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Tag der Organspende: Hirntoddiagnostik in der Kritik

02.06.200614:30 UhrGesundheit & Medizin

(openPR) Die Diagnose „Hirntod“ wird als die wahrscheinlich sicherste Diagnose in der Medizin postuliert und deshalb wurde sie im Transplantationsgesetz als Entnahmekriterium festgelegt. Doch Studien belegen, dass der Hirntod nicht selten falsch diagnostiziert wird und Ärzte den sogenannten Hirntod nicht exakt nach den Richtlinien der Bundesärztekammer feststellen.



Das Deutsche Ärzteblatt berichtete (Jg. 103, Heft 19, 12. Mai 2006), dass man bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) von Problemen bei der Hirntoddiagnostik nichts wissen will, obwohl die Stiftung seit Monaten in der Kritik steht. Allerdings wird in derselben Ausgabe des Ärzteblatts die Fragwürdigkeit der Hirntoddiagnostik durch Aussagen des Neurologen Hermann Deutschmann, ehemaliger Leiter des mobilen Konsiliarteams der Region Nord, unterstrichen:

„Nicht selten werde zudem der Hirntod von Ärzten in kleineren Krankenhäusern, aber auch in Unikliniken fälschlicherweise vermutet oder nicht exakt nach den Richtlinien der Bundesärztekammer festgestellt. Das DSO-Team aus Niedersachsen etwa habe bei knapp 50 Untersuchungen 21-mal den Hirntod nicht sichern können, sagt Deutschmann.“ Deutschmann beruft sich auf eine interne Studie der DSO-Region Mitte und Nord.

Es ist nicht die erste Studie, die Mängel bei der Hirntoddiagnostik bestätigt. Zwischen 1984 und 1994 wurden konsekutiv 547 Patienten vom Hirntoddiagnostik-Konsillardienst der Neurologischen Universitätsklinik Erlangen untersucht. Der Hirntod wurde bei 521 Patienten festgestellt und die Diagnose beruhte in allen Fällen auf dem klinischen Befund nach den Richtlinien der Bundesärztekammer und fast immer wurde eine apparative Zusatzdiagnostik angewandt. Die Auswertung der Untersuchungsprotokolle ergab, dass in 4,8 % der Fälle die initiale Verdachtsdiagnose des Hirntodes revidiert werden musste. Für die fehlerhaften Diagnosen wurden u.a. „Wissenslücken bezüglich der klinischen und legalen Aspekte der Hirntodkriterien“ bei Neurologen und Neurochirurgen verantwortlich gemacht.

Offenbar hat sich an diesem Zustand bis heute nichts verändert.

Nicht nur die Qualifikation der untersuchenden Ärzte muss auf den Prüfstand.

Am 3. und 4. Februar 2005 hat die Päpstliche Akademie der Wissenschaften in Kooperation mit der „Weltorganisation für die Familie“ eine Tagung im Vatikan abgehalten zu dem Thema: „Die Zeichen des Todes“. Ein Aufsatz wurde veröffentlicht, der erschütternde Erkenntnisse zur Hirntoddiagnostik enthält. Beispielsweise kritisierte Dr. Cicero Coimbra, ein klinischer Neurologe von der Bundesuniversität Sao Paolo, den Apnoetests, der wichtiger Bestandteil der Hirntoddiagnostik ist. Bei diesem Test wird dem Patienten die künstliche Beatmung für bis zu 10 Minuten entzogen, um feststellen zu können, ob er selbstständig zu atmen beginnt. Dr. Coimbra führte aus:

„Auf diese Weise wird eher der irreversible Hirntod hervorgerufen, als dass er diagnostiziert wird; indem man den Blutdruck reduziert, verringert der Test zudem den Blutzufluss zum A-temzentrum im Gehirn. Dadurch hindert man den Patienten daran, während dieser Prozedur selbstständig zu atmen. (Durch eigenständige Atmung würde der Patient nachweisen, dass er lebt.)“

Zur Gefährlichkeit des Apnoetests machte auch Dr. Yoshio Watanabe, ein Kardiologe aus Nagoya (Japan) Aussagen. Er stimmte Dr. Cicero Coimbra zu und wurde folgendermaßen in dem Aufsatz zitiert:

„Er sagte, wenn die Patienten nicht dem Apnoetest ausgesetzt würden, könnten sie eine 60prozentige Chance zur Rückkehr ins Leben haben, wenn sie rechtzeitig mit therapeutischer Unterkühlung behandelt würden.“

Der Tag der Organspende 2006 bietet Anlass zur Sorge, weil Organentnahmen auf einem fragwürdigen Todeskonzept basieren, der "Hirntod" mit fragwürdigen Messmethoden "festgestellt" wird, die "nicht selten" von Ärzten angewendet werden, die sich nicht exakt an die Richtlinien der Bundesärztekammer halten.

Nähere Informationen:

o M. Merten. Stiftung in der Kritik. In: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 103, Heft 19, 12. Mai 2006, S. A 1268f.

o G. Heckmann u.a. Hirntoddiagnostik im Einzugsbereich der Neurologischen Universitätsklinik Erlangen von 1984 bis 1994. In: Dtsch. med. Wschr. 121 (1996), 1349 – 1353.

o Arbeitskreis Organspende: Kein Weg zurück... Informationen zum Hirntod, 1. A.100.8/99, S. 29

o Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO): Der Hirntod als der Tod des Menschen, 2. A.MA.09/01, S.39

o Der „Hirntod ist nicht der Tod!“ Aufsatz: Bei einer Tagung der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften Anfang Februar 2005. Dr Paul Byrne, to The Compassionate Healthcare Network, March 29, 2005. Download: www.transplantation-information.de, Rubrik: Hirntod

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