(openPR) Und wieder kam Hilfe für einen Zirkuselefanten zu spät. Die einzigartige Attraktion - der Elefantenbulle Shenka/Zirkus Alberti starb hinter den Kulissen. Der Vollzug des TschG für Zirkustiere scheitert in vollem Umfang auf Länderebene.
Ja, Shenka war auch alt – für einen Zirkuselefanten ungewöhnlich alt – aber er war auch krank. Dramatisch krank, typische Erkrankungen für Zirkus-Elefanten und häufige Todesursache. Chronischer Schläfenabszess, aufsteigende Infektion aufgrund massiver Fußprobleme und Folgen der Haltung in Kälte überwiegend auf einem LKW und Nichtbewegung des Elefantenbullen ohne witterungsunabhängiges Innen -und Außengehege und ohne festes Stammquartier für den Winter.
Seit 10 Jahren wird der Bulle fast ausschließlich auf dem LKW gehalten – auch im Winterreisebetrieb, das fehlende (und beheizbare) Elefantenzelt `damit er es dann warm´ hat sollte im September 2004 ! über eine Spende gekauft werden, "denn im Winter den ganzen Tag im engen Wagen zu stehen, das geht einfach nicht", so Frank. Doch angeschafft wurde ein Zelt über die Jahre bis heute nicht. Und wo wurde der kälteempfindliche Elefantenbulle die letzten 40 Jahre im Winter gehalten? www.extratip-goettingen.de/namen-und-notizen/waldo-und-der-total-liebe-elefant.html
2007 gingen Anzeigen beim Tierschutz ein, dass Shenka tagelang auf dem LKW stand bei brütender Hitze wie Kälte. Ein Außengehege an den meisten Standorten Fehlanzeige, ein witterungsunabhängiges beheiztes oder schattiges Innengehege zur freien Bewegung, hat der Bulle nie kennen gelernt. Außer dem LKW auf dem er stand, war an Haltungseinrichtungen außer nichts - nichts vorhanden. So bewegte Shenka sich nach massiven Beanstandungen der Haltungsbedingungen der ITP in Niedersachsen auch in einem dann errichteten Auslauf nicht mehr von einem Fleck - über Stunden. Die ITP war an verschiedenen Standorten in Niedersachen und hat die Haltung dokumentiert und hatte Shenka schon vor 10 Jahren so in Stuttgart gesehen, als sie für eine Wegnahme von Pferden und zwei Elefanten bei seinem Verwandten Don Carlos kämpfte. Auch für einen der Elefanten dort kam die Hilfe bei chron. Nierenversagen zu spät.
Ja früher ging der heutige Zirkusdirektor als er noch ein Junge war mit ihm täglich lange spazieren und beschäftigte sich mit dem Bullen, was die anerkannt außergewöhnliche Beziehung und gute Grundlage seiner Konstitution wohl begründete . Ketten habe er so nie kennen gelernt. Daher Ungläubigkeit bei den "Experten"- über 10 Jahre.
Aber wann hatte ein Zirkusdirektor dazu noch Zeit bei all den anderen Aufgaben in einem Familienbetrieb?
Dann konnte endlich eine Verfügung mit Auflagen zur Umsetzung der Mindesthaltungsanforderungen in NRW erwirkt werden. Doch der Zirkus ging in Widerspruch und bis heute war die Verfügung in langen Verwaltungsverfahren weder rechtskräftig noch umgesetzt. Der dramatische Gesundheitszustand und weitere katastrophale Haltung von Shenka - auch in Ketten, wurde von der ITP seit Juli 07 massiv bis hoch zum Ministerium in Ns. beanstandet. Und die Hilfe kam wie so oft zu spät.
Hatte er in Geldern Magenkoliken vom gefrorenen Futter, der Kälte, Strohfütterung? Oder Nierenkoliken, nachdem er schon im Juli 07 mit auffälligem Harnabsatz von uns beanstandet wurde und jetzt Nieren- und Blasentee bekam? Oder war es doch das Fußproblem mit aufsteigender Infektion – eine der häufigsten Todesursachen für Zirkuselefanten? Die Musth ? Ja, ganz sicher hatte er keine Substanz mehr nach den monatelangen Vorerkrankungen und Haltung bei der Kälte auf dem LKW.
Viele sog. Fachleute sprachen sich für die „bewährte“ Haltung von Shenka aus und blockierten so rechtzeitige Hilfe, Diagnostik und Maßnahmen, vor allem die geforderte fachtierärztliche Behandlung und Unterbringung des kranken Tieres an einem festen Standort. Doch dieser fehlte dem Zirkus, der den Bullen auch in der gefährlichen Musthzeit und im Winter im Reisebetrieb hielt.
Immer wieder scheitern Maßnahmen und Verfahren auch an Gutachtern, die den schlechten Zirkushaltungen einen Persilschein ausstellen und die Forderungen von Tierschutz, wenigstens die Umsetzung der formulierten Mindestanforderungen (Zirkusleid(t)linien) sicher zu stellen , unterhalb denen eine artgemäße Haltung nicht gewährleistet ist, werden regelmäßig übergangen - und die Tiere sterben meist unbemerkt hinter den Kulissen. Über den Tod von Shenka wurde die Behörde erst von der ITP informiert.
Nein, an fehlenden Plätzen scheitert der Vollzug für Elefanten derzeit nicht; die ITP hat in Kooperation mit der EEG immer wieder mögliche Plätze angeboten. Für Shenka wollte man allerdings immer „nur“ die umfassenden Mindesthaltungs-anforderungen der Zirkuslei(d)tlinien durchsetzen – bis heute vergeblich.
Amtsveterinäre die ihre Aufgaben auch hier ernst nehmen wollen, werden massiv in ihren Behörden ausgebremst – auch Vollzugsmassnahmen für die schwer gehbehinderten und unter Schmerzmedikation stehenden Zirkus Voyage Elefanten in Hannover wurden nicht umgesetzt. Auch sie sollen schwer krank und unter Schmerzmedikation unter Reisebedingungen weiterhin mitgeschleppt werden - bis zu ihrem Tod.
Nein, ein Zentralregister wie von Bundesminister Seehofer als Heilmittel ernannt, hilft da herzlich wenig.
Der Vollzug scheitert auf Länderebene, weil Tierschutz nichts kosten darf, keine Arbeit verursachen darf (die ist schließlich gebunden in Umsetzungs-maßnahmen von EU Vorschriften wie Tierseuchenbekämpfung und CC-Kontrollen) und möglichst wenig auffallen soll. So handelt man nach dem bekannten 3 Affen-Prinzip und wo regelmäßig allerorts trotz eklatanter Haltungsverstöße Mängel nicht benannt werden und von den zuständigen Behörden im Tierbestandsbuch "ohne Mängel" bescheinigt wird, sind wohl kaum andere Maßnahmen von einem Zentralregister zu erwarten.
Letztendlich bleibt die Forderung des Wildtierverbots nach dem wiederholten Tod von beanstandeten Wildtieren im Zirkus (zuletzt 2 junge Giraffen/Zirkus Voyage) die einzigste ( und auf Dauer billigste) Lösung – In Österreich wurde das Wildtierverbot umgesetzt und hielt der EU Rüge stand – doch in Deutschland ist es politisch nicht gewollt, obwohl der Bundesrat bereits 2003 einen Gesetztesentwurf beauftragte. Doch nach dem Regierungswechsel schweigt man das Problem und die Tiere tot .
Die Forderung nach einem Verbandsklagerecht zur Überprüfung von Verwaltungshandeln muss dringend nach Bremen auch in den anderen Bundesländern durchgesetzt werden, um behördliches Handeln im Sinne des Tierschutz transparent und kontrollierbar zu machen und endlich die Tiere gemäß dem Auftrag im Grundgesetz als leidensfähige Mitgeschöpfe zu schützen.










