(openPR) VdW Bayern: Steigende Energiekosten, demografische Entwicklung und Integration fordern Wohnungsunternehmen
München (09. Mai 2006) – Energetische Sanierung, altersgerechte Wohnungsangebote und Sozialmanagement – das sind die großen Aufgaben, vor denen die bayerischen Wohnungsunternehmen stehen. „Explodierende Strom- und Heizkosten führen zu steigenden Mietausfällen, weil immer mehr Mieter in Zahlungsschwierigkeiten kommen“, warnt Heinz-Werner Götz, Verbands-Chef des VdW Bayern (Verband bayerischer Wohnungsunternehmen) in einer Pressekonferenz anlässlich der 90. Jahrestagung des Verbandes in München. Zudem müssten viele Wohnungen an die Bedürfnisse einer älter werdenden Gesellschaft angepasst werden. Und schließlich bekämen die Wohnungsunternehmen die Auswirkungen einer weitgehend gescheiterten Integrationspolitik zu spüren.
„Unsere Mitgliedsunternehmen müssen erhebliche Anstrengungen unternehmen, um die Situation einigermaßen im Griff zu halten“, so Götz weiter. Dieses Paket könne die Wohnungswirtschaft aber nicht allein schultern. „Hier ist die Unterstützung der Politik gefragt“, fordert Götz. Die Ankündigung der Bundesregierung, energetische Sanierung stärker zu fördern, sei der richtige Weg. „Allerdings sind nur wenige Modernisierungswillige in den Genuss der stark zinsverbilligten Kredite von KfW Förderbank oder BayernLabo gekommen, da die sehr günstigen Konditionen nur zwei Monate Bestand hatten“, kritisiert Götz und fordert, dass die Programme – wie von der Bundesregierung angekündigt – umgesetzt werden.
Darüber hinaus müssten Investitionen durch Vermieter, die zu geringerem Energieverbrauch führten, leichter als heute möglich, zu Mieterhöhungen führen können. Dabei dürften steigende Energiekosten nicht gegengerechnet werden.
Demografischen Wandel als Chance begreifen
Die zweite große Herausforderung für die Wohnungsunternehmen ist die Veränderung der Bevölkerungsstruktur in Deutschland: Während die Lebenserwartung seit 1960 um knapp 20 Prozent gestiegen ist, brachten Frauen im Schnitt ein Kind weniger zur Welt (1960: 2,3). Ist heute jeder fünfte Bundesbürger über 60 Jahre, wird es 2030 bereits jeder Dritte sein.
Dazu verändern sich die Ansprüche an den benötigten Wohnraum: Die Wohnfläche pro Kopf steigt laut Forschungsinstitut empirica von heute 46 Quadratmeter in den alten und 38 in den neuen Bundesländern auf 56 bzw. 55 Quadratmeter. Auch auf die Binnenwanderung innerhalb Deutschlands müssten die Wohnungsmärkte reagieren. Während einige Regionen, vor allem in den neuen Bundesländern, massive Wegzüge zu verzeichnen haben, wächst die Bevölkerung im Freistaat.
Lösungen für junge Familien und Senioren
Dazu komme, dass die Wohnungsbestände vielfach nicht den besonderen Bedürfnissen von Familien mit Kindern und Senioren gerecht würden. Das glauben auch die Deutschen: Laut 1. Mietwohn-Index, einer von der GfK Nürnberg im Auftrag des VdW Bayern durchgeführten repräsentativen Umfrage, befürchten 83 Prozent der Deutschen, dass es in Zukunft zu wenige bezahlbare seniorengerechte Wohnungen mit unterstützendem Serviceangebot geben wird. Auch für Familien mit Kindern sehen die Deutschen schwarz: Drei Viertel bezweifeln, dass es für sie preiswerte, ihren Bedürfnissen entsprechende Wohnungen gibt.
Dabei könne in den Beständen der 60er und 70er Jahre durchaus entsprechender Platz geschaffen werden – durch Zusammenlegen von Zimmern oder ganzen Wohnungen. „Unsere Mitgliedsunternehmen müssten in den nächsten zehn Jahren etwa 2 Mrd. Euro jährlich investieren, um den Modernisierungsbedarf zu erfüllen“, schätzt Götz. „Bei 351 Mio. Euro im vergangenen Jahr ist klar, dass wir aus eigener Kraft nur einen Bruchteil bewältigen können, wenn die Mieten bezahlbar bleiben sollen.“
Wohnen, Betreuung und Pflege zusammendenken
Außerdem müssten Wohnen, Betreuung und Pflege besser verknüpft werden, um dem Wunsch der Menschen gerecht zu werden, möglichst lang in der vertrauten Umgebung zu leben, betont Götz.
Eine besondere Chance läge darin, dass sich Jung und Alt gegenseitig im Rahmen guter Nachbarschaft unterstützen. Unter dem Dach von Wohnungsgenossenschaften mit ihren Grundwerten Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstbestimmung sei Generationen übergreifendes Wohnen besonders gut zu gestalten.
Föderalismusreform als Chance für Bayern
Erschwert würden solche Modelle durch das Heimgesetz: „Wohnen und Pflege werden in Deutschland bisher getrennt betrachtet“, erläutert Götz. Es sei nicht ausreichend klar, welche Einrichtungen und Dienstleistungen Wohnungsunternehmen anbieten dürfen, ohne vom Heimgesetz mit seinen zusätzlichen Anforderungen an den Träger berührt zu werden.
Hier setze der VdW Bayern auf die Föderalismusreform, wodurch die Zuständigkeit bei Wohnungswesen und Heimrecht auf die Länder übergehen soll. Für Bayern ergebe sich dadurch die Chance, Wohnen und Betreuung anders als bisher zu vernetzen.
Mit durchdachtem Sozialmanagement Ausländer integrieren
Eine weitere große Herausforderung für die Wohnungsunternehmen sei die Integration von Zuwanderern aus dem Ausland. Lebten 1970 noch 2,7 Mio. Ausländer in Deutschland (4,3%), waren es 2004 bereits 7,3 Mio. (8,8%).
„Die bayerischen Wohnungsunternehmen leisten schon seit Jahren umfangreiche Integrationsarbeit mit durchdachtem Sozialmanagement“, betont Götz. So erbrächten die Unternehmen Dienstleistungen, die weit über Kundenfreundlichkeit hinausgingen: von Sozialarbeit über Schuldnerberatung bis hin zu Sprachkursen. „Wohnungsunternehmen müssen bei diesen fachfremden Aufgaben durch Freistaat und Kommunen unterstützt werden“, fordert Götz abschließend.
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Im VdW Bayern sind knapp 500 bayerische Wohnungsunternehmen zusammengeschlossen – darunter 339 Wohnungsgenossenschaften und 83 kommunale Wohnungsunternehmen. Die Mitgliedsunternehmen verwalten rund 560.000 Wohnungen, in denen ein Fünftel aller bayerischen Mieter wohnen.
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