(openPR) Am Tag nach dem Wahlsieg Donald Trumps stürzten die Kurse von US-Aktien und US-Anleihen ab. Die Aktienspekulanten feierten nach einer kurzen Verkaufspanik aber noch am selben Tag neue Kursrekorde. Die Euphorie hat sich allerdings am Freitag schon wieder gelegt. Auf die Kurse der Edelmetalle, die im Gegensatz zu Anleihen- und Aktienkursen weit von einer Überhöhung entfernt sind, wurde allerdings drei Tage hintereinander kräftig mit allen Mitteln des modernen Spekulantentums eingedroschen und dadurch ausgelöste Panikverkäufe unbedarfter Zocker dürften als Katalysator gewirkt haben.
Man stelle sich einmal vor, die Passagiere eines Schiffes, das bereits 45 Grad Schlagseite hat und im Begriff ist, zu kentern, werfen ihre Rettungswesten fort, weil ihnen aus einer schon zu Wasser gelassenen und sich vom Havaristen entfernenden Barkasse zugerufen wird, sie sollten an Bord bleiben, das Schiff werde gewiß nicht untergehen.
Die Hoffnung stirbt – so sagt man – zuletzt. Die Dummheit aber auch.
Edelmetalle mit inhärentem Wert werden verschleudert, während bloße Versprechen von notorisch unzuverlässigen Zeitgenossen zu höchsten Preisen gekauft werden. Zum Beispiel Anleihen (= verbriefte Schulden, mit denen fremde Menschen sich Wünsche erfüllen, die sie sich mit selbst erarbeiteten Mitteln nicht erfüllen können), Aktien (Anrechte auf Teilhabe an der Hoffnung auf zukünftige erfolgreiche Geschäftstätigkeit fremder Menschen) und letztlich auch Immobilien (Hoffnung auf die Fähigkeit fremder Mitmenschen, für die Nutzung eines ihnen zur Verfügung gestellten Daches über dem Kopf zahlen zu können bzw. zu wollen).
Zwar muß man berücksichtigen, daß die Akteure an der Börse von der Gier nach Profit getrieben sind, auch dann, wenn sie mitunter – manche sogar zeitweise erfolgreich – einen anderen Eindruck vermitteln. Ihr Handeln wird tausendmal öfter von kurzfristigen und allzu oft auch kurzsichtigen Motiven bestimmt und allein durch die aktuelle Situation ausgelöst als in Ausführung einer wohlgeplanten langfristigen Strategie. Der Reibach heute zählt mehr als der absehbar viel größere, der – vielleicht! – drei Wochen später möglich wäre. In der heute weltweit elektronisch verkoppelten Spekulantenmeute entstehen aus einzelnen Impulsen sehr schnell sich selbst verstärkende Prozesse mit nicht selten absurden Ergebnissen. Leider kann niemand, der sich nicht anstecken läßt und einen kühlen Kopf bewahrt, so viel Geld bereithalten, um alle Perlen auflesen zu können, die Schwachköpfe fallenlassen.
Das Geschehen an den relativ engen Edelmetallmärkten könnte aber ein lehrreicher Vorgeschmack auf künftige Ereignisse an den Anleihen- und Aktienmärkten sein. Insofern ist es hochinteressant. Alle Voraussetzungen für ein weltweites Desaster sind nämlich bereits vorhanden. Nachdem sich die Aktivitäten der Notenbanken immer mehr als Ponzi-Spiel herausgestellt haben, dessen katastrophale Nebenwirkungen die beabsichtigten Hauptwirkungen mehr als neutralisieren, stehen wir am Anfang einer langen und tiefgreifenden Umwälzung, deren soziale und politische Folgen wir bisher nur ahnen können.
Daß die Spekulanten schon sehr nervös sind, ist unübersehbar und auch verständlich. Die Anleihenblase läßt bereits Luft, die Hülle aus Notenbankneugeld zeigt erste Risse. Die Renditen von US-Anleihen sind in den letzten vier Monaten schon dramatisch gestiegen: 5jäjhrige US-Anleihen rentierten am 08.07.2016 mit 0,92 Punkten. Bis zum 27.10.2016 stieg die Rendite auf 1,40 Punkte an; drei Tage nach der Wahl Trumps zum amerikanischen Präsidenten betrug sie sogar schon 1,56 Punkte. Die Werte für 10jäjhrige US-Anleihen lagen im gleichen Zeitraum bei 1,36, 2,05 und 2,15 Punkten und die für 30jäjhrige US-Anleihen kletterte von 2,13 über 2,83 auf 2,94 Punkte. Entsprechend tief sind die Kurse eingebrochen.
Übrigens: Der Deutsche Rentenindex sank im gleichen Zeitraum von 144,32 auf 141,71. Nicht ausgeschlossen, daß wir bereits das Vorspiel für den weltweiten Anleihen-Crash erleben. Das zu erwartende Desaster infolge des Platzens der Kursblase wird global und selbstverstärkend sein und auch Aktien und Immobilien betreffen.
Was Trump angeht, so muß er erst noch beweisen, daß er das Zeug hat, die USA sowohl wirtschaftlich wie auch sozial wieder auf die Beine bringen kann. Davon ist er – nicht zuletzt wegen der katastrophalen Finanzlage der Vereinigten Staaten – aber noch sehr, sehr weit entfernt. Und gerade jetzt ziehen – wie uns das Verhalten der Bankster sowie der großen und kleinen Spekulanten gerade zeigt, auch noch tiefdunkle Wolken über die von FED und EZB prall aufgeblasenen Spekulationsblasen bei Anleihen- und Aktien auf. Wie es aussieht, kommt auf Donald Trump gleich am Beginn seiner Amtszeit eine harte Prüfung zu.
Die USA sind hoffnungslos überschuldet. Eine Tilgung ihrer Staatsschulden ist nur noch durch inflationäre Entwertung des Dollars möglich. Wäre es den Amerikanern nicht möglich, auf Grund der Stellung ihrer Währung als Weltleit- und Transaktionswährung , sich beliebig auf Kosten der restlichen Welt zu verschulden, sähe es für den Wert ihrer Währung heute schon düster aus und die Anleihenkurse wären längst im Keller. Dieses Ausbeutungsprivileg wird aber nicht andauern. Der Anfang vom Ende ist bereits gemacht. Trump könnte, wenn er seine bisher bekannten Pläne unbedacht wahrmacht, dazu beitragen, das Dollarprivileg schneller zu kippen als den Amerikanern angesichts ihrer desaströsen Verschuldung lieb sein kann.
Trump will aber noch viel mehr Schulden machen, weil er – irrtümlich – glaubt, damit die Binnenkonjunktur der USA ankurbeln und die Reindustrialisierung des Landes fördern zu können. Wenn es zu diesem Zweck aber nur unbegrenzter Schuldenmacherei bedürfte, müßte die Weltkonjunktur vor Kraft nur so strotzen. In Europa sollten Länder wie Italien, Griechenland oder Portugal wirtschaftlich prosperieren, während das sparsame Deutschland zum Armenhaus verkommen sein müßte. Das Gegenteil ist aber der Fall.
Schuldenmachen kann niemals Zweck, sondern immer nur Mittel sein. Wer Schulden macht, muß nicht nur genau wissen wozu, sondern auch, wie er dieses Wozu zustande bringen kann. Die Antwort auf die Frage, ob man Schulden machen kann oder sollte, kommt vernünftigerweise ganz zuletzt.
Mit bloßem Schuldenmachen wird Trump genauso scheitern wie die drei großen Notenbanken der Welt. Er wird aus den USA kein blühendes Land machen, sondern ein wirtschaftliches und soziales Desaster auslösen. Das Scheitern der Notenbanken mit ihrer Geldvermehrungspolitik sollte sehr ernst genommen werden. Der kräftige Rückgang der Anleihenkurse in den vergangenen vier Monaten muß als eine Art letzter Mahnung verstanden werden, daß Experiment abzubrechen. Leider ist es aber schon zu spät, um den Absturz noch zu verhindern. Rien ne vas plus.
Auch Steuersenkungen und Subventionen für die Reichen schaffen nicht automatisch zukunftssichere Arbeitsplätze für die seit Jahren „abgehängte“ Unter- und untere Mittelschicht. Zunächst würden Steuersenkungen nur die katastrophale Überschuldung der USA noch weiter steigern. Notorischen Schuldnern, die wie die USA ihre Schulden mit immer neuen Schulden „abbezahlen“, trauen die Anleger und Spekulanten aber immer weniger. Wenn die FED dann auch noch ihre desaströse Geldpolitik weiter betreibt – und damit ist zu rechnen – wird sie die Inflation schneller und geldwertverzehrender antreiben als sich das die möglichen Nutznießer Trump‘scher Politik wünschen können. Dann werden die Zinsen im Wettlauf mit der Inflation noch sehr viel schneller steigen als wir es seit vier Monaten beobachten können.
Ist der Prozeß einer autonomen Anpassung von Geldmenge und Zins erst einmal in Gang gekommen, gibt es kein Halten mehr. Für die Schuldner steigen die Kosten dramatisch. Wer kann, gibt sie in seinen Preisen weiter. Wer nicht, schnallt seinen Gürtel enger oder geht in Konkurs. Die Inflation trabt an und treibt den Zins. Sie schert sich dabei nicht um die Wünsche von Schuldnern, Politikern und Spekulanten. Die Hoffnung, mit immer weiter ausgedehnten Aufkäufen von Anleihen und Aktien den Zinsanstieg bremsen zu können, ist schon nicht mehr Illusion, sondern bereits Halluzination. Um sämtliche US-Anleihen und Aktien aufzukaufen, müßte die FED so viel frisches Geld drucken, daß sie damit eine Hyperinflation auslösen würde. Für die EZB gilt das entsprechend.
Der unvermeidliche rasche autonome Zinsanstieg ist Gift für das wirtschaftliche Wachstum und die Beschäftigung. Schon die bisherige Geldvermehrungs- und Nullzins-Strategie bewirkt eine Umverteilung von Vermögen von unten nach oben. Noch mehr Neugeld würde diese Wirkung weiter steigern und infolge ihrer negativen realwirtschaftlichen Auswirkungen auch erhebliche soziale Probleme mit sich bringen. Für den ärmeren Teil der Bevölkerung bis weit hinein in den Mittelstand sieht es – nicht nur in den USA! – jetzt schon sehr schlecht aus. Noch mehr Schulden und die dadurch ausgelösten Folgen wären letztlich eine Katastrophe für den sozialen Frieden. Das sollte Trump berücksichtigen. Gerade in seinem von Waffen in Privathand starrenden Land sollte die Zunahme sozialer Probleme für große Teile der Bevölkerung unbedingt vermieden werden.
In Europa sieht es nicht anders aus. Es gibt strenge Waffengesetze und die soziale Sicherung ist viel besser aufgestellt als in den USA. Dennoch ist sie bei weitem nicht so gestaltet wie es sich anstandshalber gehörte und für einen stabilen sozialen Frieden erforderlich wäre. Sowohl die Parteien mit dem christlichen Firmenschild wie auch die mit dem Sozialen Abzeichen machen keinerlei Anstalten für gerechte Löhne, auskömmliche Renten und ein gerechtes Steuersystem zu sorgen. Allein die Grünen wagen jetzt einen sehr zaghaften Ansatz in die richtige Richtung. Solange sich die Parteien aber weiter mit Placebo- und Scheinlösungen sozialer Probleme durchmogeln und ihre Pfründen behalten können, wird sich nichts Wesentliches ändern. Dieses Beharrungsvermögen der Profiteure des Status quo wird immer mehr Menschen (und Wählern) bewußt und sie fragen sich, wie viele Schüsse mit welcher Munition man den „Eliten“ noch vor den Bug setzen muß, damit sie endlich ihren Pflichten gegenüber dem allgemein Wohl nachkommen.
Die Bankenkrise schwelt unterdessen weiter, einige Institute sind praktisch bankrott. Sie werden aber mit Rückendeckung durch die Politik und dem kostenlosen Geld der EZB am Leben gehalten, in der Hoffnung . . . ja in welcher Hoffnung eigentlich? Daß Draghi ein Wunder vollbringt und Charles Ponzi als Stümper hinstellt? Das schafft er gewiß nicht, weil es nicht zu schaffen ist. Im Gegenteil: Draghi ist längst dabei mit seiner Strategie krachend zu scheitern.
Die Programme der drei großen Notenbanken zur Rettung des Finanzsystems bezeichnet man treffender als Krebsgeschwüre der Realwirtschaft und des sozialen Friedens. Sie wirken als gigantische Ausbeutungsprogramme der arbeitenden Bevölkerungsmehrheit zugunsten einer kleinen Clique von Nutznießern: politiknahen „Eliten“, Bankstern, skrupellosen Schuldenmachern, nützlichen Idioten, sowie mehr oder minder zufälligen Profiteuren der sozial und politisch desaströsen Moral in Wirtschaft und Politik.
Draghis systematische Vernichtung von Ersparnissen und Altersversorgungen des Mittelstandes bei gleichzeitiger Subventionierung von Bankstern, Spekulanten und skrupellos Staatsschulden anhäufenden Politikern muß beendet werden. Sie hat sich längst nicht nur als kontraproduktiv erwiesen, sondern sie ist dabei, unsere Gesellschaft zu zerstören und erheblichen sozialen Sprengstoff zu erzeugen. Sie schadet dem Wohlstand und der sozialen Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger ebenso wie der Realwirtschaft und damit dem Fundament unseres Wohlstands. Die ursprüngliche Absicht, Schuldner auf Kosten der Gläubiger zu entlasten hat – abgesehen davon, daß sie ansich schon sträflich, weil eine Form entschädigungsloser Enteignung ist – erhebliche negative Nebenwirkungen, ohne die beabsichtigten Hauptwirkungen auch nur annähernd zu erreichen.
Leider kann man die bereits grundgelegten oder schon eingetretenen Nebenwirkungen nicht mehr zurückdrehen, sondern muß die Korrektur den Selbstheilungskräften des Systems – dem Markt– überlassen. Die Korrektur scheint jetzt auch eizusetzen. Sie wird grausam sein. Daß die Politiker daraus für die Zukunft lernen, ist nach aller historischen Erfahrung jedoch so gut wie ausgeschlossen. Die Regierungen Italiens, Griechenlands, Portugals, Irlands, Belgiens, Spaniens und Frankreichs scheinen notorisch unfähig, ausgeglichene Haushalte vorzulegen. Inflation war für sie immer eine Hoffnung, mit ihrer laxen Auffassung vom Haushalten durchzukommen, und so wird es auch in Zukunft bleiben. Nicht einmal die bevorstehende Geldwertvernichtung und die dadurch ausgelöste Weltwirtschaftskrise werden daran etwas ändern. Haushaltsdisziplin ist eine Frage der Mentalität. Eine funktionsfähige europäische Währungsunion ist für Länder mit Menschen anderer Mentalität natürlich unmöglich. Leider waren die damaligen politischen Entscheider nicht klug genug, die Teilnehmer am Euro-Projekt sorgfältig auszuwählen. Das sollte im Zuge der Bewältigung der kommenden großen Krise unbedingt nachgeholt werden.
Den autonomen Heilungsprozeß der kranken Märkte können weder EZB noch FED oder BoJ mit noch so viel neuem Geld zum Nulltarif und Aufkauf sämtlicher Anleihen, Aktien (und vielleicht auch noch sämtlicher Immobilien und Sammlerstücke) verhindern. Sie würden den jetzt offensichtlich in Gang kommenden Anpassungsprozeß mit einem Versuch, sich dagegen zu stemmen, nur verzögern und seine zu erwartenden negativen Auswirkungen auf die Realwirtschaft unnötig steigern.
Da es keinen bequemen Ausweg aus der von ihnen verschuldeten Misere gibt, sollten sich die Regierungen auf den Katastrophenfall wenigstens gut vorbereiten und Vorkehrungen für die Bewältigung der unvermeidlichen realwirtschaftlichen und sozialen Folgen treffen. Das ist ihre Pflicht und Eile scheint geboten. Denn es ist nur noch eine Frage der (kurzen) Zeit, wann der Ritt der Notenbanker auf dem Tiger mit dem letalen Abwurf zuende geht. Es sieht ganz so aus, als ließe er nicht mehr lange auf sich warten.
Prof. Querulix beobachtet und kommentiert das fragwürdige Treiben des Menschentiers. Seine zeitlos-zeitkritischen Beobachtungen und Kommentare sind inzwischen eine Dokumentation des Versagens der „Eliten“ und des sozialen Niedergangs. Veröffentlicht sind sie in bisher sechs Bänden, ein siebter ist für Anfang kommenden Jahres geplant. Prof. Querulix hält es nicht für ausgeschlossen, daß sein Untertitel „Rien ne vas plus“ lauten wird. Die eBooks im Umfang zwischen ca. 180 und 280 Seiten kosten je 9,95 Euro. Alle Bände sind im eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital (www.read.ruedenauer.de) erschienen und auch dort erhältlich.
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