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Geschichtslektionen für Vladimir Putin

09.09.201508:50 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft

(openPR) Die Feiern, Kongresse und Gedenkveranstaltungen zum 550. Jahrestag der ersten kasachischen Staatsgründung, des 1465 ausgerufenen Khanats, erreichen in diesem Herbst ihren Höhepunkt. Sie dienen nicht nur der historischen Selbstvergewisserung der seit 1991 wieder unabhängigen zentralasiatischen Republik, sondern sind auch eine Replik auf die Herausforderung durch Stimmen aus dem benachbarten Russland, die der kasachischen Nation eine eigene Geschichte als Staatsvolk absprechen wollen, führt die Absolventin der Internationalen Universität Genf und derzeit als freie Journalistin in Astana tätige Autorin Jan Dulac in einem lesenswerten Essay aus.


Dulac bezieht sich dabei insbesondere auf eine Bemerkung des russischen Präsidenten Vladimir Putin vom August 2014, die die staatsmännische Leistung des ersten Präsidenten der unabhängigen Republik Kasachstan Nursultan Nasarbaev vor dem Hintergrund einer angeblich fehlenden Tradition „eigener Staatlichkeit“ hervorhob. Zusammen mit anti-kasachischen Attacken aus dem Lager des Chefs der „Liberaldemokratischen Partei Russlands“ Vladimir Schirinovskij, des „Nationalbolschewisten“ Eduard Limonov und anderer nährte die Bemerkung seinerzeit Spekulationen, ob Kasachstan über kurz oder lang „die nächste Ukraine“ werden könnte.
Die Autorin, die den genannten „eine Geschichtslektion“ erteilen will, hält diese Spekulationen für naheliegend, aber zu kurz gegriffen. Historische Ignoranz kennzeichne einen Großteil der russischen Gesellschaft und der Moskauer Eliten, die noch immer von Geschichtsbüchern und Geschichtsbildern aus Sowjetzeiten geprägt seien. Sie zititert den sowjetischen „Chefideologen“, das Mitglied des Zentralkomitees der KPdSU Michail Suslov, der dekretiert hatte, die Kasachen seien Nomaden, und Nomaden hätten keine Geschichte oder Kultur, weswegen archäologische Ausgrabungen in Kasachstan überflüssig seien.
Gleichwohl hatte der kasachische Archäologe K. Akischev 1969 nahe der Metropole Almaty den „Goldenen Mann“ entdeckt, die Statue eines skythischen Prinzen aus dem vierten oder fünften Jahrhundert vor Christus. Insgesamt wurden bisher sieben vergoldete Figuren aus dieser Periode gefunden, zuletzt 2010 in der nordkasachischen Region Karaganda der „Sonnenfürst“ und 2013 in Ostkasachstan die „Skythische Prinzessin“. In den Nationalmuseen in Almaty und Astana werden zahlreiche goldene Artefakte ausgestellt, die in Grabhügeln („Kurganen“) auf dem heutigen Staatsgebiet Kasachstans gefunden wurden und die vermutlich von griechischen Künstlern für skythische Auftraggeber angefertigt wurden.
Artefakte aus Bronze, Eisen, Silber und Bernstein geben Zeugnis von der hohen Handwerkskunst der Skythen. In Zentralasien wurden zahlreiche Metalldepots und antike Schmelzöfen gefunden. Jan Dulac hält es deshalb für logisch, dass in anderen Regionen gefundene skythische Schätze von den Skythen nach Südrussland oder in den Kaukasus gebracht wurden und nicht umgekehrt. Man könne, meint die Autorin nicht ohne Ironie, den Konflikt zwischen den Behörden in Kiev und auf der Krim um skythisches Gold aus Museen der Krim, das im vergangenen Jahr auf einer Ausstellung in den Niederlanden gezeigt und wegen des Ukraine-Konflikts seither nicht zurückgeführt wurde, auch dadurch lösen, die Exponate an die modernen Nachfahren der Skythen zurückzugeben –an die Kasachen.
Bis heute, kritisiert Jan Dulac, ignorierten viele Russen reichlich arrogant solche Fakten und ließen sich über die „primitive, barbarische Lebensweise“ der Nomaden in der „leeren Steppe“ aus. Dabei gebe es in kasachischen Museen eine Fülle von Zeugnissen für den hohen Lebensstandard in alten kasachischen Städten wie Saraishyk, Otrar, Taraz, der den Verhältnissen in Russland und Europa zu jener Zeit weit voraus war. So berichtet der arabische Reisende Ibn Batut 1334 vom beeindruckenden Khanspalast und fließendem Wasser in jedem Haus in Saraishyk, „der größten Stadt der Welt nach Bagdad“. Die Bibliothek von Otrar war nach Ansicht von Zeitgenossen der von Alexandria ebenbürtig, und der in Otrar geborene Gelehrte Al-Farabi habe als „zweiter Meister“ nach Aristoteles gegolten.
Während viele bis heute Kasachstan als bedingungslosen Verbündeten Russlands sähen, hätten die Bemerkungen Putins von vor einem Jahr viele kasachische Patrioten gegen Moskau aufgebracht. Der Dichter Akbergen Elgezek stellte in einem Artikel „Fragen an Putin“ wie die folgenden: „Wenn die Kasachen niemals eigene Staatlichkeit hatten, an wen haben die Russen Tribut gezahlt? … Wenn wir keinen Staat hatten, haben ihn uns etwa die Russen geschenkt? … Wenn wir keinen Staat hatten, welches Khanat haben Kerey und Janibek dann regiert? Wenn wir keinen Staat haben, für wessen Land haben unsere Krieger (Batyre) dann ihr Blut vergossen, als sie sich gegen Dschungaren, Chinesen, gegen Kokand und gegen die Russen verteidigten?“
Auch die populäre Auffassung, das kasachische Nationalbewusstsein sei geringer ausgeprägt als das von Georgiern, Ukrainern, Litauern, Usbeken oder anderen, weist die Autorin entschieden zurück. Tatsächlich wiesen kasachische Patrioten darauf hin, dass der Aufstand der kasachischen Jugend am 16. und 17. Dezember 1986 der erste Aufstand gegen das totalitäre Regime in der Sowjetunion überhaupt war. Ausgelöst waren die Proteste durch die Ernennung eines ethnischen Russen und nicht eines Kasachen zum neuen Parteichef der damaligen Sowjetrepublik. Die Revolten von Sumgait, Tiflis, Baku und Vilnius, die schließlich zur Auflösung der Sowjetunion 1991 führten, kamen zeitlich später.
Dulac zitiert den – inzwischen ermordeten – russischen Oppositionsführer Boris Nemcov, der in einem Interview Putin gewarnt habe, sich nicht mit den Kasachen anzulegen, die „bekanntlich gute Kämpfer“ seien. Der Blutzoll der kasachischen Soldaten im zweiten Weltkrieg sei womöglich sogar höher gewesen als der ihrer russischen Kameraden.
„Wenn der Kreml die Absicht hatte, einen Keil zwischen Russland und die russischsprachigen Bürger in anderen Ländern, auch in Kasachstan, zu treiben, dann hatte er damit durchaus Erfolg“, resümiert Jan Dulac. Präsident Nasarbajew habe allerdings die Vorlage genutzt, um die Idee der „ewigen Nation“ („Mangilik El“) auszurufen. Die Feierlichkeiten zum 550. Gründungsjahr des kasachischen Khanats könnten so der Startschuss für einen Prozess werden, der Kasachen und andere Völker im Land mit dieser nationalen Idee verbindet.
Die Kasachen hätten erst einige Seiten ihrer faszinierenden Geschichte aufgeschlagen, zugleich ein Kernstück der Nomadischen Zivilisation. Die Herausforderung bestehe jetzt darin, sich „der großen Vorfahren würdig zu erweisen“ und auf deren Leistungen aufbauend tatsächlich zur „Mangilik El“ zu werden.

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