(openPR) Ökonomische Verflechtung durch Arbeitsteilung führt tendenziell zu Wohlstandsgewinnen. Die Bertelsmann-Stiftung hat dazu am Beispiel von 42 Volkswirtschaften Berechnungen angestellt und ist dabei zu dem Ergebnis gekommen, daß jede/r Deutsche sich seit 1990 über ein durchschnittliches jährliches Wohlstandsplus in Höhe von 1.151 Euro freuen kann.
Soweit sehr erfreulich. Allerdings werden sich viele Millionen Bundesbürgerinnen und Bundesbürger angesichts dieser Nachricht fragen: „Aber wo sind meine jährlichen 1.151 Euro geblieben? Die hätte ich doch irgendwie merken müssen. Vielleicht nicht den gesamten Betrag, aber doch eine deutliche Steigerung meines verfügbaren Einkommens. Davon habe ich aber überhaupt nichts gemerkt.“ Nicht gerade wenige Deutsche werden sich sogar über ein sinkendes verfügbares Einkommen beklagen: „Die Kosten sind schneller gestiegen als mein Einkommen und ich kann mir heute weniger leisten als früher“, werden sie sagen. Viele haben Aufstockerjobs, und müssen sich neben ihrer schlecht bezahlten Arbeit auch noch um Sozialhilfe kümmern. Leben kann man das nicht nennen. Und die, die gänzlich auf Hartz-IV reduziert wurden, verlieren alles, was sie sich in den Jahren zuvor erspart haben. Rien ne vas plus! Sie haben nichts mehr zu verlieren. Und das in einer Gesellschaft, die so reich an gut bezahlten Öffentlich Bediensteten, Politikern, Millionären und Milliardären ist, einer der reichsten Gesellschaften der Welt.
Auf solche Einwände werden die Statistiker vielleicht antworten: „Der von uns errechnete Betrag ist nur ein Gesamtergebnis, eine volkswirtschaftliche Größe. Wieviel vom gesamten Globalisierungsgewinn tatsächlich in die Taschen jedes einzelnen deutschen Staatsbürgers geflossen ist und wer andererseits zu den Globalisierungsverlierern zählt, die sogar weniger Geld verdienen, muß anderen Untersuchungen vorbehalten bleiben.“ Ja, in der Tat: Reichtum landet regelmäßig nicht bei denen, die ihn erarbeiten, sondern bei denen, die über die verfügen, die ihn erarbeiten.
Soweit, so unbefriedigend. Globalisierungsgewinne sind einerseits zu begrüßen. Sie belohnen die globale Zusammenarbeit. Viel wichtiger und interessanter ist aber die Antwort auf die Frage ihrer Verteilung. Denn die Verteilung von Einkommen beeinflußt letztlich das Schicksal der Nationen. Die Verteilung des Volkseinkommens ist für die soziale und politische Stabilität jedes Landes von entscheidender Bedeutung. Das Flickwerk der Steuer- und Sozialgesetze führt inzwischen in Deutschland dazu, daß Geringverdiener deutlich höhere Grenzbelastungen mit Abgaben erdulden müssen als Einkommensmultimillionäre. Das Steuer- und Sozialrecht müßte dringend so reformiert und vereinfacht werden, daß es für alle Mitbürgerinnen und Mitbürger transparent wird und die zunehmende soziale Schieflage endlich nachhaltig beseitigt wird. Dafür braucht es aber andere Politiker, andere Parteien und Abgeordnete als die, die derzeit „am Ruder“ sind. Und es braucht gut informierte Wählerinnen und Wähler, die es verstehen, ihre Bedürfnisse gegenüber den Parteien und Abgeordneten zu vertreten. Solange Gleichgültigkeit und Uninformiertheit vieler Wählerinnen und Wähler es zulassen, können die Politiker ungestört ihre und ihrer Klientele Eigeninteressen auf Kosten und sogar zum Schaden der Volksmehrheit vertreten.
„Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient“ soll vor mehr als 200 Jahren der französische Philosoph Joseph Marie, Comte de Maistre geäußert haben. Wer sich treten läßt, wird getreten.
Auch die Ökonomen der Bertelsmann-Stiftung gestehen ein, daß manche Mitbürgerinnen und Mitbürger „die Schattenseiten der Globalisierung zum Teil sehr heftig zu spüren bekommen“ und führen dazu stagnierende Löhne, den Verlust von Arbeitsplätzen und den „Heimatverlust“ durch Migration an. Dennoch scheinen sie entweder nicht zu erkennen, daß die Auswirkungen der ökonomischen Spaltung unserer Gesellschaft bereits bedenkliche Ausmaße angenommen haben und die ersten politischen Auswirkungen sichtbar werden. Das stärkt unsere Gesellschaft nicht gerade. In den unruhigen Zeiten, die wir vor uns haben, kann das sehr unangenehme politische Folgen haben.
Am Koalitionsstreit über die Flüchtlingsproblematik könnte die GroKo scheitern. Neuwahlen kämen angesichts der labilen Weltlage und einer sich ankündigenden Weltfinanz- und -wirtschaftskrise zur Unzeit. Deutschland und die Europäische Gemeinschaft könnten durch das Ergebnis sehr geschwächt werden, vielleicht sogar auf längere Zeit, wenn das Ergebnis einer Neuwahl keine handlungsfähige Regierung zuließe.
Und das alles während die Welt dabei ist in eine große Krise zu taumeln, die ein unerfahrener US-Präsident vollkommen unsinnig auch noch anheizt. Die Folgen werden nicht nur die Weltwirtschaft, sondern auch die Weltpolitik einem Streßtest aussetzen, dessen Ausgang ungewiß, aber vermutlich nicht erfreulich sein wird. Eine schwache deutsche Regierung ist das Letzte, was wir in den kommenden, voraussichtlich sehr schwierigen Jahren, brauchen können.
Globalisierung, Zusammenarbeit, Arbeitsteilung könnten ein Segen sein, wenn fähige und vernünftige Politiker Rahmenbedingungen schafften, in denen das Allgemeinwohl weltweit das wichtigste Kriterium aller politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen ist. Davon sind wir aber weit entfernt. Und so handelt er. Von Globalisierung wird viel geredet, gemeint ist aber die Ausdehnung erzkapitalistischen Raffertums – den uralten und quicklebendigen Instinkten und Trieben des räuberischen Rudeltiers „Mensch“ entsprechend. Das gilt weltweit und ist dafür verantwortlich, daß die Armen arm bleiben oder noch ärmer werden (bis die Not sie gewaltsam aufbegehren läßt) und die Reichen immer reicher werden. So wie es aussieht, wird die soziale Kluft zwischen Arm und Reich in allen Ländern der Welt weiter und tiefer werden und am Ende könnte viel Blut fließen.
Derzeit kommen die Globalisierungsgewinne vor allem einer Minderheit zugute und immer mehr Menschen bezahlen sie mit Arbeitsplatzverlust, sozialem Abstieg und Verarmung. Die Kluft zwischen den Einkommen der exzessiv profitierenden Klasse und dem großen Rest der Menschen weitet sich immer schneller aus. Unermeßlicher Reichtum einer Minderheit und zunehmende Armut bei der Mehrheit der Bevölkerungen nehmen seit langem auch in den reichsten Staaten der Welt immer schneller zu und die sich mehr als gut versorgenden Politiker sehen einfach zu, wie die Völker, für die sie doch verantwortlich sind, in Profiteure und Abgehängte gespalten werden. Dieser Zerfall der Gesellschaften wird künftig zunehmend politische Konsequenzen haben, die nicht allein auf den freien Handel und damit auf den materiellen Wohlstand der Völker unangenehme Rückwirkungen haben werden, sondern auch politische und vielleicht sogar militärische Konflikte verursachen können.
Deutschland hätte (jetzt noch) die Kraft und die Stärke, seine Zukunft in Frieden, Wohlstand und sozialer Gerechtigkeit zu sichern. Daß diese Chance von den „Eliten“ genutzt wird, ist – wie es aussieht – allerdings sehr gering. Unser menschliches genetisches Erbe prädestiniert uns leider nicht dafür, vernünftig und weitblickend zukunftsorientiert zu handeln. Die Gier des kurzfristigen Beutemachens dominiert das Handeln der Alphatiere seit sich das Menschentier vom Affen abgesetzt hat. Diejenigen, die vom Status quo am meisten profitieren, dösen aller historischen Erfahrung nach am nachhaltigsten vor sich hin und wollen in ihrem Wohlleben nicht gern gestört werden. Deshalb wird die Geschichte der Menschheit auch weiterhin eine Geschichte von Krisen sein, die sich irgendwie selbst „lösen“ – bis voraussichtlich eines Tages zur letzten Krise, die das ganze Naturexperiment „Mensch“ beendet, um danach ein neues zu beginnen.
Schwierige Zeiten stehen uns bevor. Solange aber die Menschheit noch nicht definitiv das Ende ihrer Geschichte erreicht hat, ist Optimismus angebracht. Deshalb soll hier auf eine Studie aufmerksam gemacht werden, die vor einigen Jahren erschienen ist und die Gedankenanstöße für die Antwort auf die Frage gibt: Wie kann unter den absehbaren technologischen und ökonomischen Bedingungen der (nahen) Zukunft gewährleistet werden, daß eine Gesellschaft für alle ihre Mitglieder auch lebenswert ist? Wie kann gewährleistet werden, daß künftig alle ihre Mitglieder angemessen – von gerecht wollen wir gar nicht sprechen – am Volkseinkommen beteiligt werden? Wie kann erreicht werden, daß Kosten und Nutzen des technologischen Fortschritts ebenso gerecht verteilt werden wie die Kosten ökologisch verträglichen Wirtschaftens und Konsumierens? Die Studie will Denkanstöße geben, die sich um den Kern von Verteilungsgerechtigkeit drehen, einem Problem, daß dringend gelöst werden muß, wenn in den bevorstehenden Krisenjahren der soziale Friede und die politische Stabilität nicht den sprichwörtlichen Bach hinuntergehen sollen.
Die Studie trägt den Titel: „Unbedingtes individuelles Grundeinkommen in Gestalt einer negativen Einkommensteuer - Kernstück einer unvermeidlichen Radikalreform unserer Gesellschaft“. Die Studie ist als eBook (ISBN 978-3-943788-18-1, PDF) oder (ISBN 978-3-943788-32-7, ePub) in jeder gut sortierten (Internet-)Buchhandlung für je 9,95 Euro erhältlich.
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