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Die seltsamen Methoden des Klaus D. Thannhuber

31.07.200622:22 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft

(openPR) Der Münchener Immobilieninvestor Klaus Thannhuber ist gilt als trickreicher Geschäftsmann – nur leider nicht zum Vorteil seiner Anleger. Höchst erfolgreich wirtschaftet er nämlich in die eigene Tasche, während zugleich seine Prestigeprojekte in beträchtlichen Schwierigkeiten stecken. Kapitalanleger wurden schon länger gewarnt. Inzwischen zeigt auch die Justiz Interesse an Thannhubers Deals.



Thannhuber ist Inhaber verschiedener Immobilienfonds und Holdingunternehmen. Selbst Eingeweihten sind seine Firmengeflechte nicht in Einzelheiten nachvollziehbar. Schlagzeilen macht derzeit die im Jahr 1990 gegründete DBVI AG (Deutsche Beamtenvorsorge Immobilienholding AG). Diese schreibt nämlich nicht nur seit Jahren kontinuierlich Millionenverluste, sondern sah sich jüngst zur Halbierung ihres Grundkapitals gezwungen. Denn einer ihrer Hauptkreditgeber, die Aachen und Münchener Lebensversicherung, hatte 2005 ihre Darlehensforderungen an die US-Investmentbank Lehman Brothers verkauft. Diese wiederum ließ die Immobilienbestände der DBVI genauer überprüfen und stellte deren massive Überbewertung fest. Die Folgen: Eine Korrektur der Buchbestände um über 23 Millionen Euro nach unten und die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung nach § 92 AktG, die am vergangenen Freitag in München stattfand. Nach Berichten der Süddeutschen Zeitung waren ganze 30 von insgesamt 50.000 Anlegern erschienen und übertrieben gute Stimmung herrschte nicht. Kein Wunder: Der DBVI droht die Insolvenz. Entsprechende Rettungsmaßnahmen wurden bereits in die Wege geleitet. Die bekannte Münchener Schrannenhalle, ein Beteiligungsobjekt der DBVI, soll zumindest partiell schon verkauft sein. Außerdem werden einige Immobilienfonds vorzeitig liquidiert.

Thannhuber selbst ist schon seit Anfang 2003 nicht mehr im Vorstand der DBVI. Er gab den Posten auf, als die BaFin einen Interessenkonflikt mit seiner Tätigkeit für die Privatbank Reithinger monierte, deren Eigentümer er zugleich ist. Inzwischen steht auch Reithinger das Wasser bis zum Hals: Die BaFin will dem Unternehmen die Erlaubnis zum Kreditgeschäft entziehen. Die Aufsichtsbehörde äußerte massive Zweifel an Thannhubers Solidität. Presseberichten zufolge war sie bereits im Februar 2006 mit einem Schreiben an die Verwaltungsgesellschaft der Privatbank herangetreten. Unter anderem waren es Berichte des Prüfungsverbandes deutscher Banken und diverser Wirtschaftsprüfergesellschaften, die den Beamten Anlass zur Sorge boten: Sie enthielten „Tatsachen, die die Annahme rechtfertigen, dass Herr Thannhuber (...) nicht den im Interesse einer soliden und umsichtigen Führung der Bank zu stellenden Ansprüchen genügt.“ Es seien, so heißt es, in erheblichem Umfang Vermögensabflüsse der Bank an die Thannhuber-Gruppe zu verzeichnen, was die Gläubigerinteressen in besonderem Maße gefährde. Ein etwas sperriges, aber unmissverständliches Amtsdeutsch: Thannhuber ist nach behördlicher Prognose das personifizierte Risiko einer Unternehmens- und Anlegerpleite. Die BaFin hat nunmehr eigene Aufsichtspersonen eingesetzt, denen sämtliche Geschäftsangelegenheiten mitzuteilen sind. Außerdem wurde Reithinger untersagt, an Thannhuber oder ihm wirtschaftlich nahestehende Personen Kredite auszureichen. Bisherige Bemühungen der Bank, juristisch gegen diese Maßnahmen vorzugehen, blieben ohne Erfolg. Das VG Frankfurt befand die Maßnahmen der BaFin für rechtens. Thannhuber hat inzwischen auf für ihn typische Weise reagiert: Er übertrug seine Geschäftsanteile an einen Treuhänder, den Rechtsanwalt Wolfgang Janka. Dieser wiederum berief den Ex-Diba-Manager Herbert Sternberg in die Geschäftsleitung, um das angeschlagene Geldinstitut zu sanieren.

Was veranlasst die Finanzaufsicht und die Kritiker zu derartiger Skepsis? Thannhuber bereichert sich augenscheinlich auf Kosten der Anleger. Sein Rezept zur Anhäufung privaten Vermögens enthält mehrere Komponenten. Einmal ist da sein unüberschaubares Imperium an Firmen, Beteiligungen und Geschäftskontakten. Wo Thannhuber wie und wann seine Finger im Spiel hatte, ist vielfach verborgen geblieben, doch dürfte klar sein, dass er in der Vergangenheit seinem Einfluss spielen ließ, um wirtschaftlich sinnlose Deals zum eigenen finanziellen Vorteil zu nutzen. Ein Bericht der Süddeutschen Zeitung aus der Vorwoche ist exemplarisch: Die Leipziger Wohnungsgenossenschaft Tereno erwarb im Januar 2002 ein Wohnhaus in der Stadt für 5,2 Millionen Euro, obwohl der Wert der Immobilie tatsächlich bei 3,2 Millionen liegt. Eines von Thannhubers Unternehmen, die Ravena Vermögensverwaltung GmbH, erhielt einen als Gewinnbeteiligung bezeichneten Betrag in Höhe von einer Million Euro. Von dieser Summe wiederum flossen 40 Prozent an ein Vorstandsmitglied der Tereno zurück – einen Geschäftsfreund Thannhubers. Wer an eine unternehmerische Fehlentscheidung denkt, ist naiv: Mit der Höhe des Immobilienpreises stieg auch der Aufpreis, der unter den Initiatoren des Deals zu teilen war - zum gleichzeitigen Nachteil der Geldgeber. Den Eindruck persönlicher Gewinnmaximierung gewinnen Beobachter außerdem aus den so genannten Weichkosten diverser Fondsprojekte: Zum Kaufpreis treten regelmäßig Sonderposten für Konzeption, Marketing, Finanzierung oder Bearbeitung sowie Honorare für Steuerberater, Treuhänder, Geschäftsführer und Komplementäre hinzu. Teilweise, so heißt es, landen diese Gelder auf Thannhubers Konten, teilweise auf denen langjähriger Geschäftsfreunde.

Inzwischen interessieren sich auch die Ermittlungsbehörden für die Geschäftspraktiken Thannhubers. Anlass war der - letztlich nicht aufgelegte - Fonds „Ancon & Co Büropark Hamm KG“. Thannhubers „Ravena Projekt GmbH“ hatte die Büroimmobilien für 6,2 Millionen erworben und wollte sie – einschließlich der beschriebenen Nebenkosten - für fast das Doppelte an die Fonds-KG weiterverkaufen. Diese Vorgehensweise veranlasste einen Zivilrichter, Strafanzeige zu erstatten, woraufhin mehrere Unternehmen Thannhubers im Juni 2004 durchsucht wurden. Das Ermittlungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Thannhuber ist zuletzt außerdem durch seine Zusammenarbeit mit dem Finanzvertrieb Futura AG (jetzt IFF AG) aufegfallen. Auch gegen deren Chef Michael Turgut ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig. Turgut war sowohl für die einschlägig bekannte Göttinger Gruppe als auch die Frankonia tätig. Beide Unternehmen vertreiben seit Jahren hochriskante und überteuerte Fondsbeteiligungen. Turguts neue Projekte, darunter der „Capital Advisor Fund II“ ist Presseberichten zufolge ebenfalls dem Einflussbereich Thannhubers zuzuordnen. Es sollen 120 Millionen Euro an Anlegergeldern gesammelt werden. Kontoführende Bank: Reithinger. Die BaFin, so liest man, hat das Projekt genehmigt.

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