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Von Präpotenz, Dollardämmerung und der Notwendigkeit, zu lernen

02.07.201916:24 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
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Prof. Querulix, „Tacheles - Rien ne vas plus ...“ (ISBN 978-3-943788-43-3), 264 S., 9,95 Euro
Prof. Querulix, „Tacheles - Rien ne vas plus ...“ (ISBN 978-3-943788-43-3), 264 S., 9,95 Euro

(openPR) In den USA regiert offensichtlich die Präpotenz. Weltweit regiert dagegen nicht weniger offensichtlich die Ratlosigkeit. Glücklicherweise reichte die Vernunft bisher noch aus, einen vollkommen überflüssigen Krieg der USA mit dem Iran zu vermeiden. Ein solcher Krieg könnte das politische Standing der Vereinigten Staaten in der Welt so restlos ruinieren, daß es des (weiteren) wirtschaftlichen Abstiegs dieser einst großen Nation gar nicht mehr bedürfte, um jedermann des Kaisers neue Kleider unübersehbar vor Augen zu führen.



Was US-Präsident Tramps Handelssanktionen gegen China betrifft, kann man inzwischen von einem Rohrkrepierer sprechen. Während die Handelsbeziehungen zu anderen Staaten von der chinesischen Führung mit Zollsenkungen „geschmiert“ werden, errichtet sie gegenüber den USA höhere Zollmauern. Wann wird Trump begreifen, daß man gerade in China nicht mit dem Kopf durch die Wand kommt?

Nicht ausgeschlossen, daß die us-amerikanische Federal Reserve Ende Juli zum ersten Mal seit 2008 wieder die Leitzinsen senkt, um einem gänzlichen Versiegen des schwindenden Wirtschaftswachstums in den USA zu begegnen. Die Fed wird sicherlich alles tun, was nach Überzeugung ihrer Mitglieder die US-Konjunktur stützen könnte. Der Konkurrenzfähigkeit der US-Industrie auf dem Weltmarkt werden die zu erwartenden Zinssenkungen allerdings nicht aufhelfen. Aber gerade an der Konkurrenzfähigkeit mangelt es. Mit Zöllen kann Trump der aber gewiß nicht aufhelfen. Im Gegenteil. Das deutsche Beispiel sollte ihm doch zeigen: Nicht Handelskrieg, sondern nur nachhaltige wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit schafft Exporterfolge.

Niedrige Zinsen blähen letztlich nur die Vermögenspreisblasen noch weiter auf. In Verbindung mit dem Gelddrucken nähren sie in erster Linie die Spekulation, vor allem auch die auf Kredit. Es entstehen riesige Vermögenspreisblasen, die letztlich platzen werden. Nachhaltige wirtschaftliche Prosperität wird damit nicht geschaffen. Sparen kostet bei realen Negativzinsen nur Geld; es lohnt sich nicht mehr. Private Altersversorgungen verlieren kontinuierlich an Wert und erfüllen ihren Zweck nicht mehr. Einen geordneten Weg zurück zur Normalität gibt es nicht.
Ob es Politiker gibt, die sich schon Gedanken machen, was nach dem zwangsläufigen Ende dieses geldpolitischen Abenteuers und seinen schlimmen Folgen geschehen soll, damit der soziale Friede und die politische Stabilität nicht den sprichwörtlichen Bach hinuntergehen?

Der bereits in Gang gekommene weltweite wirtschaftliche Abwärtsstrudel ist nicht mehr aufzuhalten und wird null- und negativzinsinduziertes Phantasievermögen am Ende auch zu dem machen, was es ist: Ein Produkt bloßen Wahns. Die Idee, mittels Niedrig-, Null- und Negativzinsen die „ewige Hochkonjunktur“ etablieren zu wollen, erweist sich inzwischen unübersehbar als das, was sie ist und immer war: Ein kollektives Hirngespinst, eine Wahnvorstellung eingebildeter Nützlinge des Status quo. Die Folgen für die Weltwirtschaft und für den Wohlstand der großen Mehrheit der Menschen werden – wie es aussieht – verheerend sein. Von den katastrophalen sozialen und möglicherweise auch gefährlichen politischen Auswirkungen gar nicht zu reden.

Wirtschaftlich ist der Ditte Weltkrieg bereits im Gange. Für Donald Trump ist der Dollar im Konflikt mit China, Europa sowie Kanada und Mexiko offensichtlich eine wichtige Waffe. Was Trump aber offensichtlich nicht bedenkt ist: Er ist dabei, sich als Totengräber der Dollarherrschaft über die Weltwirtschaft einen Namen zu machen und damit auch die Rolle der USA als Weltmacht Nummer eins endgültig in die Rumpelkammer der Geschichte verbannen. Denn die Nutzung des Dollars als Welthandelswährung macht die USA (noch) stark. Sie beruht letztlich aber nur auf Gewohnheit. Wird Trumps Verhalten immer mehr Betroffenen lästig, werden sie sich an Alternativen zum US-Dollar erinnern, zumal dieser – bedenkt man allein die gigantische Gesamtverschuldung der USA – geradezu grotesk überbewertet ist.

Dollar als finanzielle Reserve zu halten, ist deshalb inzwischen sehr risikobehaftet. Der Anstieg des Goldpreises ist nicht zuletzt dieser Erkenntnis zuzuschreiben. Deshalb muß dringend eine Alternative her. Da liegt es für viele Vermögende Menschen sowie weitsichtige Zentralbanker nahe, ihre Dollars in Gold zu verwandeln.

Was wären die Folgen, wenn sich weltweit die Erkenntnis durchsetzte, daß der US-Dollar (bei weitem) nicht das wert ist, was er derzeit kostet? Der Dollarpreis sollte dann deutlich fallen; Importe würden für die USA (viel) teurer und Exporte der USA würden für die Abnehmer (deutlich) billiger. Produkte der USA würden so international konkurrenzfähiger; die Produzenten könnten in vielen Fällen sogar die Preise erhöhen, ohne ihrem Absatz zu schaden. Trump brauchte andererseits nicht einmal Zölle einzuführen, um lästige Wettbewerber vom us-amerikanischen Markt fern zu halten und den einheimischen Anbietern Windfallprofits zu bescheren. Leider würde der fern gehaltene Wettbewerb letztlich Preiserhöhungen der einheimischen Anbieter erleichtern, ihnen Anstrengungen ersparen, konkurrenzfähige Produkte zu entwickeln, die binnenwirtschaftliche Preisinflation antreiben und so die Lebenshaltungskosten für die Amerikaner deutlich steigern. Die so auch wieder verteuerten Exporte würden zugleich den weltweiten Absatz us-amerikanischer Produkte wieder mindern.

Entstände ein Zinssenkungswettlauf der Notenbanken, gäbe es am Ende nur Verlierer. Bisher blieb Notenbankchef Powell noch standhaft. Donald Trump drängt aber seit vielen Monaten schon wie ein Kind nach Süßigkeiten unaufhörlich auf Zinssenkungen, weil er sich davon eine Stütze für die US-Wirtschaft im weiteren Verlauf der Weltwirtschaftskrise verspricht. Das gäbe, so denkt er sicherlich, auch der Chance seiner Wiederwahl Auftrieb.

Doch wie realistisch ist die Hoffnung, daß Leitzinssenkungen Wirtschaftswachstum anregen? Betrachtet man die gegenwärtige Weltkonjunktur, dann kommen Zweifel auf. Die bisherige Geldpolitik hat gigantische Vermögenspreis- und Kreditblasen erzeugt, die eher platzen werden als daß man sie noch wesentlich strammer blasen könnte. Die Vermögen der ohnehin Reichsten sind kräftig gewachsen. Der Mittelstand hat überwiegend gut gelebt. Nur den unteren 20 Prozent der Bevölkerung hat die Blasenökonomie keinerlei Nutzen gebracht. Dafür sind sie aber die ersten, die für das Scheitern dieser geldpolitischen Dummheit bezahlen werden. Der Graben zwischen Arm und Reich ist in den letzten Jahren überall in der Welt tiefer und breiter geworden und wird sich im Verlaufe der Krise noch vertiefen. Wie sich das auf den sozialen Frieden und die politische Stabilität auswirken wird, bleibt abzuwarten. Friedlicher dürfte die Welt aber in den kommenden Krisenjahren kaum werden.

Für Trump als Bauunternehmer mag es günstig sein, wenn noch mehr Geld in die Immobilienblasen fließt. Aber auch das hat natürliche Grenzen. Wo der eine kassiert, da muß mindestens ein anderer zahlen. Und der braucht Geld oder Kredit. Geld- und Kredit sind aber nicht unendlich verfügbar. Es sei denn, die Notenbanken würden im Endstadium des Wahnsinns Geld verschenken. Aber an wen? Da müßte man wohl das Los entscheiden lassen, um den sozialen Frieden nicht allzu sehr zu strapazieren.

Künstlich gedrückte oder gar negative Zinsen sind eine Anomalie. Normalerweise sind Zinsen der Preis, den jemand zahlt, um über Geld, das er in Zukunft erwartet, sofort verfügen zu können. Im Idealfall entsteht dieser Preis aus dem Wechselspiel von Angebot und Nachfrage. Negative Zinsen sind eine Art von Belohnung, die jemand dafür bekommt, daß er überhaupt Kredit aufnimmt, wofür auch immer. Negative Zinsen führen deshalb auch zur Fehlallokation von Geld. Sie sind eigentlich ein Zeichen wirtschaftlichen Irrsinns. Auf die Selbstheilungskräfte der Geld- und Kreditwirtschaft können wir uns zwar glücklicherweise verlassen, aber wann und mit welchen – möglicherweise verheerenden – sozialen und politischen Nebenwirkungen sie wirken werden, wissen wir (noch) nicht.

Die USA werden im weltwirtschaftlichen Wettbewerb nur wieder auf die Beine kommen und ihr Handelsdefizit signifikant verringern können, wenn sie auf dem Weltmarkt Leistungen anbieten, die zu den erwarteten Preisen nachgefragt werden. Das haben sie seit Jahrzehnten versäumt, weil sie sich im Glanze der lukrativen Tatsache gesonnt haben, die Produzenten der Weltleitwährung zu sein und sich auf Kosten anderer wohlfeil verschulden zu können. Damit geht es jetzt aber offensichtlich unwiderruflich zuende. Nicht zuletzt infolge eigenen Verschuldens der Amerikaner, die sich allzu lange auf die Macht eines überbewerteten US-Dollars verlassen haben. Wie alle anderen Nationen auch müssen die Amerikaner jetzt durch Leistungen im wirtschaftlichen Wettbewerb der Nationen konkurrieren.

Zölle sind unter diesen Umständen vielleicht Rettungsringe für besonders wettbewerbsschwache Branchen, grundsätzlich aber Gift für die Rekonvaleszenz einer wettbewerbsschwachen Wirtschaft. Sich auf Kosten und zu Lasten der wirtschaftlich erfolgreicheren Nationen gesundstoßen zu wollen, wäre töricht, denn es gliche einem Fußkranken, der sich, anstatt seinen Fuß im gesunden Gebrauch zu üben und heilen zu lassen, von seinen Mitmenschen tragen und seinen Fuß verkümmern ließe. Einen Weltwirtschaftskrieg können die USA nicht gewinnen. Sich selbst würden sie dadurch aber gleich doppelt schaden: einmal dadurch, daß sie weiterhin versäumen, ihre Wirtschaft für die globale Konkurrenz zu ertüchtigen, zum anderen infolge der Vergeltungsmaßnahmen, mit denen betroffene Staaten sich gegen eine hemdsärmelige Handelspolitik der USA wehren würden.

Und nicht zu vergessen: Die Musik wirtschaftlicher Macht spielt inzwischen ohnehin zu einem Gutteil im fernen Osten. Darauf gilt es, sich einzustellen, für die Europäer wie auch für die Amerikaner. Mit bloßer Kraftmeierei wird diese große und für den Weltfrieden wichtige Zukunftsaufgabe nicht zu lösen sein. Vielmehr sind Vernunft und kluges konsequentes Handeln im Miteinander der großen Wirtschaftsnationen gefragt. Offensichtlich sind dabei aber noch etliche krause Gedanken zu begradigen, bevor diese große Aufgabe vernunftgeleitet bewältigt werden kann.

Prof. Querulix beobachtet und kommentiert seit langem mit wachsender Sorge um Frieden, Freiheit und das allgemeine Wohl der Menschheit das fragwürdige Treiben der Menschentiere, insbesondere das ihrer Alphas. Seine Beobachtungen dokumentiert und kommentiert er in der eBook-Reihe „Tacheles“, in der bisher 7 Bände erschienen sind. Der jüngste trägt den Titel: „Rien ne vas plus – Wohin treibt die Menschenwelt?“ (ISBN 978-3-943788-43-3). Wie seine 6 Vorgänger ist auch dieser Band in allen gut sortierten (Internet-)Buchhandlungen zum Preis von 9,95 Euro zu haben.

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