(openPR) Die Wirtschaft in den großen Industriestaaten brummt. Ja, aber warum? Faktisch kostenloses Geld hat eine Scheinblüte erzeugt wie sie die Welt wahrscheinlich noch nie erlebt hat. Selbst Pleitekandidaten können sich nahezu kostenlos verschulden und ihren Wolkenkuckucksträumen nachhängen. Die großen Notenbanken „drucken“ Geld bis zum Abwinken. Nicht überraschend, daß ein solcher Boom auch die Beschäftigung fördert – wenn auch dank entsprechender Gesetze vor allem die prekäre Beschäftigung.
Doch nur, wer an den Weihnachtsmann glaubt, kann davon ausgehen, daß es ad infinitum so weitergehen wird.
Die durch hemmungslose Geldvermehrung von den großen Notenbanken erzeugte Scheinblüte basiert auf dem Kinderglauben, man könne Schulden mit neuen Schulden tilgen. Wenn das funktionierte, warum sind dann nicht schon unsere Vorfahren auf diesen Gedanken gekommen? Niemand müßte heute mehr arbeiten. Alle Menschen könnten unbegrenzt auf Pump leben. Nein, das funktioniert leider nicht. Was Draghi & Co. ebenso mühe- wie gefahrenvoll praktizieren ist der Versuch einer Umverteilung erarbeiteten und ersparten Vermögens zu den skrupellosen Schuldenmachern, privaten wie institutionellen. Sie wollen die soliden Sparer enteignen und die skrupellosen Schuldner belohnen.
Mit dem für den sozialen Frieden ebenso wie für die wirtschaftliche Prosperität hochgefährlichen Spielchen wird also nicht neues Geld erarbeitet, sondern nur erarbeitetes Geld den einen genommen und den anderen in die Tasche geschoben. Über die Moral, die hinter solchen Machenschaften steht, lohnt es nicht, zu streiten. Macht geht im Menschentierrudel immer vor Recht. Eine andere Frage ist allerdings, ob man (weiterhin) Politiker wählen sollte, die solche Machenschaften unterstützen.
Anleihen- und Aktienkurse sind infolge künstlich gedrückter Zinsen extrem überhöht. Nur dauerhaft niedrige oder weiter sinkende Zinsen könnten diesen anomalen Zustand sichern. Ein Perpetuum mobile für einen automatischen Reibach der Spekulanten? Nein, so etwas gibt es gar nicht. Der Traum vom Perpetuum mobile ist uralt. Leider ist er immer wieder an der Realität gescheitert. Notenbanken können Geld prinzipiell in unbegrenzter Menge drucken. Aber schaffen sie damit Wohlstand? Nein, sie schaffen ihn nicht, sondern vernichten ihn sogar. Denn wenn Sie heute eine Anleihe kaufen, die – je nach Bonität der Schuldner – ein oder zwei Prozent Rendite abwirft, haben sie nach Abzug der Inflation praktisch nichts gewonnen, gehen aber angesichts der Gefahr von autonomen Zinssteigerungen (weil Großspekulanten aus Angst vor einem Crash Anleihen auf den Markt werfen) ein sehr hohes Risiko ein.
Immobilienpreise, Anleihen- und Aktienkurse werden einbrechen und damit auch Sicherheiten für Kredite obsolet werden. Viele Kreditnehmer und Mieter werden zahlungsunfähig werden, Unternehmen Verluste erleiden. Das Platzen der Spekulationsblasen wird ungeheure Verheerungen anrichten. Es wird früher geschehen als die allermeisten denken, nur der genaue Zeitpunkt ist ungewiß.
Nicht nur die Vernichtung von vielen Milliarden spekulativ angelegten Geldes, sondern auch in die Höhe schießende Zinsen werden die Realwirtschaft verheeren. Unternehmen, die nur mit den von den Notenbanken künstlich gedrückten Zinsen überlebensfähig sind, werden über Nacht in den Konkurs rauschen. Die Auswirkungen werden auch eigentlich gesunde Unternehmen treffen. Die Arbeitslosigkeit könnte sich deshalb in kürzester Zeit verdoppeln oder gar verdreifachen. Der Crash erzeugt einen sich selbst verstärkenden Prozeß der Geldvernichtung und damit des Geldmangels, den niemand aufhalten kann. Nicht einmal die Verteilung von hunderter Milliarden Euro oder Dollar unter die 30 Prozent ärmsten Bürgerinnen und Bürger diesseits und jenseits des Atlantiks würden daran etwas ändern.
Nicht allein in Deutschland schwindet der Mittelstand. Die soziale Erosion betrifft so gut wie alle Industrieländer, darunter die größten in besonderem Maße. Die Subgesellschaft wächst. Oben wie unten. Der soziale Zusammenhalt der Menschen schwindet dahin. Immer mehr Menschen radikalisieren sich; die einen, weil sie um ihre Beute fürchten, die anderen, weil sie fürchten, zur Beute zu werden. Immer mehr Menschen verlieren seit Schröder und Merkel endgültig ihre Hoffnung, daß die roten und schwarzen „demokratischen Kräfte“ mit der Geld- und Wirtschaftslobby fertig werden und eine gerechte Beteiligung aller Mitbürgerinnen und Mitbürger am gemeinsam erarbeiteten Volkseinkommen erreichen können.
Nicht Geld und immer mehr Geld für wenige darf künftig (nach der unvermeidlichen Weltwirtschaftskrise) das Ziel des Wirtschaftens und der Politik sein, sondern die angemessene Beteiligung aller Mitbürgerinnen und Mitbürger am Volkseinkommen. Wirtschafts- und Sozialpolitik können nur dann als erfolgreich bezeichnet werden, wenn sie allen Beteiligten zugutekommt. Nur dann schafft sie auch die Grundlage für ein starkes Gemeinwesen. Deshalb ist eine deutliche Korrektur des Einkommensteuertarifs vor allem zugunsten der unteren Einkommen überfällig. Ziel muß es sein, die Steuerlast zu denen zu verlagern, die ihre Einkommen in den letzten 20 Jahren vervielfacht haben. Es ist doch nur gerecht, die größten Profiteure der gemeinsamen Arbeit unseres Volkes auch am stärksten zur Finanzierung unseres Gemeinwesens heranzuziehen.
Ziel muß es sein, die Gesamtsteuerbelastung einschließlich Mehrwert- und Verbrauchssteuern sowie Zwangsbeiträgen (z.B. Rundfunk- und Fernsehabgabe) endlich konsequent einkommensgerecht zu verteilen. Das erfordert eine umfassende Reform des Einkommensteuertarifs. Ein weiteres Ziel muß es sein, allen Rentnern eine auskömmliche Rente zu sichern. Die SPD sollte ihre Prioritäten in den Koalitionsverhandlungen im Hinblick auf diese zentralen Punkte sozialer Gerechtigkeit dringend noch einmal überdenken. Es gibt derzeit nichts Wichtigeres! Sollte sie in der Frage sozialer Gerechtigkeit zu wenig voranbringen, wird sie schwierigen Zeiten entgegen gehen.
Wenn der soziale Friede auf Dauer erhalten und gesichert werden soll, brauchen wir endlich eine gerechte und stabile, von den Einflüsterungen der Lobbys und dem Gutdünken von Politikern unabhängige Beteiligung aller Mitbürgerinnen und Mitbürger am Volkseinkommen. Jede und jeder Deutsche sollten lebenslang einen sicheren Anspruch auf einen zur angemessenen Teilnahme am sozial-kulturellen Leben unserer Gesellschaft genügenden Anteil am Volkseinkommen haben. Daß die Finanzierung bei vernünftiger Gestaltung einer solchen zukunftweisenden Reform allein schon durch Milliarden möglicher Einsparungen überhaupt kein Problem wäre, wird in einer vor einigen Jahren erschienenen Studie gezeigt. Ihr Titel: „Unbedingtes individuelles Grundeinkommen in Gestalt einer negativen Einkommensteuer - Kernstück einer unvermeidlichen Radikalreform unserer Gesellschaft“. Die Studie ist als eBook (ISBN 978-3-943788-18-1, PDF) oder (ISBN 978-3-943788-32-7, ePub) beim eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital (www.read.ruedenauer.de) erschienen und dort sowie in jeder gut sortierten (Internet-)Buchhandlung für je 9,95 Euro erhältlich.
Die Aussichtslosigkeit eines vor allem an Lobbywünschen orientierten Weiter-So! ist gefährlich. Vorbeugen ist bekanntlich besser als heilen. Das gilt vor allem dann, wenn die Folgen einer nicht behandelten Krankheit tödlich sein können. Die Politiker sollten sich deshalb gut überlegen wie sie mit den jetzt schon unübersehbaren sozialen Folgen ihrer Politik für die Bessergestellten künftig umgehen wollen, wenn die wirtschaftliche Scheinblüte über Nacht verwelkt. Wie bisher einfach nichts zu tun, den Luxuskarren der Nimmersatts einfach weiter über die Schicksale der Abgehängten fahren zu lassen, ist nicht nur moralisch abscheulich, sondern könnte auch für die Passagiere zu einem lebensbedrohlichen Unfall führen.
„Aberglaube und Geld verheeren die Welt“, warnt Prof. Querulix im Volksmund.
Das Paradigma des Beutekapitalismus gehört schon lange in die Mottenkiste. Die Ressourcen der Erde sind endlich. Deshalb gilt es, sorgfältig mit ihnen umzugehen und dafür zu sorgen, daß alle Menschen so gerecht wie nur möglich beteiligt werden. Raubbau an den Ressourcen – gleich welcher Art – ist dumm, weil es die Zukunft der Gegenwart opfert. Gleiches gilt für den Umgang mit den Mitmenschen. Sie sind nicht das Mittel der eigenen Lebenssicherung und -gestaltung, sondern der Zweck. Deshalb muß alles Wirtschaften den Menschen dienen und nicht die Menschen dem Wirtschaften zu Gunsten derer, die (zufällig) das Sagen haben oder oben an der Tafel sitzen. Wenn diese Erkenntnis nicht sehr bald auch in die Gehirne der Nimmersatts und ihrer eilfertigen Helfer diffundiert, wird die jetzt in Gang gekommene Krise der Menschheit vielleicht schon der erste Akt des Abgesangs unserer Art.
Ob die Vernunft noch siegen kann? Es scheint als ob das große Geld den (noch) Mächtigen die Sinne vernebelt. Und das in einer Situation, in der es darauf ankäme, klar zu denken und Deutschlands wie Europas Überleben in einer dem Chaos entgegen treibenden Welt zu sichern. Die Geschichte beweist aber leider, daß es den Herrschenden immer gerade dann an Vernunft und Weitsicht fehlt, wenn nur diese noch in der Lage wären, den Super-GAU zu verhindern.
„Unsere Zukunft ist unsere Vergangenheit mit verbesserten Werkzeugen.“ Mit diesen Worten formuliert Prof. Querulix das Dilemma menschlichen Fortschritts. Wir Menschen verbessern allein die Werkzeuge, mit denen wir unsere archaischen Rudeltierinstinkte ausleben. Was nottäte, wäre aber Nachdenken darüber, wie wir in Zukunft miteinander leben wollen, über Ziele, Regeln und den Umgang miteinander. Die Wirtschaft ist dann nur ein Mittel – wenn auch ein wichtiges – um die materielle Basis dafür zu schaffen und zu erhalten. Es muß also in Zukunft um nicht mehr und nicht weniger gehen, als um die gründliche Renovierung der Grundlagen menschlichen Zusammenlebens in der Welt.
Prof. Querulix beobachtet und kommentiert das ebenso interessante wie fragwürdige Treiben der Menschentiere seit vielen Jahren, besonders das ihrer „Eliten“. Seine Beobachtungen dokumentiert er in der eBook-Reihe „Tacheles“, in der bisher 7 Bände erschienen sind. Der jüngste trägt den Titel: „Rien ne vas plus – Wohin treibt die Menschenwelt?“ (ISBN 978-3-943788-43-3). Wie seine 6 Vorgänger ist er im eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital (www.read.ruedenauer.de) erschienen und dort sowie in allen gut sortierten Buchhandlungen zum Preis von 9,95 Euro zu haben.
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