(openPR) Aus Anlass seines 75. Geburtstages des Künstlers werden in Ergänzung zur Dauerausstellung figürlicher Plastik in der dritten Etage des stilwerk Berlin vom 30. März bis zum 12. Mai 2012 in einer kleinen Sonderausstellung ausgewählte Skulpturen von Richard Heß präsentiert.
showroom im stilwerk Berlin
Kantsraße 17
10623 Berlin
Geöffnet ist Dienstag bis Freitag von 14 bis 19 Uhr und Sonnabend von 10 bis 19 Uhr bei freiem Eintritt
Vernissage: 29. März 2012, 19 Uhr
Es spricht Fritz Peter Hoppe, langjähriger Vorsitzender des Künstlersonderbundes
Die Ausstellung zeigt etwa 30 Skulpturen aus den Jahren von 1967 bis 2012 sowohl zu sozial engagierten Themen als auch jene, die von der sinnlichen Körperlichkeit der weiblichen Figur künden.
Heß' zentrales Thema ist die Darstellung von Gewalt und ihre Wirkung auf die menschliche Existenz. Meist wählt er dafür alltägliche Situationen, die er versteht, durch die Eindringlichkeit der Formung zum Mahnmal werden zu lassen. Gewalt und Aggression, Schwäche, Hilflosigkeit und Unterdrückung bewegen den Künstler immer wieder.
»Das jüngste Gericht« von 1978, »Sieger und Opfer II« von 1977, »Pieta« von 1998 und »Krieger III« von 2004 stehen beispielsweise für diese Gruppe.
Die »Träumende I« aus dem Jahre 1967, »Sophia« von 1986, »Kleine Eva II« von 1994 oder die »Melancholie III« aus dem Jahre 2011 künden von der spannungsreichen Plastizität, den sinnlichen Kurven der wohlgeformten Frauenkörper bei Richard Heß – eine Hymne auf das Weib.
»Sibylle« von 1985, einer der Höhepunkte im Schaffen von Richard Heß, vereint beide Seiten.
Die Sibyllen, Seherrinnen als Pendant zum Propheten, haben in der bildenden Kunst eine lange Tradition von der Antike bis zur Sibyllendarstellung in den Deckenfresken der Sixtinischen Kapelle von Michelangelo. Die Plastik von Richard Heß huldigt der weiblichen Körperlichkeit in ähnlicher Weise wie im italienischen Frühbarock, bricht aber radikal die Bewunderung für die Seherin – deren Augen sind leer, die Sibylle ist blind.
Hier verbindet sich plastisches Modelliervermögen mit philosophischer Weltsicht auf eindrucksvolle Weise.
»Richard Heß ist Realist«, schrieb 1980 der Begründer der Berlinschen Galerie Eberhard Rothers im Katalog zur Heilbronner Ausstellung. Er ist Realist im Formen und im Denken.
Er gehört zu den anerkannten Bildhauern seiner Generation, die das Menschenbild entgegen aller Anfeindungen der vergangenen Jahrzehnte in den Mittelpunkt ihres Schaffens stellt.
Ergänzt wird die Ausstellung durch einige Aktzeichnungen.
Biografie
Richard Heß wurde am 6. April 1937 in Berlin geboren. Von 1952 bis 1955 absolvierte er eine Holzbildhauerlehre, von 1957 bis 1962 studierte er Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste Berlin und von 1962 bis 1963 war er dort Meisterschüler bei Professor Bernhard Heiliger. Bis 1965 arbeitete er in Berlin freischaffend als Bildhauer. Von 1965 bis 1968 war Heß Assistent an der Technischen Universität Braunschweig bei Professor Jürgen Weber und anschließend bis 1971 bei Professor Waldemar Grzimek an der Technischen Hochschule in Darmstadt. 1971 erhielt er hier einen Lehrauftrag und 1972 eine Dozentur. Richard Heß wurde Mitglied der Darmstädter Sezession, in deren Vorstand er von 1974 bis 1976 wirkte. 1980 berief die Fachhochschule Bielefeld Richard Heß zum Professor. Im gleichen Jahr erhielt er den Darmstädter Kunstpreis und 1997 den Preis der Skulpturenbiennale Bad Homburg v. d. Höhe. 1991 war er Gastdozent am Schwäbischen Kunstsommer der Universität Augsburg. 1999 zog Richard Heß wieder nach Berlin, wo er seitdem als Bildhauer tätig ist. Seit 1966 hatte Richard Heß eine Vielzahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in verschiedenen Städten Deutschlands.
Werke von Richard Heß befinden sich in 46 öffentlichen Sammlungen Deutschlands. Seine Bibliographie umfasst etwa 120 Titel. Im Jahr 2000 erschien an der Universität Heidelberg eine Dissertation über den Bildhauer Richard Heß.
Das bildhauerische Schaffen von Richard Heß ist auf besondere Weise mit Italien verbunden. Schon während des Studiums begegnete er Werken von Marini, Manzú, Minguzzi, Mascherini, Morandi und Guttuso, die ihn nachhaltig beeindruckten. In den 80er Jahren wird er in Italien bekannt, wo er Ausstellungen in Verona, Bolzano, Vicenza, Mantua, Mailand, Padova, Montecatini Terme, Abano Terme, Vicenza, Cesena, Bari, Terme Tamerici, Taranto, Bologna, Treviso, Tredozio und Imola hatte. 1995 hat er an der Biennale Venedig (con il patrocinio della Biernale die Venezia, Esposizione Internazionale d'Arte), Außenstelle Vicenza, teilgenommen.
Werke von Richard Heß sind in acht öffentlichen Sammlungen Italiens vertreten. Seit 2005 ist er korrespondierendes Mitglied der Accademia Nazionale di San Luca, Roma.
Weitere Informationen unter www.kunsthandel-karger.com. Druckfähige Abbildungen(300 dpi) werden auf Anforderung per Mail zugesandt.













