(openPR) Am 21. Juni führte der olympische Fackellauf durch Tibet
Lhasa – Frankfurt am Main (24. Juni 2008) - Die chinesische Regierung und das IOC konterkarieren die ursprünglichen Ziele der Olympischen Bewegung, indem sie die Fackel durch die tibetische Hauptstadt Lhasa tragen lassen. Nachdem der olympische Fackellauf durch die "Autonome Region" Tibet von drei Tagen auf einen Tag verkürzt worden ist, traf die olympische Fackel nun am 21. Juni in der unter strengster Überwachung stehenden Stadt Lhasa ein. Seit dem Beginn der Proteste Mitte März dürfen keine ausländischen Medien und unabhängigen Beobachter Lhasa mehr betreten. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) kritisiert die Unterdrückung der Meinungsfreiheit und die Zensurpraktiken der VR China scharf. Sie fordert zugleich das IOC dazu auf, die Menschenrechtsverletzungen gegenüber den Tibetern nicht weiterhin durch Schweigen zu unterstützen.
Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen wurde am 21. Juni die Fackel durch Lhasa getragen. Hunderte von Polizisten und paramilitärischen Truppen standen im Abstand von wenigen Metern entlang der Route. Nur sorgfältig ausgesuchte Jubelschreier durften zuschauen. Die Bürger Lhasas wurden dagegen angewiesen in ihren Häusern zu bleiben. Die ausländischen Reporter wurden in einem bewachten Konvoi durch die Stadt geschleust und durften nur am Anfang und am Ende des Fackellaufes anwesend sein. Die Stadt war sonst wie ausgestorben, die meisten Läden hatten geschlossen. "Das IOC macht sich mitschuldig. Den Fackellauf in Tibet für Propagandazwecke des Pekinger Regimes derart zu missbrauchen während die Restriktionen gleichzeitig so deutlich spürbar sind, erscheint grotesk. Der Fackellauf ist zur Farce geraten", erklärte Martin Lessenthin Vorstandssprecher der IGFM.
Die Behörden drohten an, dass sie Tibeter, die versuchten, den Fackellauf zu "sabotieren", "hart bestrafen" und keine "Nachsicht üben" würden. Am 1. Juni wurden Polizeitruppen nach Lhasa entsandt und mehrere Tausend zusätzlicher Soldaten trafen diese Woche ein. Am 3. Juni räumte die Regierung die Möglichkeit weiterer unspezifizierter Zwischenfälle in Lhasa ein und am 16. Juni verschob sie plötzlich das Datum für die Ankunft der Fackel, nannte aber weder einen Grund dafür noch gab sie einen genauen Zeitplan an.
Vortäuschung von Normalität
Um die internationale Kritik zu entkräften, gab die chinesische Regierung vom 3.-5. Juni ausländischen Journalisten die Gelegenheit, Lhasa zu besuchen. Aber auch diese Medienvertreter waren in ihrer Bewegungsfreiheit derart eingeschränkt und wurden so streng überwacht, dass sie die allgemeine Besorgnis über die Lage in Lhasa nicht zerstreuen konnten. Am 3. Juni äußerte der regimetreue, stellvertretende Vorsitzende der "Autonomen Region Tibet" (TAR), Pema Thinlay, gegenüber Journalisten, die Situation in Lhasa sei insgesamt wieder zur Normalität zurückgekehrt. "Die Lage in Lhasa ist alles andere als normal", so Lessenthin. Seit Anfang Juni seien wieder Tausende von Angehörigen der Bewaffneten Volkspolizei (PAP) und Polizisten des Büros für Öffentliche Sicherheit (PSB) nach Lhasa verlegt worden und würden an den wichtigsten Marktplätzen, den Hauptstraßen, an Straßenkreuzungen und um die großen Klöster herum eingesetzt.
Proteste seit März
Die Proteste, die mit den friedlichen Demonstrationen buddhistischer Mönche am 10. März begannen, mündeten am 14. März, als die Polizei dazu überging, die Mönche und andere Tibeter festzunehmen, in gewaltsame Ausschreitungen. Die chinesische Regierung riegelte Lhasa ab und unterdrückte weitere Unruhen durch den Einsatz großer Kontingente an Truppen, die Festnahme von Hunderten, möglicherweise Tausenden von Menschen und die intensive polizeiliche Überwachung der Tibeter. So konnten weitere Demonstrationen verhindert werden. Der IGFM liegen Berichte vor, denen zufolge der Verbleib vieler Tibeter, die in den Monaten März und April festgenommen wurden, immer noch ungeklärt ist.









