(openPR) Legasthenie früher erkennen und handeln – Eltern brauchen stärkere Unterstützung von den Schulen
LegaKids, das interaktive Lern-, Spiel- und Informationsprojekt rund um Legasthenie und Lese- / Rechtschreibschwäche veröffentlicht die Ergebnisse seiner Online-Befragung.
München, 30. Januar 2007 – Im Mittelpunkt der Umfrage, die das Internetprojekt www.legakids.net im Sommer 2006 durchführte, stehen die Erfahrungen, die Eltern legasthener Kinder in deutschen Schulen sammelten. "Die schulische Unterstützung scheint noch wesentlich geringer zu sein, als wir vermutet hatten", erklärt Michael Kortländer, Psychotherapeut und Mitinitiator von LegaKids. Die Ansätze an den Schulen seien zumeist defizitorientiert, es werde fast ausschließlich an den Schwächen herumgedoktert, wobei die Begabungen und Talente der Kinder viel zu häufig unberücksichtigt blieben und verkümmerten. "Die Aufklärung über Lese- und Rechtschreibstörungen ist nach wie vor mangelhaft, sowohl bei Lehrern als auch bei Eltern und in der Öffentlichkeit", kommentiert Kortländer die ersten Ergebnisse der Online-Umfrage, an der sich insgesamt 413 Eltern beteiligten.
Zeitraum zwischen Anfangsverdacht und Diagnose zu lang
Legasthenie beziehungsweise Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS) werde nach Expertenmeinung oftmals zu spät erkannt. Nach Erfahrungen aus der Legasthenietherapie sollte diese Schwäche spätestens in der 2. Klasse erkannt werden, um Kinder rechtzeitig gezielt unterstützen zu können. Dies treffe jedoch nur für 47 Prozent der betroffenen Kinder zu. Für ein Drittel aller Kinder verging nach Angaben der Eltern mehr als ein Jahr vom Anfangsverdacht bis zu einer eindeutigen Diagnose. Mehr als zwei Jahre waren es immerhin noch bei 13 Prozent aller Fälle – "Zwei Jahre Ungewissheit, Frust und verpasste Chancen" resümiert Kortländer. Dies bedeute für den Großteil dieser Fälle, dass Fördermöglichkeiten während der Grundschulzeit, in der wichtige Weichenstellungen gelegt werden, verpasst würden.
Verpatzte Schulkarrieren durch späte Diagnose
Die Lehrkräfte könnten durch die verspätete Diagnose bei ihren Empfehlungen an weiterführende Schulen den legasthenen Hintergrund der Kinder nicht berücksichtigten und die Kinder könnten in der Folge keine ihren Begabungen entsprechende Schullaufbahn einschlagen.
Als Grund für die verzögerte Entdeckung der Schreibschwäche nennen die Eltern die halbherzige Unterstützung seitens der Schule und lange Wartezeiten auf Termine bei den diagnostizierenden Ärzten. Dabei waren es zumeist die Eltern selbst, die einen Anfangsverdacht auf Legasthenie äußerten. Nur in einem Viertel der Fälle war den Lehrerinnen und Lehrern eine Lese- oder Schreibschwäche aufgefallen, die sie den Eltern mitteilten.
Eltern sehen Legasthenie nicht als Krankheit
Nur wenige Eltern sehen Legasthenie als Krankheit (6%) oder Behinderung (9%) an. Der weit überwiegende Teil der Eltern definiert laut Befragung Legasthenie als Wahrnehmungsstörung (31%), Schwäche (27%) oder Störung (12%). 14 Prozent sehen einen genetischen Defekt als Ursache für die Schreibschwierigkeiten ihrer Kinder an.
Müssen Legastheniker Schulversager werden?
Auf die Frage, ob die schulische Unterstützung der betroffenen Kinder in ihren Augen zufriedenstellend sei, antworteten 86 Prozent der befragten Eltern mit "Nein". Durchschnittlich werteten die Eltern die Belastung ihres Kindes durch die Legasthenie als hoch bis sehr hoch. Bei einer Skala von null bis zehn ergab die Umfrage einen Mittelwert von 7,64. Die Unterstützung der legasthenen Kinder im Fach Deutsch wurde von den Eltern als gering bis sehr gering gewertet (Mittelwert: 3,06), in anderen Schulfächern liegt der Wert noch darunter. In dieser Konsequenz seien auch die Erwartungen der Eltern an den Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. zu deuten: Auf den obersten Platz ihrer Wunschliste wurde "Aufklärung und Schulung der Lehrer" angegeben, um eine Sensibilisierung der Pädagogen zu fördern. Dann folgte der Aufruf nach einem "direkten Eingreifen in die Schulpolitik" und als Drittes noch "intensivere Öffentlichkeitsarbeit" und Aufklärung zu Legasthenie und LRS.
Die Ergebnisse der Elternbefragung im Detail können unter folgender Adresse abgerufen werden: http://www.legakids.net/_eltern/_extraseiten/befragung.html
Zum Projekt LegaKids
LegaKids ist eine Non-Profit-Initiative der Legasthenie-
Therapeutin Dr. Britta Büchner und des Psychotherapeuten Michael Kortländer. Das Onlineprojekt LegaKids.net richtet sich an Kinder, Eltern, Lehrer und andere Interessierte, die Hilfestellung zum Umgang mit und Informationen über Legasthenie, Lese-/Rechtschreibschwäche und LRS suchen.
In einem speziellen Kids-Bereich erhalten Kinder spielerische Anregungen und Übungsmöglichkeiten in Form von Hörspielen, Online-Games und Tipps & Tricks.
Hauptsponsor ist die Mildenberger Verlag GmbH. LegaKids hat sich zum Ziel gesetzt, legasthenen Kindern Mut und
Selbstvertrauen zu geben und ihre Lernfreude zu fördern.
Pressekontakt
Dr. Britta Büchner & Michael Kortländer
Tel. 089 – 130 136 00
Fax 089 – 139 373 83
E-Mail:
Internet: www.legakids.net und www.horchmal.net









