(openPR) München, 4.5.2011. Chancen und Risiken von Hochtechnologien werden in Deutschland zunehmend kritisch diskutiert und ihre gesellschaftliche Akzeptanz ist häufig strittig. Nach der Schlichtung um Stuttgart 21 fordern Politiker mehr und frühzeitige Bürgerbeteiligung. In München findet nun eine Premiere statt: denn die Meinung von Arthrose-Patienten wird bereits in die medizinische Grundlagenforschung einbezogen: Rund 20 Patientinnen und Patienten zwischen 23 und 72 Jahren diskutieren ab Freitag, dem 6.5. 2011, im Klinikum rechts der Isar mit renommierten Forschern über einen innovativen Forschungsansatz mit Stammzell- und Gentherapie.
Arthrose ist eine der häufigsten Volkskrankheiten – ihre Behandlung kostet das Gesundheitswesen jährlich Milliarden. Das europäisch geförderte Medizinforschungsprojekt GAMBA (Gene Activated Matrices for Bone and Cartilage Regeneration on Arthritis) unter Leitung von Prof. Dr. Christian Plank und Dr. Martina Anton von der TU München/Klinikum Rechts der Isar verfolgt eine Vision: Wird es in 20 Jahren möglich sein, Knochen nachwachsen zu lassen oder Knorpel im Körper zu züchten und auch Gelenkentzündungen wirksam zu stoppen? Doch welche Risiken und ethischen Aspekte sind mit solchen therapeutischen Visionen verbunden? .
Im sogenannten Patientenforum erhalten die Teilnehmenden eine Einführung in das Themenfeld innovativer Grundlagenforschung zu Arthrose und – je nach Interesse – weitergehende Hintergrundinformationen zu Gentherapien, Stammzellenforschung und Nanomedizin. Sie hören Expertenvorträge, veranstalten ein Hearing mit selbst ausgewählten Experten und diskutieren mit den anderen Teilnehmenden über Chancen, Risiken und ethisch-soziale Aspekte der visionären Therapie. Unterstützung erhalten sie dabei von einem erfahrenen Moderationsteam, das sicherstellt, dass die Informationen verständlich sind und die Patienten ihre Aufgabe gut bewältigen können.
Etwa jeder vierte Deutsche leidet an degenerativer Arthrose. Bei den über 65-Jährigen ist sogar jeder Zweite betroffen. Bei den Patienten bauen sich die Gelenkknorpel je nach Belastung nach und nach ab, bis schließlich Knochen auf Knochen reiben. Entzündungen kommen hinzu. Bisher werden meist nur die Symptome der Gelenkverschleißerkrankung therapiert – bis hin zur Gelenkprothese. „Das jetzt gestartete Projekt GAMBA (Gene Activated Matrices for Bone and Cartilage Regeneration on Arthritis) sucht nun neue Wege, die eine Regeneration ermöglichen sollen“, gibt sich Projektkoordinatorin Dr. Martina Anton optimistisch. Anton und Mitinitiator Prof. Christian Plank vom Institut für Experimentelle Onkologie und Therapieforschung (Direktor: Prof. Bernd Gänsbacher) am Klinikum rechts der Isar haben dafür ein internationales Spezialistenteam mit neun Arbeitsgruppen aus Deutschland, Frankreich, Irland, Italien, den Niederlanden und der Schweiz zusammengestellt.
Die Teilnehmenden des von ScienceDialogue moderierten Patientenforums sollen die Spitzenforscher beraten, welche Aspekte der Forschung sie befürworten und wo sie Bedenken haben. Die beteiligten Forschenden erhalten so frühzeitig einen Einblick in diejenigen Aspekte des Themas, die die Laien interessieren und beschäftigen und können diese Erkenntnisse in den Forschungsprozess sowie ihre Kommunikationsstrategie einbeziehen. Die teilnehmenden Patientinnen und Patienten bzw. die Bürger/innen profitieren von der direkten Kommunikation mit den Forschenden und werden damit Teil der Entwicklung neuer Behandlungsmaßnahmen. Im Herbst findet im München zusätzlich ein Bürgerforum mit zufällig ausgewählten interessierten Laien statt; 2012 werden die Foren auch in der Schweiz und in Irland durchgeführt.
Achtung Medienvertreter: am Samstag, den 28.5.2011 findet ab 14 Uhr ein Hearing statt, bei dem die Patienten selbst gewählte Experten befragen. Wenn Sie Interesse haben, beim Hearing dabei zu sein, wenden Sie sich bitte an die Projektleiterin Dr. Katharina Zöller, Tel. 0881/9245 1381.













