(openPR) "Dieser unverantwortliche Film fördert nicht die Integration, sondern sät Hass und Misstrauen gegen den Westen" und der EU-Kandidat Türkei solle klar Stellung beziehen, äußerte sich Stoiber laut "Bild am Sonntag". Ebenfalls hysterisch reagierte der Innenminister Baden-Württembergs, Heribert Rech (CDU), und fordere ebenfalls die Absetzung des Films, da er Kulturen spalte und türkische Jugendliche radikalisiere. Günther Beckstein mache sich Sorgen um die Integration türkischer Jugendlicher; dieser Film diene der Desintegration, und der NRW-Integrationsminister Armin Laschet (CDU) fordere eine politische Debatte über den Film. Die EU-Aufnahme der Türkei werde vom CSU-Generalsekretär Söder in Frage gestellt, wenn sich türkische Politiker nicht klar von dem Film distanzierten.
"Kurtlar Vadisi" war die erfolgreichste Fernsehserie in der Türkei, und behandelte rein türkische Themen; insbesondere die der türkischen Geldmafia. Nun kam der erste türkische Actionthriller "made in Türkiye" in die europäischen Kinos. Polat Alemdar kämpft im Irak gegen die USA und erinnert an die sogenannte "Sack-Affäre", welche hier kaum Beachtung fand.
Die Forderung von Stoiber & Co an türkische Politiker sich von dem Film zu distanzieren und die in Frage Stellung der EU-Aufnahme der Türkei, bringt das Thema "EU-Beitritt der Türkei" wieder einmal an Stammtische und deren rechtslastige Wählerschaft.
Der Gernegroß aus München versucht es immer wieder auf Kosten der Türkei Innenpolitik zu machen. Stoiber-Zitat aus der FAZ vor dem 17.12.2004 : "Herr Erdogan soll wissen, dass Angela Merkel und ich gemeinsam alle Anstrengungen unternehmen werden, dass am 17. Dezember in Brüssel ein Beschluss gefasst wird, der zu einer wirklich ergebnisoffenen Verhandlung mit der Türkei führt." Auf jeden Fall werde eine von der Union geführte Bundesregierung ab 2006 gemeinsam mit unseren Partnern, etwa mit Frankreich, alles unternehmen, damit die Türkei kein Vollmitglied der EU werde. "Die Vollmitgliedschaft der Türkei wird an den Menschen in Europa scheitern. Unser Ziel ist die privilegierte Partnerschaft, weil wir Europa nicht überfordern dürfen." Die Quittung erfolgte auf Schloss Bouchout .
Mit der Forderung die Ausstrahlung des Films zu verbieten begeben sich die Herren auf das gleiche Niveau wie die Regimes im Rahmen des Karikaturenstreits. Artikel 5 des Grundgesetzes regelt nicht nur die Presse-, sondern auch die Filmfreiheit; eine Zensur findet nicht statt. Sowohl dem Generalsekretär der CSU, als auch manchem arabischen Demonstranten sei gesagt, dass weder Filme noch Karikaturen unter der Aufsicht von Regierungen entstehen.
Erst kürzlich erhielt der Film "Road to Guantanamo" einen Silbernen Bären. Der Film erzählt über die Greueltaten im Lager Guantanamo, und macht ebenfalls Stimmung gegen die USA.
"Tal der Wölfe" ist unter anderem auch in Ländern wie Schweiz, Österreich, England und den Niederlanden zu sehen. Populistische Äußerungen seitens "Spitzenpolitiker" sind bisher nur in Deutschland zu erkennen. Wir können nur hoffen, dass sich in Zukunft wieder mehr politischer Weitblick, Ehrlichkeit und Verantwortungbewußtsein durchsetzt.
Integrationspolitik sieht anders aus, aber wie heißt es so schön auf der homepage des Herrn Stoiber: "Deutschland ist ein ausländerfreundliches Land - Bayern eingeschlossen - und wir haben bisher bei der Integration enorm viel geleistet." In dieser Sache sind einige eher etwas übermotiviert, oder verfolgen ganz andere Interessen; dies in einer Zeit, in der der "Kampf der Kulturen" beschworen wird. (RA/23.02.2006)










