(openPR) Die Hamburger Grünen gerieren sich derzeit als Fahrradlobbyisten. Das ist auf der einen Seite zu begrüßen, weil es das drängende Problem des städtischen Verkehrsinfarkts aufgreift. Auf der anderen Seite birgt es aber die Gefahr von „Lösungen“, die nur neue Probleme aufwerfen. Nun könnte man sagen: So ist eben Politik. Aber muß man jede Dummheit machen, nur weil sie naheliegt?
Autoland Deutschland befindet sich in der Zwickmühle. Auf der einen Seite ersticken wir unter einer Flut immer öfter weder umwelt- noch bedarfsgerechter Automobile (Befriedigung von Eitelkeiten und Kindheitsträumen?). Der ruhende Verkehr beansprucht immer mehr Platz. Er verstopft inzwischen zunehmend unsere Städte. Der sich bewegende Verkehr fährt sich infolge zunehmender Dichte und immer voluminöserer Fahrzeuge immer öfter fest; die Staus werden länger und halten sich auch länger. Der Verkehrsinfarkt ist heute in zahlreichen Städten bereits Normalität.
Das private Automobil wird in den Ballungszentren zunehmend zum Anachronismus: Immer mehr Mobilität führt zu fortschreitender Verstopfung. Die Automobilität wandelt sich zur Autoimmobilität, zu einer allgegenwärtigen und allseitigen Behinderung. Menschen, die eigentlich bequem und schnell vorankommen möchten, behindern sich durch ihre schiere Menge gegenseitig. Inzwischen verbringen immer mehr von ihnen einen schnell zunehmenden Teil ihrer Lebenszeit im Verkehrsstau.
Aber auch der ruhende Verkehr ist den Menschen inzwischen zu einer unangenehmen Last geworden. Millionen Blechkisten stehen dicht an dicht in den Straßen der Städte herum. Viele werden nur noch selten bewegt, weil ihre Besitzer/innen aus Furcht, bei der Rückkehr keinen Parkplatz in der Nähe ihrer Wohnung mehr zu finden, lieber mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Nur gut, daß wohl die allerwenigsten wissen, wie teuer ihnen inzwischen eine Stunde Fahrt in ihrem immer weniger benutzten eigenen Auto kommt.
Viele Menschen lassen inzwischen ihr Auto stehen und fahren mit dem Fahrrad zur Arbeit oder zum Einkaufen. Gut für die Autoindustrie, daß sie dennoch unverdrossen neue Autos kaufen (oder leasen) – noch jedenfalls. Aber viele werden mit der Zeit klüger und fragen sich: Brauch ich überhaupt ein eigenes Automobil?
Das Fahrrad ist heutzutage nicht selten das schnellste Verkehrsmittel, um zur Arbeit oder zum Einkaufen zu kommen. Inzwischen verbreiten sich Fahrräder mit Elektroantrieb und E-Roller. Das bringt auch neue Probleme und steigert die Unfallgefahren – vor allem auch für Fußgänger. Das Ziel, bestehende Radwege auszubauen und neue Radwege anzulegen, ist löblich, vor allem dann, wenn dadurch Fußgänger vor rasenden Radlern geschützt werden. Aber wie lange muß daran gearbeitet werden, bis Fußgänger zuverlässig vor der zunehmenden Bedrängnis durch die neue Zweiradmobilität geschützt werden?
Die Autokultur steht vor einer Reformkrise. Autofreie Städte sind denkbar du praktikabel wenn der Öffentliche Personennahverkehr gut ausgebaut ist und einfache Fortbewegungsmittel für den Individualverkehr zur Verfügung stehen. Dabei muß der zu Fuß gehende Bürger als der sich am natürlichsten fortbewegende Mensch aber den entsprechenden Vorrang erhalten und zuverlässig vor umherrasenden Radlern und Rollern geschützt werden. Daß den Politikern und den verantwortlichen Beamten in den Stadtverwaltungen ihre diesbezügliche Verantwortung gegenwärtig ist, darf angesichts der Zustände auf unseren Straßen und Fußwegen bezweifelt werden.
Nicht selten muß der brave Fußgänger derzeit aber am Verstand der Verkehrsplaner zweifeln, wenn er auf seinen Fußwegen von rasenden Radfahrern bedrängt oder gar gefährdet wird. Wer zum Beispiel morgens, wenn Kinder zur Schule und Erwachsene zur Arbeit fahren, in als Fußgänger unterwegs ist, sieht sich in vielen Gegenden Hamburgs zum Beispiel von rasenden Radfahrern umsaust und nicht selten bedroht, die offensichtlich zu spät aufgestanden sind und deshalb zur Arbeit hetzen, um nicht zu spät zu kommen. Auch Kinder und Jugendliche, die mit rollenden Geräten aller Art zur Schule fahren, gefährden sich und andere.
Bei aller Fahrradeuphorie: Sicheren Fußwegen gehört in der Städteplanung höchste Priorität. Fahrrad, Motorfahrrad und E-Roller können als Fortbewegungshilfe oft das Auto ersetzen und sind meistens auch umweltfreundlicher. Sie sind für Fußgänger allerdings ein großes Risiko, wenn deren Fahrer/innen nicht verantwortungsvoll mit ihren fahrbaren Untersätzen umgehen. Das ist leider allzu oft der Fall. Selbstüberschätzung, Verantwortungslosigkeit und Rücksichtslosigkeit der Zweiradfahrer sind leider allzu oft zu beobachten. Deshalb muß bei aller Zweirad-Mobilitätseuphorie die Sicherheit der Fußgänger Vorrang haben. Denn sie bewegen sich auf die älteste, natürlichste und übrigens auch umweltschonendste Art.
Die Grünen wollen Hamburg nach der kommenden Bürgerschaftswahl verstärkt zur Fahrradstadt umbauen. In hoch verdichteten Stadtteilen wie Ottensen oder Eppendorf wollen sie dem Fahrrad Vorrang geben. Das wird – nicht zuletzt durch die Notwendigkeit, die Fußgänger zuverlässig zu schützen – eine große und sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Wir können nur hoffen, daß sie von den Verantwortlichen vernünftig und verantwortungsbewußt bewältigt wird. Die sollten dabei vor allem nicht vergessen, daß zu Fuß zu gehen, immer noch die ursprünglichste und umweltverträglichste Art der Fortbewegung des Menschen ist. Allen voran sind deshalb den Fußgängern sichere und bequeme Wege zur Verfügung zu stellen. Erst dann kommen andere Verkehrsteilnehmer.
Für Fußgänger sind Radfahrer (und erst recht E-Biker und E-Rollerer) ebenso potentielle Gefährder wie Autofahrer, wahrscheinlich sogar viel gefährlichere, weil sie ihre besondere Verantwortung als Verkehrsteilnehmer subjektiv oft nicht so wahrnehmen wie es geboten ist. Gar nicht wenige von ihnen scheinen auch an Selbstüberschätzung zu leiden und weder Verkehrsregeln ernst zu nehmen noch die gebotene Rücksicht gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern walten lassen. Die Erziehungsarbeit zur Rücksicht, beginnend im Kindesalter, ist deshalb unerläßlich, ergänzt durch Überwachung und empfindliche Strafandrohungen bei Rechtsverstößen.
Wer die „Fahrradstadt“ ausruft, muß dabei das ursprünglichere Recht der Fußgänger bewahren, sich – ungefährdet! – auf die natürlichste menschliche Art und Weise fortzubewegen. Deshalb müssen sichere Fußwege erste Priorität haben, auf denen Radfahren strikt verboten ist. Radfahrer sind auf Radwege oder die Straße zu verweisen, sodaß eine Gefährdung von Fußgängern ausgeschlossen ist.
Verkehrspolitik gestaltet maßgeblich unsere zukünftige Lebensumwelt. Was die Politiker dazu anstoßen und was die Bürokraten davon umsetzen wirkt sich auf den Alltag aller Bürgerinnen und Bürger aus. Umso wichtiger ist es, Fehlsteuerungen auf Grund von Voreingenommenheit und Nicht-zuende-denken zu verhindern.
Prof. Querulix beobachtet und kommentiert seit langem mit wachsender Sorge um Frieden, Freiheit und das allgemeine Wohl das fragwürdige Treiben der Menschentiere, insbesondere das ihrer Alphas. Seine Beobachtungen dokumentiert und kommentiert er in der eBook-Reihe „Tacheles“, in der bisher 7 Bände erschienen sind. Der jüngste trägt den Titel: „Rien ne vas plus – Wohin treibt die Menschenwelt?“ (ISBN 978-3-943788-43-3). Wie seine 6 Vorgänger ist auch dieser Band in allen gut sortierten (Internet-)Buchhandlungen zum Preis von 9,95 Euro zu haben.
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