(openPR) Es gibt doch tatsächlich noch Leute, die leugnen wollen, daß die Einkommens- und – vor allem die – Vermögensverteilung in Deutschland immer ungleicher wird. Nun kann man mit Statistiken bekanntlich alles beweisen, wenn die, die sie konsumieren, keine Ahnung vom Zustandekommen dieser Machwerke haben. „Die Statistik ist eine große Lüge, die aus lauter kleinen Wahrheiten besteht“, meinte der 1927 verstorbene englische Autor und Humorist Lionel Strachey.
Wie brauchbar eine Statistik für das ist, was sie aussagen soll ist, kann nur der ermitteln, der weiß wie sie zustande gekommen ist. Dieses Wissen fehlt in der Regel den Schreibern und Lesern von Zeitungsartikeln. Folglich ist ihnen ein gesundes Mißtrauen anzuempfehlen gegenüber Statistiken zu empfehlen.
Daß Millionen Menschen in Deutschland mittlerweile in prekären Arbeitsverhältnissen stecken und Dauerarbeitsverhältnisse immer seltener werden, bedeutet zwangsläufig zunehmende Ungleichheit. Da spielt der Gini-Index als mathematisches Maß für die Ungleichheit der Einkommen allenfalls eine Statistenrolle. Denn betroffenen Mitbürgerinnen und Mitbürger rutschen dadurch zwangsläufig in die Armut (wenn sie überhaupt jemals nicht arm waren) und werden zu Bittstellern der staatlichen Sozialbürokratie. Das ist nicht nur sozial ungerecht, sondern auch menschenunwürdig. Denn diese Menschen sind nur in seltenen Fällen (mit)schuldig an ihrer Misere.
Wenn nun aus der Bundesbank verlautet, die wahnsinnige Geldvermehrung der EZB steigere nicht die Ungleichheit, dann wird schlichtweg unterschlagen, daß ausschließlich die von der Verarmung nicht Betroffenen von der – ihnen offensichtlich generös unterstellten – geschickten Nutzung des billigen Geldes profitieren können, und zwar umso mehr, je wohlhabender sie schon sind. Die Ungleichheit der Einkommen und der Vermögen wird also entgegen der Bundesbankmeinung durchaus durch die Hazard-Politik der EZB gefördert.
Denn nur die Bessergestellten können billiges Geld auch als Kredit zur vermögensmehrenden bzw. spekulativen Verwendung auf den Anleihen-, Aktien- und Immobilienmärkten nutzen. Das Vermögen, das sie in Gestalt von Anleihen, Aktien und Immobilien bereits besitzen, ist inzwischen auch schon sehr beträchtlich gewachsen. Kleinsparer dagegen können nur hilflos zusehen, wie ihr weniges Spargeld zinslos auf der Bank liegt oder wie ihre Ansprüche aus Kapitallebensversicherungen und Sparverträgen unrettbar zusammenschrumpfen. Darüber hinaus bekommen sie den Vermögenszuwachs ihrer wohlhabenden Mitbürgerinnen und Mitbürgern unter Umständen auch noch unangenehme zu spüren, sofern die ihnen z.B. durch steigende Mieten Geld aus der Tasche ziehen.
Daß der Arbeitsmarkt infolge der leidlich gut daher dümpelnden Konjunktur positive Effekte verzeichne, wie die Bundesbank behauptet, dürften die allerwenigsten prekär Beschäftigten überhaupt bemerken. Die Flut der Zuwanderer bedeutet für sie hart zusätzliche Konkurrenz. Und daß das Kündigungsrisiko ebenfalls wegen der leidlich guten Konjunktur in Deutschland sinke, dürfte für sie auch nur marginal von Interesse sein, solange ihre Chance auf einen angemessen bezahlten Dauerarbeitsplatz weiterhin sehr gering ist.
Während die Ärmsten weiterhin in der Falle sitzen und nur allergeringste Aussichten haben, jemals da herauszukommen, sinken auch noch die Investitionen in Deutschland, weil die großen Unternehmen billiges Geld lieber für Aktienrückkäufe nutzen, die infolge der dadurch ausgelösten Kurssteigerungen oder Kursstabilisierungen ganz nebenbei auch den Boni der Vorstände und Aufsichtsräte zugutekommen. Arbeitsplätze werden so nicht geschaffen.
Übrigens: In Deutschland gibt es zusätzlich zu den ca. 2,85 Millionen ausgewiesenen Arbeitslosen noch Arbeitslose, die trickreich als nicht arbeitslos definiert werden und deshalb in der Statistik gar nicht auftauchen. Dazu zählen zum Beispiel in diversen „Maßnahmen“ untergebrachte oder kranke Arbeitslose und Unterbeschäftigte, insgesamt dürften es noch einmal annähernd 3 Millionen sein.
Der Gini-Index der Einkommensungleichheit zeigt übrigens deutlich, daß die Einkommensungleichheit in Deutschland im Zeitraum 2000 bis 2015 von 66,7 auf 77,5 Punkte, also um beachtliche 16,2 Prozent zugenommen hat. Insbesondere die Altersarmut ist in Deutschland sehr viel stärker ausgeprägt als zum Beispiel in Österreich oder der Schweiz. Durch die Auswirkungen Rentenreform der Schröder-Ära und die Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse wird sie sich weiter ausbreiten, sodaß Alter für immer mehr Deutsche ein Synonym für Armut wird, wenn nicht endlich gegengesteuert wird.
Da die technologische Entwicklung in den kommenden Jahren ohnehin Millionen Arbeitskräfte auch im höher qualifizierten Bereich überflüssig machen wird, dürfte die einzige Möglichkeit, ein Auseinanderbrechen der Gesellschaft mit allen unangenehmen Folgen für den sozialen Frieden zu verhindern, ein Grundeinkommen sein, das jedem deutschen Staatsbürger ohne Rücksicht auf das vom ihm realisierbare Markteinkommen ein zur angemessenen Teilnahme am sozial-kulturellen Leben der Gesellschaft Einkommen gewährleistet.
Ein Vorschlag dafür ist vor einiger Zeit in einer kleinen Studie unterbreitet worden. Die mit Zahlen unterlegte Studie trägt den Titel „Unbedingtes individuelles Grundeinkommen in Gestalt einer negativen Einkommensteuer - Kernstück einer unvermeidlichen Radikalreform unserer Gesellschaft (ISBN 978-3-943788-18-1, eBook (PDF) oder ISBN 978-3-943788-32-7, eBook (ePub), jeweils 9,95 Euro, ist beim eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital (www.read.ruedenauer.de) erschienen und dort wie in jeder gut sortierten (Internet-)Buchhandlung erhältlich.
Wenn der soziale Friede nicht ernsthaft gefährdet werden soll, muß in Zukunft sichergestellt werden, daß alle Deutschen angemessen am – schließlich auch von den unfreiwillig Arbeitslosen oder Unterbeschäftigten mit erarbeiteten – Volkseinkommen beteiligt werden. Die Mehrheit darf nicht weiter als nur möglichst wohlfeiles Mittel zum Zweck der unaufhörlichen Bereicherung der Minderheit der polit-ökonomischen Herrscherclique mißbraucht werden. Deutschland wird in den uns bevorstehenden weltweiten Wirrnissen nur stark bleiben, wenn es auch ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl der Bevölkerung gibt.
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