(openPR) Wer hinter die Fassade schaut, die mit Begriffen wie „Beschäftigung“ und „Arbeitsplatz“ gedankenlos oder auch zur Vertuschung einer häßliche Wirklichkeit aufgebaut wird, ist zwangsläufig ernüchtert.
Es gibt nämlich nicht mehr Arbeit in unserer Gesellschaft, eher weniger. Arbeit wird derzeit nur umverteilt. Was deutlich zunimmt, sind prekäre Arbeitsplätze, von deren Lohn niemand leben kann. Auch der Mindestlohn hilft da nicht weiter. Er schont nur die Sozialkassen, weil weniger Kosten für Hartz-IV-Leistungen anfallen. Aber zum Leben, zur angemessenen Teilnehme am sozial-kulturellen Leben, reicht der Mindestlohn hinten und vorne nicht – in den Großstädten sowieso nicht, aber wahrscheinlich nicht einmal in Hintertupfingen.
Auch durchschnittliche Kaufkraftbetrachtungen sind unsinnig und irreführend. Wer sein gesamtes Einkommen für Lebensmittel, Strom, Miete und Verkehr ausgeben muß, profitiert gar nicht von der geringen durchschnittlichen Inflationsrate. Es sind gerade die Armen, die einerseits für Hungerlöhne arbeiten und andererseits den relativ höchsten Teuerungsraten ausgesetzt sind.
Exporterfolge dürfen kein Selbstzweck sein. Durch übersteigerten Export verschenkt eine Volkswirtschaft Ressourcen, die sie selbst besser nutzen könnte. Deutschland häuft zum Beispiel unter anderem Schuldscheine der USA an, die nur so lange einen Tauschwert haben, als sie von genügend anderen Ländern akzeptiert werden. Damit könnte schneller Schluß sein als viele denken. Der Dollar hat seine besten Zeiten hinter sich.
Statt das ganze Heil im Export zu suchen und Deutschland dadurch immer abhängiger vom wirtschaftlichen Wachstum und dem Import anderer Länder zu machen, wäre es klüger, die Binnennachfrage nachhaltig zu stärken. Das könnte zum Beispiel über höhere Löhne vor allem im unteren Einkommensbereich, aber auch für die Beschäftigten im Erziehungs-, Bildungs- und Pflegebereich geschehen. Schließlich ist deren erfolgreiche Arbeit für eine friedliche soziale Zukunft der Gesellschaft von größter Bedeutung. Aber auch endlich mehr Investitionen in die heimische Verkehrsinfrastruktur, in die Vollendung der sogenannten Energiewende und für notwendige Verbesserungen im Gesundheits- und Pflegebereich sind Chancen eine Stärkung der Binnenwirtschaft.
Über die Lohnkosten kann die deutsche Wirtschaft ihre globale Wettbewerbskraft ohnehin nicht nachhaltig sichern. Ein Hochpreisland kann nicht zugleich auch Niedriglohnland sein. Der Widerspruch ist unaufhebbar. Die Entlohnung allein an der Wertschöpfung von Mitarbeitern für den Betrieb auszurichten, verbietet sich aus sozialen Gründen. Jede Mitbürgerin und jeder Mitbürger hat Anrecht auf einen angemessenen Anteil am letztlich gemeinsam erarbeiteten Volkseinkommen. Wer ohne sein Verschulden nicht aktiv beitragen kann, muß so von der Gemeinschaft unterstützt werden, daß er an deren Leben angemessen teilnehmen kann.
In Zukunft werden intelligente, vernetzte Maschinen immer mehr menschliche Arbeit ersetzen. Der Onlinehandel wird den stationären Handel weitgehend verdrängen und zwar umso schneller je stärker die (relative) Verarmung großer Teile der Bevölkerung voranschreitet. Auch darauf sollten wir uns vorbereiten. Wer dann temporär oder dauerhaft keine Arbeit abbekommt, muß trotzdem angemessen leben können. Dafür muß gesorgt werden, wenn der soziale Friede gesichert sein soll. Andererseits wird es in manchen Berufen, die nicht von Maschinen ausgeübt werden können, mehr Arbeit geben. Bildung und Ausbildung müssen auf diese absehbare Entwicklung proaktiv reagieren. Die Menschen müssen auch darauf vorbereitet werden und sich selbst darauf vorbereiten, mit ihrer vermehrten Freizeit vernünftig umzugehen.
Gerade diejenigen, die am meisten von der gemeinsamen Arbeit eines Volkes profitieren, sollten daran interessiert sein, daß es nicht planlos in die Zukunft hineinstolpert, sondern sich darauf systematisch vorbereitet, seinen Weg dorthin gestaltet. Denn nur dann werden Wohlstand und sozialer Friede einigermaßen bewahrt werden können.
Kernaufgabe der Zukunftssicherung muß die soziale Integration sein. Dazu gehört die lebenslange Sicherung eines Einkommens, das eine angemessene Teilnahme am sozial-kulturellen gesellschaftlichen Leben ermöglicht. In einer vor einigen Jahren veröffentlichten Studie mit dem den Titel „Unbedingtes individuelles Grundeinkommen in Gestalt einer negativen Einkommensteuer – Kernstück einer unvermeidlichen Radikalreform unserer Gesellschaft“ wird dazu ein mit Zahlen untermauerter Vorschlag gemacht. Ein solches Grundeinkommen hätte nicht nur ökonomische Bedeutung, sondern eignete sich auch als Triebfeder für die Entwicklung einer sozial gerechteren, dem Allgemeinwohl verpflichteten Gesellschaft, in der zudem auch die ökonomische Basis besser gesichert wäre als im gegenwärtigen neoliberalen Beutekapitalismus, in dem das allgemeine Wohl regelmäßig den Sonderinteressen politiknaher Lobbyvereine geopfert wird.
Die Studie „Unbedingtes individuelles Grundeinkommen in Gestalt einer negativen Einkommensteuer – Kernstück einer unvermeidlichen Radikalreform unserer Gesellschaft“ gibt es als eBook im PDF-Format (ISBN 978-3-943788-18-1) und im ePub-Format (ISBN 978-3-943788-32-7). Sie ist im eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital http://www.read.ruedenauer.de) erschienen und dort sowie in jeder guten (Internet-)Buchhandlung für 9,95 Euro erhältlich.
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