(openPR) München, 8. Oktober 2010 - Im letzten Jahrzehnt osmanischer Herrschaft fielen auf dem Gebiet der heutigen Türkei über drei Millionen Frauen, Männer und Kinder den Genozidverbrechen zweier nationalistischer Regimes zum Opfer. Am Samstag, den 16. Oktober 2010 findet in München die diesjährige Gedenkveranstaltung für die Opfer des Genozids von 1915 mit dem Thema „Der Völkermord 1915 und die Leugnungspolitik der Türkei“ statt. Als Gastrednerin ist die Politikwissenschaftlerin Dr. Seyhan Bayraktar von der Universität Zürich geladen, die über den Diskurs über den Völkermord in der Türkei sprechen wird. Als weitere Podiumsteilnehmer werden Karen Krüger, Journalistin bei der FAZ sowie der armenische Autor Markus Bitschnau erwartet (www.pontos-griechen.de/download/Einladung_fuer_16-Oktober-2010.pdf).
Neben dem Gedenken an die Opfer soll die Veranstaltung auch der historischen und politischen Aufklärung dienen. Zahlreiche Redner aus Wissenschaft und Politik waren in den vergangen Jahren zu Gast, darunter der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche Dr. Johannes Friedrich, die Bundestagsabgeordnete und Präsidentin des Bundes der Vertriebenen Erika Steinbach, der Europaabgeordnete Markus Ferber sowie der Völkerrechtler Prof. Alfred de Zayas.
Veranstalter sind die Assyrische Demokratische Organisation, die Armenische Gemeinde München e.V., die Armenische Landsmannschaft in Bayern e.V. und der Verein der Griechen aus Pontos in München e.V. Erstmals 2002 von den Pontosgriechen in München initiiert findet diese Veranstaltung alljährlich statt, seit 2005 in Zusammenarbeit von Vertretern aller betroffenen Völker unter dem Motto „Mit einer Stimme sprechen“.
Im Schatten des Ersten Weltkrieges realisierte die Regierung der in Europa so genannten Jungtürken ihre Vision eines ethnisch und religiös homogenen Nationalstaates und eliminierte die christliche Bevölkerung des ehemaligen Osmanischen Reiches – Armenier und Assyrer – nahezu vollständig. Ihre geistigen und politischen Nachfolger vernichteten ab 1919 bis 1922 die noch verbliebenen Armenier und vor allem die Griechen Kleinasiens (Pontos, Ionien, Kappadokien und andere Gebiete). Über die unmittelbaren Opfer von Massakern und Todesmärschen hinaus wurde in den folgenden Jahren und Jahrzehnten nahezu die gesamte christliche Bevölkerung aus der Türkei vertrieben. Heute machen Christen nur noch einen Bevölkerungsanteil von 0,2% in der Türkei aus. Vor dem Ersten Weltkrieg waren es über 25%. Unter Historikern und Wissenschaftlern besteht Konsens darüber, dass für alle betroffenen Völker die Kriterien für eine Einstufung als Völkermord erfüllt sind. In einer entsprechenden Resolution von 2007 weist die International Association of Genocide Scholars (IAGS) auf eine erdrückende Vielzahl von Dokumenten in den historischen Archiven nahezu aller Staaten Europas und der Welt hin, die weder damals noch heute eine andere Interpretation zulassen.
Das Europäische Parlament hat mit mehreren Beschlüssen die Anerkennung des Völkermordes durch den heutigen türkischen Staat zu einer Voraussetzung des EU-Beitritts der Türkei erklärt. In der internationalen Völkergemeinschaft haben bislang mehr als zwei Dutzend Staaten die tragischen Ereignisse als Völkermord qualifiziert, zuletzt Schweden im März 2010. Auch die UN-Menschenrechtskommission qualifizierte die an den Armeniern 1915 begangenen Verbrechen als Genozid.
Dennoch lehnen der türkische Gesetzgeber und die türkische Regierung bis heute jegliche Verantwortung für den Völkermord ab und scheuen keine Mittel, um diese historischen Fakten zu verleugnen. Gleichzeitig verhindern sie durch ihre Verleugnungspolitik den Demokratisierungsprozess sowie einen Mentalitätswandel innerhalb der türkischen Gesellschaft.
Veranstaltungshinweis:
„Der Völkermord 1915 und die Leugnungspolitik der Türkei“
Gedenkveranstaltung für die Opfer des Völkermordes von 1915
Samstag, 16.10.2010 19.00 Uhr
Gemeindezentrum der Griechisch-Orthodoxen Metropolie,
Ungererstraße 131, 80805 München
Weitere Informationen finden Sie unter http://www.pontos-griechen.de










