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Der Fall „Seehofer“ – ein Kardinal auf „Abwegen“?

19.02.200709:18 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft

(openPR) Der moralische Appell eines verdienstvollen und hoch dekorierten Vertreters der katholisch verfassten Amtskirche hat zu nicht unerheblichen Reaktionen in unserem säkularen Gemeinschaftswesen geführt. „Der Kardinal hatte angesichts der Medienberichte über eine angebliche außereheliche Affäre Seehofers die Eignung des Bundesagrarministers für den CSU-Vorsitz in Zweifel gezogen. Der Kardinal sagte dem "Kölner Express": "Wenn es stimmt, muss man fragen: Wie will er denn Vorsitzender einer christlichen Partei werden? Wie weit sind wir eigentlich gekommen?" Wenn bei einem Politiker das Private ausgeblendet werde, sei dieser vielleicht "schizophren und gehört zum Arzt, aber nicht auf einen Ministersessel".


Quelle: Kölnische Rundschau
http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1171522568461.shtml

Zuweilen dürfen sich die Christsozialen ihrer Empörung Nachdruck in der Öffentlichkeit verschaffen und die interessierte Öffentlichkeit nimmt mehr oder minder regen Anteil an dem Privatleben des Herrn Seehofer. Dieser hüllt sich aber nach wie vor in Stillschweigen und einem Zeitungsartikel zufolge will dieser die Kritik des Kölner Kardinals an seinem Privatleben nicht kommentieren: „Ich habe meine Glaubensüberzeugung und behalte sie, das ist für mich der Kompass“, sagte der praktizierende Katholik.
Quelle: Die Welt.de v. 16.02.07
http://www.welt.de/data/2007/02/16/1215221.html

Ob Herr Seehofer gut daran tut, sich als praktizierender Katholik eines Kommentars zu enthalten, mag dieser für sich alleine entscheiden, wenngleich die Entgleisungen des Kardinals zum nachhaltigen Nachdenken anregen, offenbaren sich doch in ihnen Untugenden, die höchst unchristlich sind. Nicht nur, dass hier der Kardinal Toleranz und Güte vermissen lässt – nein, er scheint das wenig tugendhafte Verhalten der Maria Magdalena aus seinem Gedächtnis verbannt zu haben. War es nicht der Sohn Gottes selbst, der zu Zeiten seines irdischen Daseins die Zeitgenossen selbst bei Übertretung eines der 10 Gebote mahnte: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie“. Trotz der Klage, die die Schriftgelehrten und Pharisäer gegen Maria Magdalena führten und der für einen Ehebruch vorgesehenen und vorgeschlagenen Sanktion der Steinigung, entließ Jesus Maria mit den Worten: „gehe hin und sündige hinfort nicht mehr“ (Johannes 7.8). Hier ist der Kardinal offensichtlich zum weiteren resp. erneuten Lesestudium aufgerufen und den Politikern bleibt die harte Sanktion der „Steinigung“ erspart.

Soweit der Kardinal allerdings aus der Ferne heraus zu diagnostizieren glaubt, dass ein Politiker „schizophren sei und zum Arzt gehöre, nicht aber auf einen Ministersessel“, wenn er das Private auszublenden glaubt, lässt dies auf eine wenig freundliche Gesinnung und Realitätsverlust des Kardinals schließen. Es bedarf keines ehrverletzenden Angriffs auf die Persönlichkeit eines Politikers, um aus der Sicht des Kardinals an die persönliche Integrität der Politiker gemäß katholischem Sittenkodex erinnern zu wollen. Im säkularen und politischen Verfassungsstaat haben freilich auch Politiker einen Anspruch auf ihre Privatheit und Intimssphäre, die es zu schützen gilt.

Auch diesbezüglich ist dem Kardinal ein intensives Studium etwa der Judikatur des Bundesverfassungsgerichts anbefohlen, mag auch der eine oder andere Politiker als „öffentliche Person der Zeitgeschichte“ ein besonderes öffentliches Interesse hervorrufen. Messen wir unsere Politiker eher an ihrem Sachverstand und nicht an der Zahl ihrer Ehen oder ihres ggf. außerhalb des ehrwürdigen Bundes der geheiligten Ehe gezeugten Nachwuchses. Nun steht zwar das „C“ für christlich im Parteinamen, aber was folgt daraus? Doch nicht etwa das tugendhafte Wandeln in und auf unseren irdischen Gefilden und schon gar nicht für einen Beleg an persönlicher und sittlich moralischer Integrität unserer Politiker. Wenn dem so wäre, müssten wir einstweilen einen großen Teil der Abgeordneten zwangsbeurlauben, da diese grundsätzlich vor Wahlen der Wählerschaft ihr Programm vorstellen, dass in aller Regel nicht eingehalten wird. „Du sollst kein falsch Zeugnis reden“ und ein Überschreiten auch dieses Gebots ist freilich kein Kavaliersdelikt. Der Sünde Lohn ist im Ergebnis nicht der (politische) Tod, sondern die Vergebung des vermeintlichen Delinquenten. Der Kardinal darf sich ohne Frage um das Seelenheil seiner Schäfchen kümmern, aber gerade die Trennung von Kirche und Staat legt diesem ein Maß an Zurückhaltung auf, dass er künftig beherzigen sollte. Es wäre eine schöne Geste, wenn der Kardinal auf seiner Homepage sein Bedauern für seinen wenig geglückten Ausflug in das tagespolitische Geschehen um die persönliche Integrität eines Politikers zum Ausdruck bringen würde.

Lutz Barth

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