(openPR) Die US-amerikanische Investment-Bank Lehman Brothers Inc. meldete Mitte September 2008 Insolvenz an. Das ist der größte Bankrott in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Die Bank verzeichnet einen Schuldenstand von 613-Milliarden US-Dollar. Die Insolvenz der viert größten Investment Bank der USA hat eine globale Kettenreaktion ausgelöst. Banken haben sich untereinander nicht mehr vertraut, Kreditzusagen unter Banken waren über Nacht im Wert gesunken. Die Finanzinstitute haben durch diese Krise nach Schätzungen etwa 2,8 Billionen Dollar verloren. Lehman Brothers wurde 1850 in Montgomery, Alabama, von den zwischen 1844 und 1850 aus Rimpar bei Würzburg emigrierten Brüdern Hayum, Mendel und Maier Lehman gegründet. Der Aktienkurs von Lehman Brothers stieg in den vergangenen 14 Jahren um durchschnittlich 25 % pro Jahr. Um dieses Ergebnis zu erreichen, musste Lehman Brothers stetig neue Rekorderträge erzielen. Dieses sollte durch Fremdkapital ermöglicht werden. Als Folge gehörte Lehman Brothers lediglich 3 % des Geldes, mit dem gearbeitet wurde. Der Schwerpunkt des Fremdgeldes wurde in hypothekengesicherte Wertpapiere investiert. Die Bank wurde zu einem führenden Anbieter in dem Subprime Mortgage Market, dem Markt für zweitklassige Hypotheken. Dieser Markt wurde dadurch aufgebläht, dass praktisch jeder Kreditnehmer ohne ernst zu nehmende Kreditprüfung eine Hypothek aufnehmen konnte. Damit konnten sich selbst Arbeitslose ein Haus oder eine Wohnung kaufen. Da das hohe Risiko bei solchen ungesicherten Hypothekendarlehen durchaus bekannt war, wurde versucht, eine Absicherung mit neuen Finanzprodukten zu betreiben. Hierzu muss man folgenden Hintergrund kennen: Bis Mitte der 90-iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts war es üblich, Kredite für einen Immobilienerwerb zu geben, die mit hohen Hypothekenzinsen zurückgezahlt wurden. Dabei hat sich die Bank, die das Darlehen ausgereicht hat, durch entsprechende Rückstellungen und Sachwerte abgesichert. Durch die Rückstellungen für Kreditausfälle musste die Bank einen erheblichen Kapitalbetrag langfristig binden. Das führte dazu, dass man um die Jahrtausendwende dazu überging, das Ausfallrisiko gegen eine entsprechende Gebühr an Kreditversicherer weiterzugeben. Dadurch konnten die Banken naturgemäß mehr Kredite vergeben und dadurch auch mehr verdienen, da sie die entsprechenden Rückstellungen nicht mehr vornehmen mussten. Diese Weitergabe des Ausfallrisikos erfolgte über sogenannte „Credit Default Swaps“ die die Bedienung der Kredite garantieren sollten. Diese „Credit Default Swaps“ sind Kreditderivate zum Handeln von Ausfallrisiken von Krediten. Der Sicherungsnehmer bezahlt normalerweise eine regelmäßige (häufig vierteljährliche oder halbjährliche) Gebühr und erhält bei Eintritt des bei Vertragsabschluss definierten Kreditereignisses, also beispielsweise dem Ausfall der Rückzahlung aufgrund Insolvenz des Schuldners, eine Ausgleichszahlung. Der CDS ähnelt einer Kreditversicherung. Dabei verdient der Sicherungsgeber je nach der Bonität des Basiswertes durch die Marktteilnehmer eine Prämie (CDS-Spread). Eine Verbesserung der Bonitätseinschätzung führt zu einer Verringerung der CDS-Spreads, was den Marktwert des CDS für den Sicherungsnehmer sinken und für den Sicherungsgeber steigen lässt. Experten gehen von einem zuletzt versicherten Wert in Höhe von 57 Billionen Dollar aus. Es erscheint absolut unrealistisch, dass Versicherer diese Leistungen erbringen können. Die Kredite wiederum wurden in Sammelschuldverschreibungen verpackt und als Wertpapiere an andere Banken und Anleger verkauft. Diese Collateralized Debt Obligations sind Finanzinstrumente, die zu der Gruppe der forderungsbesicherten Wertpapiere (Asset Backed Securities) und strukturierten Kreditprodukte gehören. CDOs bestehen aus verschiedenen festverzinslichen Wertpapieren. Diese werden in drei Tranchen aufgeteilt: Senior Tranche, Mezzanine Tranche und die Equity Tranche. Das Ausfallrisiko steigt – aufgrund der nachrangigen Bedienung im Fall eines Ausfalls – mit sinkendem Rating, daher bietet die Equity Tranche als Ausgleich den höchsten Coupon. CDOs sind ein wichtiges Refinanzierungsmittel für Banken auf dem Kapitalmarkt. Das führte dazu, dass die finanzierende Bank ihr Geld von einer anderen Bank erhält und die Zinsen weiterleitet. Der Kreditversicherer garantiert der Bank, die die Schuldverschreibungen erwirbt die entsprechenden Leistungen. Im Ergebnis führt die Bank, die die Kredite als Schuldverschreibungen erwirbt, der verkaufenden Bank die entsprechenden Kreditbeträge zurück. Die verkaufende Bank hat somit den wesentlichen Vorteil aus diesen Geschäften, wenn sie möglichst viele Kreditabschlüsse tätigt und dementsprechend viele Abschlussprovisionen erhält. Das führte dazu, dass nahezu jeder in den USA ein entsprechendes Darlehen erhalten konnte. Die hohe Nachfrage führte wiederum dazu, dass die Schuldverschreibungen mehrfach weiter veräußert wurden und letztlich in dem Portfolio verschiedener Finanzinvestoren und bei Anlegern auf der ganzen Welt zu finden waren. Der amerikanische Immobilienmarkt war seit Jahren von überhöhten Immobilienpreisen und unrealistischen Hypothekenverträgen geprägt. Im Zuge der Profitmaximierung waren Banken gezwungen, auch Kreditnehmer aufzunehmen, die über unzureichende Sicherheiten verfügten. So wurden Kreditnehmer mit Niedrigeinkommen oder gar keinem Einkommen als kreditwürdig eingestuft und ihnen wurden zum Teil Finanzierungen zu 100 bis 125 % angeboten. Im Gegenzug hatten sie horrende Zinsraten zu zahlen, was natürlich auch zu horrenden Gewinnen auf Seiten der Banken und Investmentfirmen geführt hätte. Diese nicht kreditwürdigen Darlehensnehmer erhielten zudem die Möglichkeit eingeräumt, ihre volle Zinsrate nicht sofort abzuführen, sondern die Kreditverträge wurden so ausgestellt, dass der Darlehensnehmer nur einen Teil der Zinsrate an den Darlehensnehmer abführte, während der Großteil des Zinsanteils auf die Gesamtdarlehenssumme geschrieben wurde. Ein vereinfachtes Rechenbeispiel mag die Folgen erläutern: Ein eigentlich nicht kreditwürdiger Darlehensnehmer der eine Immobilie im Marktwert von $ 480.000 kaufen wollte, wurde mit 125 % finanziert und erhielt ein Darlehen zu $ 600.000. Der Darlehensnehmer vereinbarte mit dem Darlehensgeber eine Zinsrate von 10 %, also $ 60.000 p.a. oder $ 5.000 pro Monat. Der Darlehensnehmer vereinbarte aber, dass er für die ersten Jahre nur 2% an Zinsen also $ 12.000 p.a oder $ 1.000 pro Monat an den Darlehensgeber abführt, während die restlichen 8 % auf die Darlehenssumme aufgestockt wurden. Dadurch stiegen die Immobilienpreise stetig und unverhältnismäßig an, da durch dieses Konzept eine Vielzahl an potentiellen Immobilienkäufern hinzukam. Allerdings erhöhte sich die Darlehenssumme Jahr für Jahr. Zudem war nach einigen Jahren nicht nur die Niedrigzinsphase von 2% vorüber. Die ohnehin nicht kreditwürdigen Darlehensnehmer standen nun einem erhöhtem Darlehen und Darlehensleistungen gegenüber, die sie sich nicht leisten konnten. Die Folge sind unzählige nicht gedeckte Kredite. Hunderttausenden von Immobilienanlegern droht daher die Zwangsversteigerung. Der Immobilienmarkt brach durch das nun vorliegende Überangebot zusammen. Viele Immobilienanleger müssen nun ihre für Immobilien zu einem erheblich niedrigeren Preis verkaufen und haben dann noch die verbleibende Darlehenssumme auszugleichen. Nachdem viele Hauseigentümer ihre Immobilien weit über den tatsächlichen Wert beliehen hatten, mussten viele letztendlich ihre Häuser verkaufen um Kredite zu tilgen, deren Zinsen immer weiter anstiegen. Durch das daraus entstehende Überangebot fielen auch die Immobilienpreise erheblich. Durch die fehlende Werthaltigkeit der Immobilie im Verhältnis zu dem bestehenden Kreditvolumen mussten die Kreditversicherer in einem Umfang einspringen, den sie nicht erfüllen konnte. Hier bewahrheitet sich somit der stete Grundsatz, dass eine Versicherung immer nur so gut ist, wie die Bonität desjenigen der sie abgibt. Durch den Ausfall der Zinszahlungen über die Kreditversicherer werden die verkauften Schuldverschreibungen schlagartig im Wert beeinträchtigt. Wenn die Zinsen nicht gezahlt werden, muss die Bank ihr Wertpapier praktisch abschreiben. Die Werthaltigkeit der Sammelschuldverschreibungen kann von den meisten Erwerbern daher nur noch abgeschätzt werden. Die Finanzinstitute haben durch die Krise nach Schätzungen etwa 2,8 Billionen Dollar verloren. Merrill Lynch musste über 14 Milliarden Verlust verbuchen. Der Düsseldorfer IKB, aber auch die WestLB und sogar die weltweit größte Bank, die Citigroup, haben erhebliche Verluste gemacht.













