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Katastrophe in Jobcentern: 18 Zeitverträge in Folge

16.09.201409:50 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
Bild: Katastrophe in Jobcentern: 18 Zeitverträge in Folge
"In vielen Bereichen des Öffentlichen Dienstes sind Zeitverträge leider gängige Praxis."

(openPR) Ein Leben ohne festen Job und doch arbeiten sie: Mitarbeiter in den Jobcentern. Seit vielen Jahren ist es gängige Praxis in den Arbeitsagenturen, Menschen stets mit Zeitverträgen - meist über zwei Jahre - zu beschäftigen und sie dann gewieft in den nächsten zu schieben. Diese Fälle aber gibt es auch in anderen Bereichen des Öffentlichen Dienstes.



Im Netz macht in diesen Tagen ein Video des Fernsehmagazins Frontal 21 die Runde. Berichtet wird da von der an sich unzulässigen Beschäftigung vieler Mitarbeiter in prekären Arbeitsverhältnissen.

Exemplarisch wird das Schicksal einer Alleinerziehenden von drei Kindern geschildert, die in Folge nun ihren 18. Arbeitsvertrag von ein und demselben Arbeitgeber erhalten hat: der Bundesagentur für Arbeit.

Dort ist möglich, was eigentlich gar nicht möglich sein darf: Mitarbeiter dauerhaft in befristeten Arbeitsverhältnissen zu beschäftigen. Hier wie auch in anderen Bereichen des Öffentlichen Dienstes ist das so. Geschätzt hat jeder sechste Arbeitnehmer im Öffentlichen Dienst ein befristetes Arbeitsverhältnis. Oftmals ergibt sich nicht die erhoffte Festanstellung, sondern eine weitere Befristung.

Mitarbeiter im Justizdienst und Kommunen auch betroffen

"Auch Mitglieder der dbb jugend nrw, die im kommunalen Dienst ihre Ausbildung gemacht haben, berichten regelmäßig darüber, dass sie nach ihrer Ausbildungszeit einen Vertrag für ein Jahr angeboten bekommen. Im Justizbereich haben wir durch viele Gespräche mit der Politik eine leichte Verbesserung erzielt", sagt der Vorsitzende der dbb jugend nrw, Jano Hillnhütter. Seiner Meinung nach hat es die Bundesagentur für Arbeit in einem ausgeklügelten System aus einander ablösenden Verträgen auf die Spitze getrieben.

"Oft werden Mitarbeiter zunächst im Jobcenter eingestellt. Läuft nach zwei Jahren ihr befristeter Vertrag ab, nutzt man eine Krücke und stellt sie über die Kreis- oder Kommunalverwaltung ein, die neben der Agentur für Arbeit zweiter Träger ist. Dann werden sie wiederum ans Jobcenter ausgeliehen", erklärt der stellvertretende Bundes- und stellvertretende Landesjugendleiter des VBBA Marcel Jansen. So kann es sein, dass wie auch vom ZDF-Politmagazin Frontal 21 beschrieben, ein und derselbe Mitarbeiter über Jahre hinweg auf demselben Arbeitsplatz sitzt, ohne einen festen Vertrag zu haben.

Wie das Verschieben von einem Vertrag und den nächsten möglich ist

Üblich ist es in Ballungsgebieten laut ZDF-Recherchen auch, Mitarbeiter nach Ablauf der Frist in einem Jobcenter in einer anderen Stadt einzustellen und die Beschäftigten auf diese Art und Weise hin und her zu reichen.

Den mitunter oft jungen Menschen macht das schwer zu schaffen. Neben der ständigen Angst, die Arbeit nach Ablauf der Frist zu verlieren, fällt auch ein Mietabschluss oder der Kauf eines Autos ohne festen Arbeitsvertrag schwer. Hinzu kommt der psychische Druck, immer mehr als hundert Prozent geben zu müssen, um nicht fallen gelassen zu werden.

Zahl befristeter Stellen steigt

Aus diesem Grund bemängelt die dbb jugend nrw schon seit mehreren Jahren, dass die Zahl der festen, unbefristeten Stellen in den Kommunen, beim Bund und den Ländern stetig abgebaut wurde und seitdem die Zahl der befristeten Stellen drastisch anstieg. Weiterer Kritikpunkt: Eine prekäre Beschäftigung ist nicht dazu geeignet, dauerhaft seinen Lebensunterhalt zu sichern. Ständig bleibt das Fragezeichen, was nach Ablauf der Befristung geschehen wird. Der Druck auf die Mitarbeiter ist unvorstellbar groß, weiß auch Marcel Jansen. Das zeigt sich in der Rate psychischer Erkrankungen und Burn-out-Fälle.

Massive Auswirkungen hat das auch für arbeitslose Bürger, die in den Jobcentern Hilfe und Unterstützung suchen. Ihre Berater wechseln ständig. Mit höchst persönlichen Anliegen haben sie immer wieder mit neuen Personen zu tun, denen sie den Einblick in viele Bereiche ihres Lebens geben müssen.

Jobcenter - ein Anlernbetrieb

"Daneben zeigt sich noch ein weiteres Problem", sagt Marcel Jansen. "Es dauert mindestens ein Jahr, bis man die sehr komplexe Materie des Sozialgesetzbuches beherrscht. Das ist für die Arbeit in den Jobcentern notwendig. Nach nur einem weiteren Jahr aber steht der mühsam angelernte Mitarbeiter nicht mehr zur Verfügung." So wird aus manchem Jobcenter ein interner Anlernbetrieb auf Zeit.

"Uns als Gewerkschaftern zeigt das, dass wir genau richtig liegen mit unserer Forderung, sachgerechte Befristungen - also solche Arbeitsverhältnisse, die ohne Grund nach einer gewissen Zeit auslaufen - abzuschaffen", sagt Jano Hillnhütter. Auf ihrem letzten Landesjugendtag hat die dbb jugend nrw beschlossen, weiter gegen die Befristung von Stellen im Öffentlichen Dienst vorzugehen.

Im vergangenen Jahr hat der gewerkschaftliche Dachverband der Minister­präsidentin des Landes, Hannelore Kraft, dazu ein Positionspapier übergeben, das die Abschaffung der sachgrundlosen Befristungen fordert und in den Fraktionen die Diskussion dazu angestoßen. Gefragt sei hier außerdem Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles. "Sie hat die Pflicht, sich als Ministerin nicht nur um allgemeine Belange zu kümmern, sondern erst einmal im eigenen Haus dafür zu sorgen, die eigenen Mitarbeiter nicht mit Füßen zu treten", führt Hillnhütter aus. Auch weiterhin will sich der gewerkschaftliche Jugend­dach­verband dafür einsetzen, dass so etwas nicht mehr möglich sei.

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