openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Monopolanspruch und Preiserhöhungen: Telekom-Geschäftsstrategie in der Kritik - EU-Kommission droht mit Klage vor dem Europäischen Gerichtshof

22.02.200609:32 UhrMedien & Telekommunikation

(openPR) Bonn/Brüssel, ne-na.de - Nicht nur die Deutsche Telekom, sondern auch Arcor, Hansenet und NetCologne planen den Aufbau superschneller Glasfasernetze für Daten, die gleichzeitig Internet, Telefongespräche und TV übertragen können. „Es wird mächtig gepokert beim Bau der Glasfasernetze, die Voraussetzung sind für VDSL - das superschnelle Internet mit bis zu 50 Megabit/s. Dies ist 50-mal schneller als bei heute üblichen DSL-Anschlüssen“, berichtet das Manager Magazin http://www.manager-magazin.de.



Drei Milliarden Euro will Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke in deutschen Großstädten investieren. Das Glasfaserkabel soll möglichst nah bis an die Häuser der Kunden verlegt werden. Doch Ricke will das Geld nur dann ausgeben, wenn ihm die Politik zusichert, dass kein Konkurrent das neue Telekom-Netz mitnutzen darf. Das Ansinnen der Telekom bewertet Matthias Kurth, Chef der Bundesnetzagentur http://www.bundesnetzagentur.de, in einem Interview mit dem Manager Magazin kritisch: „Ich habe kein Problem damit, wenn Unternehmen Diskussionen sachlich austragen und sich einem kritischen Diskurs stellen. Wenn die Argumente von Unternehmensseite allerdings ungerechtfertigte Vorrechte aus Monopolsektoren schützen sollen, halten wir mit unseren Argumenten dagegen“, so Kurth. Wenn die Telekom mit der Behauptung komme: "Wir machen was Neues" und deswegen nicht reguliert werden wolle, müsse die Bundesnetzagentur das natürlich kritisch prüfen. „Wer kennt denn die neuen Produkte, die über das schnelle Glasfasernetz realisiert werden sollen? Keiner kennt sie! Bis heute nicht“, sagt Kurth. Widerstand kommt auch von der EU-Wettbewerbskommissarin Viviane Reding: Die Telekom habe sie nicht davon überzeugt, dass es sich beim Glasfaserausbau um einen neuen Markt handele. "Neue Infrastrukturen, über die bereits existierende Produkte und Dienste angeboten werden, sind kein neuer Markt", stellte Reding klar. Eine Vorzugsbehandlung der Telekom über eine Novelle des Telekomunikationsgesetzes werde die EU-Kommission nicht hinnehmen. Reding droht in diesem Fall mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof.

Omar Khorshed, Vorstandschef des Düsseldorfer Abrechnungsdienstleisters acoreus http://www.acoreus.de, sieht in der Vorgehensweise der Telekom die bisher übliche Geschäftsstrategie: „Entweder werden die Produkte der Telekom für Konkurrenten nicht verfügbar gemacht oder der Konzern erhöht die Preise für die Vorleistungsprodukte“, so Khorshed. Die Telekom habe neben der Glasfaser-Monopolpolitik bekanntlich eine neue Gebührenordnung für ihre Interconnection-Leistungen beantragt. „Bis Mitte April muss die Bundesnetzagentur entscheiden, ob bei Ortsgesprächen, bei denen T-Com-Kunden aus fremden Netzen angerufen werden, 0,66 Cent statt bisher 0,5 Cent pro Minute zahlen müssen. Die neuen T-Com-Preise würden allerdings den Wettbewerb stark beeinträchtigen und getätigte Netzinvestitionen der Konkurrenz entwerten. Die meisten größeren Netzbetreiber sind bereits mit allen 474 lokalen Verteilern der Telekom zusammengeschaltet und können auf die Hauptknoten des Bonner Ex-Monopolisten verzichten. Die Telekom will aber auffälliger Weise nur die Leistungen der Tarifzone I erhöhen. Das sind eben genau die lokalen Verbindungen, auf die alle Telekom-Wettbewerber angewiesen sind“, weiß Khorshed. Auch das Investitions- und Arbeitsplatzargument der Telekom beim Glasfaser-Engagement sei durchsichtig. „In Wahrheit haben die Wettbewerber in den vergangenen Jahren nach Angaben der Bundesnetzagentur wesentlich mehr in die TK-Infrastruktur investiert als die Telekom“, so Khorshed.

Auch der Bundesverband der regionalen und lokalen Telekommunikationsgesellschaften (BREKO) http://www.brekoverband.de/ bemängelt den Breitbandwettbewerb in Deutschland. Das belege der aktuelle Implementierungsbericht der EU-Kommission. Das Dokument offenbare die negativen Folgen des langsamen Regulierungstempos in Deutschland. „Während im EU-Schnitt dank des Wettbewerbes der DSL-Marktanteil der ehemaligen Monopolisten auf 61 Prozent zurückging, beherrscht die Deutsche Telekom immer noch 67 Prozent des Marktes im DSL-Festnetz“, kritisiert BREKO-Geschäftsführer Rainer Lüddemann. Der deutliche Rückgang im Vergleich zum Vorjahr (83 Prozent) käme dabei nicht den Telekommunikationsgesellschaften mit eigenem Netz zugute.

Die EU-Kommission sieht hierfür in erster Linie die Wiederverkäufer auf dem Netz der Telekom verantwortlich, also den Resale-Markt, der durch den Verkauf von Telekom-Produkten indirekt wieder den Ex-Monopolisten stärkt. Flankiert wird diese Aussage durch das Sondergutachten der Monopolkommission, das für das letzte Jahr eine Verdopplung der DSL-Anschlüsse für Wettbewerber mit eigenem Netz feststellt, aber eine Verfünffachung der Zahl von DSL-Resale-Anschlüssen. Lüddemann sieht dies als Beweis für einen eher unechten Wettbewerb. Deutschland hinke in Wirklichkeit der EU hinterher: „In Deutschland haben laut EU nur 6 Prozent der Telefonkunden ihren Anschluss fest bei einem Wettbewerber, im EU-Durchschnitt sind es bereits über 8 Prozent. Ortsgespräche werden nur zu 17 Prozent über den Wettbewerb geführt, im europäischen Durchschnitt bereits zu rd. einem Viertel.“ Als eine Ursache für die relativ langsame Regulierung in Deutschland sieht die EU die Zweiteilung der Verfahren an. Es sei unnötig und unüblich, zur Erstellung einer Regulierungsentscheidung erst eine Marktprüfung zu veranlassen und danach gesondert die Regulierungsverfügung inklusive Anhörungen anzustrengen. Dies könne in einem Zuge geschehen. Diese Praxis sei zumindest teilweise dafür verantwortlich, so Lüddemann, dass erst vier von 18 Teilmärkten der Telekommunikation reguliert seien und zwei wichtige wie Mobilfunk und Breitband immer noch fehlten.

Medienbüro.sohn
V.i.S.d.P: Gunnar Sohn
Ettighoffer Strasse 26a
53123 Bonn
Germany

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 77795
 124

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Monopolanspruch und Preiserhöhungen: Telekom-Geschäftsstrategie in der Kritik - EU-Kommission droht mit Klage vor dem Europäischen Gerichtshof“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von medienbüro.sohn

Sascha Lobo und die halbautomatische Netzkommunikation
Sascha Lobo und die halbautomatische Netzkommunikation
Facebook-Browser könnte soziale Netzwerke umpflügen Berlin/München, 27. Februar 2009 - Millionen Deutsche sind mittlerweile in sozialen Netzwerken wie XING, Wer-kennt-wen, Facebook oder StudiVZ organisiert, haben ein Profil und präsentieren sich auf irgendeine Art im Web, ob mit Bildern, kurzen Texten, Blog-Beiträgen oder Links, die sie interessant finden. „Es lässt sich kaum leugnen: Wir sind zum Glück nicht mehr Papst, wir sind jetzt Netz. Die Menschen haben begonnen, wichtige Teile ihres gesellschaftlichen Treibens ins Internet zu verlag…
Finanzbehörden müssen mit Mittelstand innovativer umgehen
Finanzbehörden müssen mit Mittelstand innovativer umgehen
Schnelle Verfahren zur Stundung von Steuern und Anpassung von Vorauszahlungen Berlin, 26. Februar 2009 – Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) bvmw.de fordert die Finanzbehörden und Sozialversicherungen zu einem flexiblen und innovativen Umgang mit kleinen und mittleren Unternehmen auf, die unverschuldet in Not geraten sind und bei denen unerwartete Liquiditätsengpässe auftreten. Eine Möglichkeit bestünde in einfachen und schnellen Verfahren, um Steuern und Sozialabgaben vorübergehend zu stunden oder Vorauszahlungen anzupassen…

Das könnte Sie auch interessieren:

EU-Kommission lehnt geplante Europäische Bürgerinitiative gegen TTIP und CETA ab
EU-Kommission lehnt geplante Europäische Bürgerinitiative gegen TTIP und CETA ab
… über CETA und TTIP nicht abzuschließen, auch nicht nachkommen. Der Bundesvorsitzende der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) Sebastian Frankenberger ist über diese Nachricht schockiert: „Der EU-Kommission scheint der Wille der europäischen Bürgerinnen und Bürger völlig egal zu sein! Mit juristisch streitbaren Positionen wird hier gegen ein breites …
Bild: Standardvertragsklauseln – Ein Trump(f) für die Datenübermittlung in die USA?Bild: Standardvertragsklauseln – Ein Trump(f) für die Datenübermittlung in die USA?
Standardvertragsklauseln – Ein Trump(f) für die Datenübermittlung in die USA?
… in den USA ergänzend zu einem herkömmlichen Auftragsverarbeitungsvertrag (nach Art. 28 DSGVO) die Standardvertragsklauseln vereinbaren. Durch die von der EU-Kommission entwickelten Klauseln soll sichergestellt werden, dass der Auftragsverarbeiter ein dem EU-Recht entsprechendes Datenschutzniveau einhält. Sind Standardvertragsklauseln das Mittel der Zukunft? Die …
Schlendrian der Bundesregierung beim Tabakwerbeverbot
Schlendrian der Bundesregierung beim Tabakwerbeverbot
Die Bundesregierung erhielt am 1. Februar 2006 eine "begründete Stellungnahme" der Europäischen Kommission, weil sie die Richtlinie über Werbung und Sponsoring für Tabakprodukte (2003/33/EG vom 26. Mai 2006) noch nicht umgesetzt hat. Die Richtlinie muss nun innerhalb von zwei Monaten in nationales Recht umgesetzt werden. Bereits im Oktober 2005 hatte …
HOMBURGER: Zwangspfand wird zur kostspieligen Affäre
HOMBURGER: Zwangspfand wird zur kostspieligen Affäre
BERLIN. Zur neuerlichen Kritik der EU-Kommission am Zwangspfand und der deshalb drohenden Klage gegen Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof erklärt die umweltpolitische Sprecherin und stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Birgit : Es bestehen kaum noch Zweifel, dass die EU-Kommission wegen des Zwangspfands gegen Deutschland …
Bild: Dienstleistungsrichtlinie: Umsetzung ungenügend!Bild: Dienstleistungsrichtlinie: Umsetzung ungenügend!
Dienstleistungsrichtlinie: Umsetzung ungenügend!
… schließlich doch an. Nun zeigt sich, daß auch die Umsetzung problematisch ist: Die Länder haben ihren Gestaltungsspielraum dabei so genutzt, daß die EU-Kommission noch zahlreiche Hindernisse und Lücken sieht, insbesondere was den Status von grenzüberschreitend erbrachten Dienstleistungen anbelangt. Nach wie vor existieren nationale Regelungen, die wegen …
LEUTHEUSSER-SCHNARRENBERGER: FDP begrüßt Klage vor EuGH wegen Verletzung des Stabilitätspakts
LEUTHEUSSER-SCHNARRENBERGER: FDP begrüßt Klage vor EuGH wegen Verletzung des Stabilitätspakts
… wegen der Verletzung des Stabilitätspakts zu klagen, erklärt die europapolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Sabine : Die FDP begrüßt die Entscheidung der EU-Kommission, vor dem Europäischen Gerichtshof wegen der Verletzung des Stabilitätspakts durch die EU-Finanzminister zu klagen und ein Eilverfahren anzustrengen. EU-Währungskommissar Solbes …
Bild: Offenbarungseid für die Umweltpolitik der Großen KoalitionBild: Offenbarungseid für die Umweltpolitik der Großen Koalition
Offenbarungseid für die Umweltpolitik der Großen Koalition
EU-Kommission hat Klage gegen Deutschland eingereicht: Offenbarungseid für die Umweltpolitik der Großen Koalition ÖDP NRW fordert Konsequenzen (Düsseldorf/Münster) –Die Untätigkeit der Bundesregierung in der Luftreinhaltung hat nunmehr die EU-Kommission dazu veranlasst, Klage beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) wegen des permanenten Verstoßes gegen …
LEUTHEUSSER-SCHNARRENBERGER: FDP begrüßt Klageschrift der Kommission zum Stabilitätspakt
LEUTHEUSSER-SCHNARRENBERGER: FDP begrüßt Klageschrift der Kommission zum Stabilitätspakt
BERLIN. Zur Einreichung der Klageschrift der Europäischen Kommission gegen den Ministerrat wegen der Verletzung des Stabilitätspakts durch Deutschland und Frankreich erklärt die Europapolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Sabine : Die Bundesregierung und Frankreich haben den Stabilitätspakt verletzt indem sie das vom Stabilitätspakt vorgesehene …
Die Mandarine von Brüssel – „Agenturitis“ frisst Geld der Steuerzahler auf
Die Mandarine von Brüssel – „Agenturitis“ frisst Geld der Steuerzahler auf
Bonn/Brüssel – Der Grad der Europa-Begeisterung wird auch in Cent und Euro gemessen. Die Bürger der europäischen Länder haben mehrheitlich den Eindruck, Europa koste sie zu viel Geld. Dass dies nicht immer ein pauschales Vorurteil sein muss, belegt ein Interview, dass der österreichische Sozialdemokrat Herbert Bösch mit Welt-Online welt.de geführt hat. …
Dosenpfand: Mehrweg wurde gestaerkt - AG Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Dosenpfand: Mehrweg wurde gestaerkt - AG Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
… 2004 - Michael Mueller, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, und Ulrike Mehl, umweltpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, erklaeren zur Entscheidung der EU-Kommission zum : Die EU-Kommission laesst sich von deutschen Pfandgegner instrumentalisieren. Das Instrument Pfand ist als solches innerhalb der EU nicht …
Sie lesen gerade: Monopolanspruch und Preiserhöhungen: Telekom-Geschäftsstrategie in der Kritik - EU-Kommission droht mit Klage vor dem Europäischen Gerichtshof