(openPR) Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter diskutieren Selbstverständnis und Wahrnehmung deutscher Betriebsräte
Seehausen/München, 12. Dezember 2006. Die Rolle von Betriebsräten in deutschen Unternehmen wandelt sich. Sie werden immer mehr zu Co-Managern und Beratern, gestalten mit, statt zu bewahren. Dieses neue Selbstbewusstsein und Image ist aber längst noch nicht in der Öffentlichkeit angekommen. Das ist das Ergebnis eines Pressegesprächs des Instituts zur Fortbildung von Betriebsräten (ifb KG) heute in München.
„Der Betriebsrat hat noch immer das Image des unternehmerfeindlichen Bewahrers und Blockierers“, weiß Hans Schneider. Dieses Bild werde dem modernen Betriebsrat aber nicht gerecht. Seit Jahren beobachtet Schneider eine deutliche Trendwende hinsichtlich den Anforderungen und Aufgaben der Arbeitnehmervertreter. Die Betriebsräte hätten darauf reagiert und werden immer professioneller und qualifizierter. „Wo früher eher Parolen verkündet wurden, wird heute in den Betriebsratsgremien immer stärker selbst strategisch geplant, organisiert und der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite beratend zur Seite gestanden“, sagt Hans Schneider. Sein Unternehmen schult jährlich rund 22.000 Betriebsräte und ist damit Marktführer im Bereich der Fortbildung von Betriebsräten.
Die Gründe für die fehlende Wahrnehmung dieses Wandels in der Öffentlichkeit nennt Martina Guidotti. „Ein Betriebsrat bekommt meist nur dann Beachtung, wenn ein Unternehmen schon in Schieflage geraten ist“, erklärt die Betriebsratsvorsitzende von opentext. „Das prägt das Bild des Arbeits- und Klassenkämpfers. Die Mehrheit der Betriebsräte, die still, aber erfolgreich und effektiv mit dem Management an einem Strang ziehen, kommen hingegen nicht vor“, kritisiert Guidotti. Den Schlüssel für erfolgreiche Betriebsratsarbeit sieht Martina Guidotti in der richtigen Balance. „Der optimale Vorschlag eines Betriebsrats ist der, von dem beide Seiten etwas haben – die Arbeitnehmer und der Arbeitgeber. Es muss eine Win-Win-Situation entstehen.“
Sybille Neumann von O2 (Germany) bestätigt dies auch aus Sicht der Arbeitgeber. „Der Betriebsrat ist kein Hemmschuh am Bein des Unternehmers, wenn er unternehmerisch denkt und erkennt, dass die Interessen der Mitarbeiter nur in einem gesunden und erfolgreichen Unternehmen gewahrt werden können.“ Dass der Betriebsrat das soziale Gewissen einer globalisierten oder auch nur der deutschen Wirtschaft ist, dem widerspricht Sybille Neumann jedoch. „Das würde ja implizieren, dass der Unternehmer selbst kein soziales Gewissen mehr hat. Das ist aber nicht so“, bekräftigt Neumann.
Reinhold Stegschuster, Betriebsratsvorsitzender der EADS-Forschung fordert einen „Schulterschluss von Management und Belegschaft“. Erfolgreiche Arbeitnehmervertretung hänge vor allem von den Personen auf beiden Seiten ab. „Bei den Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Betriebsräten können die einfachsten Dinge zu den größten Problemen werden, wenn sich die beteiligten Partner nicht verstehen“, berichtet Stegschuster. Gravierend könne sich dies insbesondere im Mittelstand auswirken.
Zu den größten Herausforderungen für Betriebsräte im Jahr 2006 zählten die Experten am ifb-Podium die Themen Arbeitszeitverlängerung, Arbeitsplatzsicherung und betriebliche Altersvorsorge. „Daran wird sich auch im kommenden Jahr nicht viel ändern“, prognostiziert Reinhold Stegschuster. Eins aber soll sich ändern: „Wir wollen, dass das Image von Betriebsräten im Jahr 2007 besser wird“, wünscht sich Hans Schneider vom ifb.










