(openPR) Nach einem Start knapp über 1,25 pendelte der Euro in der letzten Handelswoche zunächst seitwärts. Echte Dynamik kam dann erst am Freitag auf, nachdem das französische EZB-Direktoriumsmitglied Coeure die Absicht der EZB bestätigte, kurzlaufende Anleihen der europäischen Krisensaaten zu kaufen. Nichts Neues eigentlich, gleichwohl nahmen die Marktteilnehmer diese doch eher allgemeine Aussage - die Draghi bereits auf der letzten Pressekonferenz kundgetan hatte - zum Anlaß, den Euro über die 1,26 und damit über den wichtigen Widerstand bei 1,2590 zu hieven. Bis knapp 1,2640 reichte die Kraft der Bullen, bevor dann vor der Rede Bernankes in Jackson Hole Gewinnmitnahmen einsetzten.
Bernankes Rede selbst gibt einige Rätsel auf. Da ist zunächst einmal die in jeder Hinsicht unhaltbare Aussage, wonach das QE 1 und 2 bisher 3% Wachstum und 2 Millionen jobs gebracht habe. Das ist durch Studien bereits widerlegt, doch braucht der Notenbankchef offenkundig eine Rechtfertigung für seine ultraexpansive Geldpolitik und da ist man bei den Zahlen dann mal nicht so wählerisch. Sehr erstaunlich ist auch die Aussage, wonach die Fed über den Zustand des Arbeitsmarkts sehr besorgt sei, die Probleme dort jedoch nicht struktureller, sondern zyklischer Natur seien sprich sich von selbst erledigen würden, wenn der Zyklus eben wieder in den Aufschwung-Modus wechselt. Daß der US-Arbeitsmarkt aber trotz einer eingermaßen passablen US-Konjunktur nicht anspringt, zeigt doch vielmehr, daß der US-Arbeitsmarkt ein strukturelles Problem hat was die Besorgnis Bernankes dann auch deutlich besser erklären würde!
Nach der Rede Bernankes sackte die Gemeinschaftswährung erst ab, erholte sich dann wieder und pendelte sich schließlich knapp unter der 1,26 ein. Das zeigt eine gewisse Ratlosigkeit, weil nach wie vor unklar scheint, ob die Fed auf ihrer September-Sitzung den junkies Stoff gibt oder eben nicht. Wir vermuten, daß die Fed nicht frühzeitig ihr Pulver verschiessen wird, bevor erstens in den USA der fiscal cliff (ab 01.01.2013) eintreten wird und zweitens die Eurokrise eskalieren könnte. Die Wirksamkeit weiterer Maßnahmen dürfte ohnehin verschwindend gering sein: Ziel ist es ja, die Renditen für (meist langlaufende) Anleihen nach unten zu bringen - und da ist schlichtweg in Richtung 0 kaum mehr Spielraum.
Der Fokus veschiebt sich nun auf die EZB-Sitzung am Donnerstag. Es muß jetzt der große Wurf kommen, sonst macht sich Draghi erneut lächerlich. Faktisch aber hat die EZB kaum Spielraum, solange die Problemkandidaten Spanien und Italien nicht unter den Rettungsschirm schlüpfen. Was die EZB am Donnerstag verkünden kann, sind dann wieder Absichtserklärungen für den Fall der Fälle, der so schnell wohl nicht eintritt, weil sich die betreffenden Länder weigern, die Konsequenzen und Anforderungen unter dem Schutzschirm EFSF/ESM zu tragen. Ausser das Wasser steht bis zum Halse, was zumindest in Spanien nicht mehr lange dauern dürfte...
Charttechnisch sieht die Lage für den Euro seit Bruch der 1,2440er-Marke nicht schlecht aus. Die nächsten Widerstände warten nun bei 1,2640 (Hoch der letzten Woche), dann bei 1,2700 und 1,2750. Sollte die 1,2440 nachhaltig nach unten durchgereicht werden, stehen die Jahrestiefs wieder auf der Agenda.
Da warten die Märkte sehnsüchtig auf die Rede Bernankes um dann letztlich eine lauwarme Suppe präsentiert zu bekommen. Klar: sie hätte auch kalt sein können das war dann die Schlußfolgerung, nachdem zuächst Enttäuschung geherrscht hatte.
Was der Notenbankchef immerhin geschafft hat, ist die Aktienmärkte in einer Art permanenten Erregungszustand zu halten. Das gleicht einer Horde Männern, die in einem Table-Dance-Lokal sitzen, den Damen Geldscheine zustecken am Ende aber passiert dann doch nichts. Eben dieser enttäuschende Ausgang steht den Märkten noch bevor, derweilen man sich am Anblick des Table-Dancers Bernanke erfreut und immer noch bester Hoffnung ist...
Die Hoffnung dürfte zumindest noch bis Freitag tragen sofern die EZB-Sitzung am Donnerstag kein kompletter Reinfall wird. Am Freitag folgen dann nämlich die nonfarm-payrolls (große US-Arbeitsmarktdaten), und sollten diese nicht allzu schlecht ausfallen, wird Ernüchterung einkehren. Derzeit herrscht ja die verquere Logik, daß gute US-Konjunkturdaten schlechte Nachrichten für die Liquiditätsjunkies darstellen man sollte also als vollinvestierer Bulle darauf hoffen, daß die Zahl neuer Stellen nicht allzu hoch ist.
Die Risiken nehmen in nächster Zeit exponentiell zu. Erstens die sehr reelle Gefahr, daß kein QE3 kommt, was dann zum abrupten Abbau der angestauten Erregung führen dürfte. Die größte Gefahr mittelfristiger Natur aber dürfte ein Wahlsieg Romneys werden, der ja klar gemacht hat, daß er Bernanke ablösen will. Das ist eine schlechte Nachricht für die Wall Street, die ja zu über 80% republikanisch tickt und daher auch Romney finanziell massiv unterstützt. Siegt Romney, wird aber der Drogendealer Bernanke gleichsam ins Gefängnis gesperrt, und daß dann ein neuer Notenbankchef ähnlich freigiebig ist, erscheint mehr als unwahrscheinlich. Man wird sich dann unangenehmerweise wieder mit den fundamentalen Fakten beschäftigen müssen eine Disziplin, die inzwischen fast in Vergessenheit geraten ist.
Charttechnisch hat sich nichts geändert: maßgebliche Unterstützung ist der Bereich 6870/80, auf der Oberseite die Widerstände bei 7100/06, 7150 und 7200.
Schreibt Herr Fugmann von der











