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TRANSFER-TREFF LIVE: Erfolgreicher Auftakt an der TU Berlin

18.02.201116:33 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: TRANSFER-TREFF LIVE: Erfolgreicher Auftakt an der TU Berlin
Wertschätzung der Wertschöpfung durch Wissen schafft Wohlstand!
Wertschätzung der Wertschöpfung durch Wissen schafft Wohlstand!

(openPR) Ein Bericht von GTIV-Präsident Dirk Pinnow

Berlin, 17.02.2011 (GTIV). Am 16. Februar 2011 war die Technische Universität Berlin Gastgeber der Auftakt­veranstaltung der Reihe „TRANSFER-TREFF LIVE“. Die Anwesenheit von über einhundert Personen im voll­besetzten Auditorium sprach für das große Interesse am Thema Wissenstransfer. In seiner Begrüßung zeigte sich TU-Präsident Prof. Jörg Steinbach dann auch sehr erfreut über die große Nachfrage – nunmehr suchten in Berlin Wissenschaft und Wirtschaft wieder den Dialog. Selbstkritisch merkte er an, dass zu Zeiten der Teilung der Fo­kus der Hochschulen im damaligen Westteil der Stadt auf den großen Unternehmen in West-Deutschland gele­gen habe und dabei das Gute in der Nähe vernachlässigt worden sei. Der Wissenstransfer zwischen der Berliner Unternehmerschaft und den Wissenschaftlern stelle eine große Herausforderung dar, zielten doch die Koopera­tionsabsichten der Hochschulen auf ein hohes Niveau und seien doch die mehrheitlich mittelständischen Be­triebe derzeit einem hohen Effizienz-, Zeit- und Kostendruck ausgesetzt. Auch Projekte der TU in den vergange­nen Jahren, wie z.B. der „Career Service“, hätten mit dazu beigetragen, auf beiden Seiten wieder zu einer ge­meinsamen Sprache zu finden. Die TU Berlin sei nun gerne Gastgeber der Auftaktveranstaltung und wolle damit auch ein Signal aussenden, gehe es doch nicht bloß um simples Marketing, sondern um die Suche nach dem ei­genen Rollenverständnis. In diesem Zusammenhang erwähnte Prof. Steinbach das ambitionierte Projekt „Cam­pus Charlottenburg“ und den „Inkubator“ in TU-Nähe, in der Bismarckstraße. Der TU gehe es in Koopera­tionsfragen eben nicht allein um die Top-DAX-Unternehmen, sondern in Ergänzung auch um die kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) der Region.



Dr. Jürgen Varnhorn von der „Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen“ nahm Stellung zur Rolle des Berliner Senats im Kontext der Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Es gelte, die krea­tiven Kräfte der Region zu stärken, denn Innovationen seien deren „Treibstoff“ auf dem Weg zur Sicherung und Neuschaffung von Arbeitsplätzen. Die Region Berlin-Brandenburg habe bewusst die gemeinsame Innovations­strategie „Stärken stärken“ auf den Weg gebracht und die Herausbildung von fünf „Clustern“ betrieben. In diesem Zusammenhang seien auch der „Masterplan Industriestadt Berlin 2010 – 2020“ und das Wirken der „Transfer-Allianz“ zu sehen, an der Industrieverbände wie UVB, VCI, VDMA und ZVEI, die IHK Berlin, Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, das DIN Deutsches Institut für Normung e. V. und die TSB Innovationsagentur Berlin GmbH beteiligt sind. Demnächst werde diese über eine eigene Website ver­fügen. Dr. Varnhorn betonte aber die Notwendigkeit persönlicher Kontakte, die durch keine Neuen Medien zu ersetzen seien.

Dr. Adolf M. Kopp, TSB Innovationsagentur Berlin GmbH, hob die Aufgabe der TSB als zentrale und neutra­le Anlaufstelle für den Technologietransfer zwischen Wissenschaftlern und Unternehmen hervor – so auch für das Programm „TransferBONUS“, das die Wettbewerbsfähigkeit steigern solle.

Sodann übernahm Dr. Michael Winteroll von der TU Berlin als Moderator die Aufgabe, fünf erfolgreiche Bei­spielprojekte vorzustellen:

1. TransferBONUS-Projekt
„Ermittlung des Wärmedurchgangs für Kastenfensterkonstruktionen“
Architekt Martin Paal stellte kurz die VIKTORIA-BAUSANIERUNG GmbH vor. Diese umfasse 16 Handwerker und eine kleine Büromannschaft. Schwerpunkt sei die Sanierung von Holz-Fenstern und -Türen. Für die Restaurierung von Kastendoppelfenstern wurde ein innovativer Ansatz gewählt, um den heutigen energetischen Ansprüchen zu genügen – zur Zimmerseite kommt ein isolierendes Glas zum Einsatz. Dies sei für Denkmalpfleger wie private Bauherren von Interesse. Grund der Kontaktaufnahme zur TU sei die Notwendigkeit gewesen, den komplexen Wärmedurchgang durch diese sanierten Fenster genau zu ermitteln.
Prof. Frank U. Vogdt vom Fachbereich Bauphysik der TU Berlin erzählte, dass diese Kooperation mit einem kleinen Handwerksbetrieb durchaus eine Premiere gewesen sei, obwohl es schon häufig KMU-Kontakte gegeben habe. Die mit Hilfe der TU ermittelten Werte hielten sich im Rahmen der Energie­einsparverordnung, hätten gar die festgelegten Grenzwerte unterschritten. Der erste Kontakt sei im April 2010 erfolgt – der wesentliche Teil des Projektes dann im August 2010 erfolgreich behandelt worden. Im Handwerk gebe es viele innovative Ideen und große noch unentdeckte Potenziale; das Problem sei die Inanspruchnahme durch das Alltagsgeschäft.

2. TransferBONUS-Projekt
„Genauigkeitsoptimierung magnetischer Maßstäbe“
Die Bogen Electronic GmbH sei ein Traditionsunternehmen mit Sitz in Zehlendorf, so Nico Pohlmann. Dieses habe 40 Mitarbeiter und widme sich innovativer Technologie u.a. auf dem Gebiet von Magnet­maßstäben. Er habe sich um eine Kooperation mit Wissenschaftlern bemüht, weil es um die Reprodu­zierbarkeit der Genauigkeit im einstelligen Mikrometer-Bereich gegangen sei. Konkret sollten Mes­sungen bestätigt und die Genauigkeit noch erhöht werden.
Für Prof. Eckart Uhlmann, TU Berlin – IWF / Fraunhofer IPK, hat der Mittelstand schon immer im Fo­kus des Produktionstechnischen Zentrums Berlin (PTZ) gestanden, da ein enger Kontakt zu Werkzeug­maschinenherstellern bestehe. Nur die Besten könnten den Besten helfen – d.h. die Kompetenzträger im PTZ übernehmen das jeweilige Projekt, so in diesem Fall Jan Mewis vom IWF. Dieser betonte, dass die nicht unerheblichen technischen Herausforderungen erfolgreich gemeinsam mit der Bogen Electronic GmbH gelöst wurden. Die Projektdauer habe ca. sechs Monate betragen.

3. ProFIT-Projekt
„Mechatronische Systeme zur Optimierung komplexer Abwassersysteme“
Die Ingenieurgesellschaft AUCOTEAM GmbH mit 140 Mitarbeitern wurde von Bernd Rhiemeier re­präsentiert; diese hat sich des Problems der Verstopfung von Abwasserpumpstationen der Berliner Wasserbetriebe angenommen.
Vom Fachgebiet Fluidsystemdynamik der TU Berlin erklärte Prof. Paul Uwe Thamsen, dass es in Ber­lin rund 9.000 Kilometer Abwasserleitungen gebe und 140 Pumpstationen für die Weiterleitung sorg­ten. Bei den Kooperationsprojekten gehe es um innovative Sensoren, die eine drohende Verstopfung frühzeitig erkennbar machten, um dann rechtzeitig etwa über Spülungen oder den Einsatz von Aktoren im Leitungssystem Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

4. ProFIT-Projekt
„Culex: Applikationssystem für den intra- und subkutanen Wirkstoffeintrag“
Jörn Kluge stellte sein Unternehmen, die MT.DERM GmbH, als KMU mit 65 Mitarbeitern, darunter zehn Ingenieure, vor. Ihr Tätigkeitsfeld sei die für die Medizin und auch die Kosmetik relevante ge­zielte Injektion von Substanzen unter die Haut. Das Unternehmen sei in Vorleistung gegangen und habe dann nach der Abrechnung eine Teilerstattung über das Programm erhalten.
Sie hätten gemeinsam ein Grundlagenpatent für eine neue Impftechnik entwickelt, so Prof. Heinz Lehr vom Fachbereich Mikrotechnik der TU Berlin. Dabei gehe es darum, die Einstichtiefe messbar zu ma­chen, um Substanzen garantiert in die vorgesehene Hautebene einzubringen – dies sei etwa für Anti-HIV-Impfungen bedeutend. Regelmäßige Treffen zwischen den Projektpartnern seien zwingend gebo­ten.

5. Stiftungsprofessur
„Analytische Röntgenphysik“
Prof. Birgit Kanngießer vom Institut für Optik und Atomare Physik der TU Berlin hat sich der Rönt­gendiagnostik und -analyse verschrieben, so auch von Kunstwerken und Artefakten. Sie wurde bekannt durch eine Untersuchung der berühmten Qumran-Schriftrollen. Sie betonte die Notwendigkeit, neu­trale Institutionen wie die TU Berlin als Transferstellen einzubinden, handele es sich bei ihrer Stif­tungsprofessur doch um ein Kooperationsprojekt von z.T. in Konkurrenz stehenden Stiftungsgebern – Vertrauen in die handelnden Persönlichkeiten sei erfolgsentscheidend. Erfreut zeigte sie sich über das zusammen mit dem Max-Born-Institut auf den Weg gebrachte Projekt BliX, ein Applikationslabor für Röntgentechnologien.
Dr. Dieter Müller von der TSB Technologiestiftung Berlin erzählte, dass aus dem Kompetenznetz Op­tische Technologien (OpTecBB) [8] das Anliegen geäußert worden sei, Prof. Kanngießer in der Region zu halten. Für ihre Stiftungsprofessur habe die TSB eine besondere Rechtsform geschaffen, nämlich eine nicht-rechtsfähige Stiftung unter TSB-Aufsicht, die auch vom Finanzamt als gemeinnützig an­erkannt worden sei. Ein solches Konstrukt erlaube es, sich auf seine Kernkompetenzen zu besinnen und die Stiftungsverwaltung einem Treuhänder zu übertragen. Die Einzahlung der Stiftungsgelder sei in Ra­ten erfolgt, so dass die beteiligten Unternehmen nicht ungebührlich belastet worden seien.


Ein Fazit: Nach langen Jahren der Funkstille zwischen dem Mittelstand und der Wissenschaft im Großraum Berlin kann ein solcher Abend mit Recht als ein bedeutender Teilerfolg gewertet werden. Noch in den 1990er-Jahren war das Thema Wissens- und Technologietransfer in Berlin von einer gewaltigen Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit geprägt. Damals waren mehr Lethargie und Ignoranz als Innovation und Kreativität zu spüren. Die GTIV beglückwünscht nun stellvertretend für alle handelnden Persönlichkeiten Herrn Prof. Steinbach für das bisher Erreichte und auch für die Ehrlichkeit im Umgang mit Versäumnissen der Ver­gangenheit. Fern von Standesdünkel und organisatorischen und institutionellen Grenzen gilt es, im Interesse der zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen! Berlin braucht das Handwerk, Berlin braucht den Mittelstand und „Leuchttürme der Wissenschaft“, die neben Spitzen-Grundlagen­forschung nie den Anwendungsbezug verlieren sollten. Kurzum: Berlin muss „Industriestadt des 21. Jahrhun­derts“ werden!

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