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Kommerzialisierung einer buddhistischen Pilgerstätte in Osttibet

15.12.2007 • 14:15 Uhr • Politik, Recht & Gesellschaft
Bild: Kommerzialisierung einer buddhistischen Pilgerstätte in Osttibet
Das Kloster Kirti in der Tibetisch Autonomen Präfektur Ngaba
Das Kloster Kirti in der Tibetisch Autonomen Präfektur Ngaba

(openPR) Der folgende Mitteilung eines Flüchtlings aus Tibet ist dem vom Tibetischen Zentrum für Menschenrechte und Demokratie, Dharamsala, herausgegebenen Newsletter "Human Rights Update", Ausgabe November, entnommen. Donkar Kyab aus dem Dorf Sarum, Gemeinde Karma, Kreis Dzoege, Tibetisch-Autonome Präfektur Ngaba, Provinz Sichuan, berichtete dem TCHRD vom Bau einer neuen Straße in der Präfektur Ngaba, die direkt am Kloster Kirti vorbeiführen wird und deren Zweck es ist, diesen berühmten Pilgerort in eine Touristenattraktion zu verwandeln.



Nach Donkar Kyabs Aussage liegt oberhalb des Klosters Kirti an einem felsigen Abhang eine Einsiedelei namens Taktsang (Tigerhöhle), welche die Tibeter aufsuchen, um zu beten und sich von dem Lama dort segnen zu lassen. Alljährlich zieht diese Pilgerstätte Tausende von Gläubigen an.

Unlängst faßten die chinesischen Behörden den Plan, aus kommerziellen Gründen diesen heiligen Ort in eine Touristenattraktion umzuwandeln. Da die Höhle ziemlich weit oben liegt, muß sie mittels einer Straße für Touristen zugänglich gemacht werden.

Der Entwurf für den Bau dieser Straße zeigt, daß sie ganz nahe am Kloster Kirti verlaufen wird. Als die Baupläne bekannt wurden, erhoben etwa 700 Mönche des Klosters Einspruch gegen dieses Vorhaben der Behörden. Sie brachten ihre Besorgnis über die negativen Auswirkungen, die der Bau einer Straße auf das Kloster haben wird, zum Ausdruck.

Donkar Kyab erzählte weiter, daß die Beamten des Büros für Öffentliche Sicherheit (Public Security Bureau) der Präfektur Ngaba im April die leitenden Mönche des Klosters Kirti zu einer Besprechung einbestellt hätten. Dabei informierten sie sie über das neue Projekt und daß die in Aussicht genommene Straße direkt neben dem Kloster Kirti verlaufen würde.

Die Mönche äußerten ihre Bedenken: Wenn die Straße erst einmal gebaut ist, würden neben ihr lauter Restaurants, Läden und Hotels wie Pilze aus dem Boden schießen, wonach es mit der stillen und ursprünglichen Atmosphäre des Klosters vorbei sei und die Mönche bei ihrem Studium und ihrer Meditation erheblich gestört würden.

Als Reaktion auf die Einwände der Mönche erhoben sich die Sicherheitsbeamte und schrieen sie an: "Wir alle sind Bürger der Volksrepublik China. Um unserer nationalen Sicherheit und Entwicklung willen bestimmen wir das Geschehen in den religiösen Institutionen. Religion bringt keinen Fortschritt und keinen Wohlstand. Religion ist Gift. Unser Mutterland China hätte sich nicht so rasch entwickelt und die Ära des Wohlstands und der Moderne betreten, wenn wir an den alten abergläubischen Vorstellungen der Religion festgehalten hätten. Ihr Leute seid immer noch Gefangene des alten Tibets und habt die Weltanschauung des Sozialismus noch nicht begriffen".

Trotz des heftigen Widerstands der Mönche erklärten die PSB-Offiziellen, daß die neue Straße wie geplant gebaut würde. Sie fügten warnend hinzu, daß alle, die dieses Projekt behinderten, festgenommen und schlimmen Folgen entgegenblicken würden.

Die lokalen chinesischen Behörden wollen die heilige Pilgerstätte in einen Touristenpark umwandeln, sie wollen Läden, Restaurants und einen Picknick-Park anlegen. Um ihr Vorhaben umzusetzen, planen sie, Hunderte oder gar Tausende von hui-chinesischen Wanderarbeitern herbeizuholen. Bereits jetzt betreiben einige hui-chinesische Neusiedler in unmittelbarer Nähe des Klosters Kleider- und Lebensmittelgeschäfte.

Wie man an anderen größeren Infrastruktur-Projekten in tibetischen Gebieten gesehen hat, bringen diese der örtlichen tibetischen, größtenteils aus Nomaden und Bauern bestehenden Bevölkerung kaum einen wirtschaftlichen Vorteil. Es ist daher mehr als wahrscheinlich, daß das aus dem Projekt fließende Geld von den Behörden und jenen, die in die Spekulationsobjekte investierten, eingesteckt wird.

Dank des ungeheuren wirtschaftlichen Aufschwungs in China können seit einiger Zeit Tausende und Abertausende reicher chinesischer Buddhisten Jahr um Jahr die Pilgerstätten Tibets besuchen. Viele dieser Orte sind zu Touristenattraktionen geworden, die jedes Jahr Millionen von Yuan an Gewinn abwerfen.

Hier haben wir ein weiteres Beispiel für die Brutalität der Partei und ihre Rücksichtslosigkeit gegenüber den religiösen Überzeugungen und den Gefühlen der einheimischen Tibeter. Diesen wird das ihnen zustehende Recht auf Selbstbestimmung genommen, auch bei den Entscheidungsprozessen haben sie kein Mitsprachrecht. Im vorliegenden Fall wurden die verzweifelten Bitten der Mönche des Klosters Kirti in den Wind geschlagen: Trotz der entschiedenen Einwände der tibetischen Bevölkerung ziehen die Behörden ihr Vorhaben eiskalt durch.

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