eine autonome Lösung des sozialen Problems durchsetzt. Dann war’s das wohl – wie zuletzt vor drei Generationen in Deutschland schon einmal.

Wacht endlich auf, ihr überversorgten Fettaugen auf der mit immer mehr Wasser versetzten Suppe unseres Gemeinwesens! Es gilt, flächendeckende (Alters-)Armut zu verhindern, bevor sie sich politisch brisant verbreitet und auswirkt. Und es gilt, sich gegen die Unterminierung der politischen Stabilität unseres Landes im Interesse der Erhaltung von überschuldeten Staaten und Zombiebanken zu wehren.

Das weltwirtschaftliche Umfeld, die globale Blasenwirtschaft und der Niedergang des US-Dollars sollen hier nur am Rande erwähnt werden, obwohl Deutschland ihr genauso zum Opfer fallen wird wie hoffnungslos überschuldeten Staaten, z.B. Italien, Portugal, Griechenland, die USA u.v.a.m. Die Herrschaft des großen Geldes hat die Welt realwirtschaftlich ruiniert. Jetzt beginnt das Finale des Niedergangs. Amerikanische Anleihen sind eigentlich allesamt nur noch Subprime-Anlagen, ihre Verzinsung viel zu gering, um das damit verbundene hohe Anlegerrisiko auch nur ansatzweise zu kompensieren. Das Fiberthermometer Gold wurde von den us-amerikanischen Bullionbanken mit tatkräftiger Unterstützung einiger Notenbanken seit Jahren nach unten manipuliert, um den Zustrom von Geld in die Vermögenspreisblasen nicht zu gefährden. Die Finanzwirtschaft hat exzellent daran verdient, war nur leider nicht in der Lage (oder nicht daran interessiert, weil die tumben Steuerzahler ja sowieso jede marode Bank retten müssen), die Geldschwemme zur Sicherung ihrer und ihrer Kunden Zukunft zu nutzen.

Das von den USA ausgehend inszenierte finanzielle Hazardspiel funktioniert jetzt gegen die weltweiten Marktkräfte aber immer weniger. Die Chinesen haben dem siechen US-Dollar mit einem jederzeit in Gold konvertierbaren Yuan einen mächtigen und gesunden Konkurrenten gegenüber gestellt, der umso mehr Zuspruch erfährt, je exzessiver sich die USA verschulden. Die Uhr tickt – eigentlich unüberhörbar. Der Zeitpunkt für die Implosion der weltweiten Blasenwirtschaft rückt näher und der globale Derivatemarkt wird sich dabei als perfekter Brandbeschleuniger erwiesen. Für die unrettbar überschuldeten Staaten, allen voran die USA, kommt es dann zum (finanz)wirtschaftlichen Super-Gau. Viele andere Volkswirtschaften in der Dritten Welt, aber auch in Europa, werden in dem dadurch ausgelösten weltweiten Abwärtsstrudel hineingerissen und wirtschaftlich kollabieren. Aber auch finanzwirtschaftlich viel besser aufgestellte Staaten, wie Deutschland, werden ihr Waterloo erleben.

Ob die politischen Klassen sich schon überlegt haben, wie sie im Tornado der kommenden Weltfinanz- und-wirtschaftskrise die Gesellschaften ihrer Staaten zusammenhalten wollen? Wir sollten besser nicht damit rechnen.

Prof. Querulix beobachtet und kommentiert seit langem mit wachsender Sorge um Frieden, Freiheit und das allgemeine Wohl der Menschheit das fragwürdige Treiben der Menschentiere, insbesondere das ihrer Alphas. Seine Beobachtungen dokumentiert und kommentiert er in der eBook-Reihe „Tacheles“, in der bisher 7 Bände erschienen sind. Der jüngste trägt den Titel: „Rien ne vas plus – Wohin treibt die Menschenwelt?“ (ISBN 978-3-943788-43-3). Wie seine 6 Vorgänger ist auch dieser Band in allen gut sortierten (Internet-)Buchhandlungen zum Preis von 9,95 Euro zu haben.

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