(openPR) Die Olympischen Sommerspiele 2024 oder 2028 sollen nach Deutschland geholt werden. Der Hamburger und der Berliner Senat wollen sich bewerben. Die Bevölkerung beider Städte ist allerdings mehrheitlich nicht begeistert. Wohl wissend, daß sie von dem Spektakel eher Lasten als Nutzen erwarten dürfen, legen rund die Hälfte der Hamburger und Berliner keinen Wert darauf, den Sportzirkus in ihr Bundesland zu holen.
Da muß die Politik den politiknahen Sonderinteressen noch kräftig nachhelfen, wenn diesen gegen das Allgemeinwohl zur Durchsetzung verholfen werden soll. In Hamburg läuft die Propagandamaschine bereits an.
Sportzirkus, etwas anderes sind die Olympischen Spiele heute nicht mehr. Mit Sport als freudvoller körperlicher und geistiger Erfrischung und Ertüchtigung hat Olympia heute nicht mehr das Geringste zu tun. Was sich dort als Sportler zur Schau stellt und unter Einsatz von Gesundheit und Leben um Ruhm und Geld kämpft, sind Hochleitungsmaschinen, angetrieben durch übersteigerten Ehrgeiz, aus- und zugerüstet von technischen und psychologischen Experten auf der Grundlage neuester naturwissenschaftlicher Erkenntnisse. Olympische Spiele sind heute ein Spektakel: dressierte Menschentiere, die sich als Sensation dem staunenden oder kopfschüttelnden Publikum präsentieren.
Zur Finanzierung des Spektakels werden auch die Menschen herangezogen, die oft nicht einmal das Nötigste zum Leben verdienen. Die Eintrittskarten zu dem Spektakel können sie sich natürlich nicht leisten, allenfalls am Fernsehapparat sind sie Zeugen dessen, was ehrgeizigen Menschen mit Hilfe von Chemie und Technik möglich ist. Aber unter den Einsparungen, die zur Finanzierung der Olympischen Spiele in den Öffentlichen Haushalten notwendig sind, und unter den Einschränkungen und Belastungen während der Durchführung der Spiele leiden auch sie.
Brot und Spiele waren zu allen Zeiten ein Mittel der Herrschenden, die Völker von dem Elend abzulenken, das sie durch ihre eigensüchtige Politik angerichtet haben. Nur wurde dadurch weder das Elend geringer, noch hat es die Herrschenden jemals retten können. Verschwendetes Geld also und unnötige Belastung für die Menschen – mehr sind die Olympischen Spiele für die Orte, an denen sie durchgeführt werden, nicht. Das ist heute nicht anders als früher, nur geht es heute um sehr viel mehr Geld. Wenige füllen sich durch die Ausrichtung der Olympischen Spiele ihre meistens sowieso schon übervollen Taschen, die große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger zahlt gezwungenermaßen die Zeche, obwohl die klammen Haushaltskassen das gar nicht hergeben.
Hamburg zum Beispiel kann sich die Olympischen Spiele finanziell gar nicht leisten. Nach Jahren des Mißmanagements – unter vielem anderem sei die Vervielfachung der Kosten für die Elbphilharmonie genannt – sind die Kassen leer. Um aus den roten Zahlen zu kommen, wird im Bildungssystem auf Kosten der Qualität gespart, der Polizei fehlen die erforderlichen Kräfte, um die Öffentliche Ordnung wirksam durchzusetzen, der Zustand vieler Straßen erinnert an die DDR kurz nach der Wende, das Scheitern der Integration von Menschen aus fremden Kulturen zeigt sich an zunehmender Ghettobildung . . . um nur einige von den wichtigsten Mangelpunkten zu nennen. Die Olympische Spiele heilen diese Mängel nicht, verschlimmern sie nur, weil sie die Mittel aufzehren, die für Abhilfe dringend gebraucht würden.
Berlin ist ohnehin ein Zuschußgeschäft für Deutschland und wird es auch in Zukunft bleiben. Olympische Spiele dort auf Kosten der Bevölkerung durchzuführen, verstößt klar gegen das allgemeine Wohl, nicht nur dem der Berliner, sondern aller Deutschen.
Trotzdem wollen politiknahe Kreise der Wirtschaft Olympische Spiele unbedingt nach Hamburg oder nach Berlin holen. Klar, sie wittern das große Geld. Die Kosten sollen natürlich die anderen, soll die Bevölkerung tragen. Die Protagonisten denken augenscheinlich nur an den Riesenreibach, den bei solchen Großvorhaben üblicherweise wenige auf Kosten vieler machen können.
Allgemeinwohlorientiert ist solches Denken nicht. Es erweist nur wieder die Wahrheit der Definition: „Die Allgemeinheit ist die Schafherde, in der die Wölfe der Gesellschaft ihre Beute machen.“ (Prof. Querulix)
Allgemeinwohlverträglich wären Olympische Spiele nur dann, wenn die Veranstalter, Teilnehmer und Profiteure die gesamten Kosten und Risiken selbst tragen würden. Weder direkte oder indirekte Subventionen noch Geldzahlungen aus Öffentlichen Kassen dürften für das Spektakel fließen. Hamburg bzw. Berlin würden den Betreibern der Olympischen Spiele gegen angemessenes Entgelt Flächen und Infrastruktur zur Verfügung stellen und Auflagen machen, die den späteren Rückbau oder eine sinnvolle Umnutzung sicherstellen. Die Städte tragen also keinerlei Kosten oder Risiken, sondern nehmen Geld ein. Die Allgemeinheit bezahlt also nicht für die Olympischen Spiele, sondern sie profitiert von ihnen, wie es im neoliberalen Kapitalismus üblich ist.
Die Hamburger Pfeffersäcke haben über tausend Jahre Erfahrung im Geldverdienen. Warum nutzen sie die nicht auch im Interesse aller Hamburgerinnen und Hamburger? Die jüngst durchgesickerte (oder von interessierter Seite lancierte) Absicht, die Olympischen Spiele in Hamburg privat zu finanzieren, klingt gut. Aber bevor der Senat das Konzept nicht im Detail vorgelegt und auch alle damit möglicherweise verbundenen Risiken für den Staatshaushalt sicher ausgeschlossen hat, ist die Meldung für die Bürgerinnen und Bürger nur eine Luftnummer.
Natürlich werden die Olympiaveranstalter andere Städte und Länder finden, die ihnen bereitwillig alles geben, was sie verlangen. Die Dummen sterben ebenso wenig aus die die Dreisten. Nur sollten anständige Menschen weder zu den einen noch zu den anderen gehören. Hamburg und Berlin würden, wenn sie die Kosten nicht zu tragen bereit wären, sicherlich keine Austragungsorte. Denn es geht tatsächlich nur um Beute für wenige auf Kosten vieler. Die beiden Städte sparten sich aber auch die hohen Belastungen der Austragung und ihre Bevölkerungen würde nicht für ein Spektakel ausgebeutet, von dem sie nichts haben.
Aus der Perspektive des Allgemeinwohls dürften sich die Regierungen Hamburgs und Berlins nicht um die Austragung der Olympischen Spiele bewerben. Aber „Allgemeinwohl nennen wir heutzutage das Minimum an Rechten und berechtigten Interessen der großen Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger, das die Politiker notgedrungen gegen die Übergriffe der Lobbyvereine schützen müssen, um ihre Wiederwahl nicht allzusehr zu gefährden“, gibt Prof. Querulix im Volksmund zu bedenken.
Genau darüber müssen die Wähler genau nachdenken: Wollen wir weiterhin in erster Linie Sonderinteressen dienen, oder wollen wir die Politiker endlich dazu zwingen, unsere, der Allgemeinheit Interessen zu wahren und zu fördern?
Mehr von Prof. Querulix‘ Be- und Anmerkungen zum fragwürdigen Treiben des Menschentiers können Sie übrigens in Prosa oder als Aphorismen, Reime und Gedichte genießen, als eBooks und auf CD bei READ – Rüdenauer Edition Autor Digital und in allen guten (Internet-)Buchhandlungen.
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