(openPR) Deutschland, Europa, die ganze Welt vibriert. Das Fieber steigt. Aber bevor es heilsame Folgen zeitigen kann, braucht es das Delirium. Die Menschheit muß wahrscheinlich so lange immer wieder durch die Hölle, sie endlich klug geworden ist.
Die SPD steht am Abgrund. „Arbeiterpartei? Das war einmal. Viele Klugscheißer, aber offensichtlich niemand, der weiß, was es heißt, zwei, drei prekäre Jobs haben zu müssen, um finanziell zu überleben. Niemand, den ungerechte Besteuerung und unzureichende Altersversorgung kümmern. Niemand, der nach einem langen Arbeitsleben schon viele Jahre vor seinem Ruhestand weiß, daß seine Rente nicht zum Leben genügen wird, der weiß, daß er Sozialhilfe benötigen wird, um seine Miete bezahlen und seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können.
Was kümmert’s die SPD? In dieser Partei haben längst die gut oder gar Überversorgten das Sagen, diejenigen, die auf Kosten von Arbeitern gut leben, selbst aber keine Arbeiter sind, oft gar nicht mehr wissen, was Arbeiter sein überhaupt bedeutet. Die SPD ist heute eine Partei von Überversorgten, die in einer vollkommen anderen Welt leben als viele Millionen Mitbürgerinnen und Mitbürger, für die früher einmal eine SPD die Hoffnung auf gute Arbeit, gerechten Lohn und eine auskömmliche Versorgung im Alter verkörperte. Davon ist nichts geblieben. Die SPD – oder was von ihr übrig ist – erinnert uns heute allenfalls noch an eine Partei dieses Namens, hat aber mit ihr nichts mehr gemein.
So oder ähnlich klingt es, wenn sich als frühere SPD-Wähler oder gar ehemalige Mitglieder dieser Partei outen, die sich enttäuscht und nicht selten verbittert von ihr abgewendet haben. Als aufmerksamer Beobachter des Zeitgeschehens ist man zwar nicht überrascht, aber man ist doch sehr erschrocken wie „unten“ die Sozialdemokratie nach Schröder, Gabriel, Nahles und dergleichen inzwischen ist. Die real existierende Sozialdemokratie ist heute nicht mehr als das tote Gerippe der sozialdemokratischen Idee.
Heinz Buschkowsky, ehemaliger Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln und intimer Kenner der sozialen Verhältnisse der deutschen Unterschichten, wirft seiner Partei mangelnden Realitätssinn vor. Das ist milde ausgedrückt. Deutlicher wurde er allerdings in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“. Da sagt er klar, die SPD habe sich zu einer "Klugscheißerpartei" entwickelt. Der Partei sei das Volk abhandengekommen und habe es nicht bemerkt.
In der Tat hat sich unter den Sozialdemokraten eine Oberschicht herausgebildet, die gar nicht mehr zu wissen scheint, was Sozialdemokratie bedeutet. Für sie scheint die Partei allenfalls noch Karrierevehikel zu sein, ein Mittel um für den eigenen Wohlstand zu sorgen. In Politik und Gewerkschaften sowie unter Betriebsräten von Großunternehmen sind – auch höhere – sechsstellige Einkommen heute keine Seltenheit mehr. Da verliert der gemeine Mensch schnell die Bodenhaftung und diejenigen, um deren Wohl und Rechte es eigentlich gehen sollte, müssen zusehen, wo sie bleiben.
Daß auch CDU und CSU die Verbindung mit ihren Wurzeln und zur Mehrheit der Deutschen längst verloren haben, ist kein Trost. Aber es deutet auf eine Gesetzmäßigkeit hin. Drei Generationen nach dem Nachkriegsneustart sind die verwöhnten Enkel offensichtlich mit der Führung und der zukunftsfähigen Gestaltung des einstigen „Wirtschaftswunderlandes“ überfordert. Seit Kanzler Kohl wurde der Wohlstand für alle, den Ludwig Erhard in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts propagiert hat, erst langsam, dann immer schneller in die Tonne getreten. Kohl und CDU/CSU, mit besten Beziehungen zur finanziellen „Elite“ Deutschlands, machten dann den Anfang vom Ende dieser hoffnungsvollen Epoche. Das große Geld begann der Politik die Richtung zu weisen, erst verstohlen, dann ganz offen und ungehemmt. Mit Schröder zog die SPD nach und machte ebenfalls klar: Soziale Gerechtigkeit war gestern. Jetzt ist Kapitalismus. Dem, bzw. dessen und seiner „Elite“ Bedürfnissen hat der gemeine Mensch gefälligst zu dienen. Für die heutige „Elite“ ist nicht mehr der Mensch der Zweck allen politischen und wirtschaftlichen Handelns, sondern der Reibach derer, die ihren Hals nicht voll genug bekommen können. Die Mehrheit der Menschen hat gefälligst diesem Zwecke zu dienen.
Was für eine Moral! Aber was soll man vom Menschen erwarten, der noch rund 97,5 Prozent des Erbgutes seiner räuberischen Affenvorfahren in sich trägt?
Inzwischen herrscht der Beutekapitalismus mit sehr wenigen Ausnahmen weltweit unangefochten, mal gesetzlich sanktioniert, mal mit brutaler Gewalt durchgesetzt. Nicht der Mensch mit seinen Bedürfnissen ist Ziel und Maßstab politischen Handelns, sondern sein Nutzen für diejenigen, die sich den Großteil der Früchte gemeinsamen Schaffens aneignen. Die soziale Schieflage in Deutschland ist für CDU/CSU, SPD, FDP und GRÜNE geradezu über Parteigrenzen hinweg zum Programm geworden. Man hat offensichtlich wichtigeren Interessen zu dienen als dem Gemeinwohl.
Längst ist unübersehbar, daß die Bessergestellten relativ zu wenig und die chronisch Benachteiligten relativ zu viel Steuern zahlen, daß die einen viel zu viel und die anderen viel zu wenig vom gemeinsam gebackenen Wohlstandskuchen erhalten. Doch warum sollten die Profiteure dieses Zustands daran etwas ändern? Die Underdogs kuschen doch sowieso, jammern vielleicht, werden vielleicht auch hin und wieder einmal renitent, aber letztlich ordnen sie sich doch dem Unvermeidlichen unter. Das geht immer eine ganze Weile gut. Um daran mit Aussicht auf Erfolg etwas ändern zu können, müßten nicht nur die Regierungsparteien noch weiter in der Wählergunst zurückfallen, sondern die Linke, die derzeit einzige brauchbare Opposition, endlich ihren ideologischen Ballast abwerfen. Sahra Wagenknecht hat das längst erkannt. Aber in ihrem derzeitigen Zustand kann die Linke das Erbe der siechen SPD nicht antreten. Vielleicht gelingt es aber, die Partei glaubhaft zu reformieren. Das wäre endlich eine Chance für diejenigen, die von der Zukunft nichts zu erwarten haben als fortgesetztes Elend.
Krisen sind immer auch Chancen. Die seit langem absehbare Weltfinanz- und Wirtschaftskrise rückt unaufhaltsam näher. Die Finanzkrise von 2008 ist noch längst nicht zuende. Sie wurde auf Kosten der Sparer und zugunsten skrupelloser Spekulanten und Raffkes nur verkapselt und verlängert. Wer ein Gespür dafür hat, riecht an den Börsen schon den Angstschweiß. Es wird immer schwieriger, die Kursblasen wenigstens einigermaßen stramm zu halten, und die Letzten beißen ja bekanntlich die Hunde. Aber die Gier und die Hoffnung, daß die Schuldigen nochmals auf Kosten der Unschuldigen „gerettet“ werden sind noch nicht tot. Doch die Angst nimmt zu, da hilft kein Pfeifen im Walde. Die Angst wirkt immer als hochwirksames Treibmittel für die Panik, die auch dieses Mal am Ende auf die Illusion vom immerwährenden Reichtum ohne produktive Arbeit folgen wird.
Die von unfähigen Politikern geduldete Blasenökonomie der Notenbanken geht offensichtlich ihrer letzten, letalen Phase entgegen. Verstärkt und beschleunigt wird das Finale finanzpolitischen Wahnsinns durch die hemdärmelige Politik eines Donald Trump, der die USA führt wie vorher vermutlich sein Bauunternehmen, durch ideologische Experimente wie in Venezuela und der Türkei, und nicht zuletzt durch die Schuldenorgien in den europäischen Südländern.
Wir leben im Zeitalter der Geldgier und des religiösen Fanatismus. Die Vernunft ist zu schwach, um dem Wahnsinn auch nur etwas Einhalt zu gebieten, geschweige denn, ihn zu beenden. Wie schön, daß jede Katastrophe aber auch eine Chance ist, nämlich die einer Selbstheilung, sogar nach den allergrößten Zerstörungen und Opfern. Deshalb kann die Menschheit auch mit dem unfähigsten Herrschaftspersonal wenigstens auf bessere Zeiten hoffen, wenn auch ungewiß ist, wie lange das Martyrium bis dahin noch dauert.
Prof. Querulix beobachtet und kommentiert seit vielen Jahren mit wachsender Sorge um Frieden, Freiheit und das allgemeine Wohl der Menschheit das fragwürdige Treiben der Menschentiere, insbesondere das ihrer Alphas. Seine Beobachtungen dokumentiert und kommentiert er in der eBook-Reihe „Tacheles“, in der bisher 7 Bände erschienen sind. Der jüngste trägt den Titel: „Rien ne vas plus – Wohin treibt die Menschenwelt?“ (ISBN 978-3-943788-43-3). Wie seine 6 Vorgänger ist auch dieser Band in allen gut sortierten Buchhandlungen zum Preis von 9,95 Euro zu haben.
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