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Business as usual als Selbsttäuschung - das dicke Ende kommt doch

15.05.201808:55 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
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Prof. Querulix, „Rien ne vas plus ...
Prof. Querulix, „Rien ne vas plus ...", eBook (ISBN 978-3-943788-43-3), 264 S., 9,95 Euro

(openPR) Die EZB unter Draghi wird weiterhin alles tun, um marode Banken und überschuldete Euro-Staaten zu stützen. Die welkende Scheinblüte der Euro-Wirtschaft soll so lange wie möglich erhalten werden und – damit die hoffnungslos überschuldeten Südländer der Europäischen Union und die zahlreichen Zombiebanken ihre Lasten loswerden – so bald wie möglich in inflationärem Rauch aufgehen. Letztlich wird aber alles Bemühen darum vergeblich sein.

Ob das mittels weiterem Gelddrucken gelingt, ist allerdings nicht sicher. Die Preisblasen bei Aktien, Anleihen und Immobilien in Ballungsgebieten können nicht ad infinitum stramm gehalten werden. Die ersten Lecks sind bereits unübersehbar und die durchströmende Luft vergrößert sie zusehends. Daran ändern sämtliche Anstrengungen der bisherigen Profiteure dieser Blasenwirtschaft überhaupt nichts.

Die neue Bundesregierung wurstelt sich weiter durch wie die alte. Der Haushalt beruht vor allem auf dem Prinzip Hoffnung. Zukunftsorientierte Politik sieht anders aus. Daß sich die ohnehin inakzeptable soziale Schieflage unserer Gesellschaft weiter verstärken wird – wahrscheinlich sogar über das für sozialen Frieden notwendige Mindestmaß hinaus – wird von den Verantwortlichen einfach ignoriert. So vertieft sich der soziale Graben und die radikalen Kräfte dürfen sich die Hände reiben.

Maßgeblich für das politische Handeln bleiben weiterhin die Wünsche der alten Klientele. Dabei ist Scheinheiligkeit Trumpf. Über Facharbeitskräftemangel werden einerseits Krokodilstränen vergossen, andererseits entsorgt man sie gern in den Vorruhestand und stellt dafür zwei Berufsanfänger (oder ähnlich Teil- oder Schwachqualifizierte) ein, weil diese billiger sind. Die sollen dann auf Kosten der Kunden lernen und so an Marktwert gewinnen. Immer weniger Betriebe sehen Aus- und Weiterbildung als ihre Aufgabe an. Und die Politiker scheinen zu glauben, es genüge über Bildung zu sprechen anstatt endlich eine Bildungsreform durchzuführen, die diesen Namen auch verdient.

Die EZB „druckt“ immer noch Geld wie verrückt. Doch wo ist dieses Geld? Außer bei der Minderheit von reichen Erben, Selbstbedienern wie z.B. Vorständen und Aufsichtsräten von Großunternehmen, Großspekulanten, Bankstern und anderen Finanzakrobaten kann man weit und breit kein Wachstum der Geldvermögen entdecken. Im Gegenteil. Null- und Negativzinsen vernichten einen Großteil der Vermögen des Mittelstandes. Draghi enteignet entschädigungslos die Altersversorgung von Millionen und die Politiker sehen einfach zu. Die Probleme kulminieren ja erst in Zukunft und die eigene Versorgung ist ja gesichert. Dabei sind die katastrophalen sozialen Folgen der Draghi-Politik schon jetzt klar abzusehen und es läßt sich voraussehen, welche politischen Folgen das haben wird.

Wo ist nur das viele von der EZB neu geschaffene Geld? Die Antwort lautet: Was nicht in die maroden Banken geflossen ist, steckt in den Spekulationsblasen, in überhöhten Anleihen- und Aktienkursen sowie überteuerten Immobilien. Dort hat das viele neue Geld eine gigantische Inflation erzeugt, eine Blase, die auch mit äußerster Anstrengung auf Dauer nicht erhalten werden kann. Die Sparer haben nur den Schaden, Lebensversicherungen und private Rentenversicherungen werden ausgezehrt.

In den USA steigen mittlerweile die Zinsen rasant und werden weiter steigen. Zugleich hat die Verschuldung des Staates und der Bevölkerung in den USA einen historischen Höchststand erreicht und eine „Normalisierung“ ist nur noch in Crashgestalt denkbar. Die Chinesen, Großgläubiger der Amerikaner haben mit US-Anleihen bereits viele Milliarden Dollar verloren und werden infolge weiterer Zinssteigerungen noch viele weitere Milliarden verlieren. Inzwischen scheint die autonome „Lösung“ des Nullzins- und Geldvermehrungsexperiments begonnen zu haben. Die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Auswirkungen der zu erwartenden Reinigungskrise dürften weltweit verheerend werden.

Eines von vielen Alarmzeichen, auf das hier bereits in früheren Beiträgen hingewiesen wurde, ist das rasante Ansteigen der Target-2-Forderungen der deutschen Bundesbank. Diese unverzinsten Forderungen entstehen durch Ungleichgewichte im EU-Binnenhandel und durch Kapitalflucht aus den unsolide geführten europäischen Südstaaten. Sie betragen derzeit schon mehr als 923 Milliarden (923.000.000.000) Euro – mit stetig steigender Tendenz. Die Target-2-Forderungen, die inzwischen fast das Dreifache des deutschen Bundeshaushalts erreicht haben, kommen dadurch zustande, daß die Südstaaten der Währungsunion laufend Geld schöpfen und die Nordstaaten dies aufnehmen. So stehen die Südstaaten, allen voran Italien, bei den Nordstaaten, vor allem Deutschland, mit immer größeren Summen in der Kreide.

Kürzlich machte der ehemalige Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, darauf aufmerksam, daß das deutsche Nettoauslandsvermögen, welches durch die Exportüberschüsse der Bundesrepublik in den vergangenen Jahren angesammelt wurde, durch das Anwachsen der Target-2-Forderungen praktisch halbiert worden sei. Denn, so der Ökonom, die Target-2-Forderungen der Bundesbank müßten letztlich abgeschrieben werden, weil sie angesichts der prekären finanziellen Lage der Südstaaten nicht einbringlich seien. So „sorgen“ die Deutschen, vor allem die untere Mittelschicht dafür, daß Bankster und reiche Leute der maroden Südstaaten ihr Geld retten können. Ein Blick in die Geschichte klärt darüber auf, daß solche Vorgänge politisch höchst brisant sind.

Weder die weltweite Finanzkrise, die 2008 begann, noch die Euro-Krise, die mit dem anhaltenden finanzwirtschaftlichen Schlendrian der europäischen Südstaaten und mühsam erhaltenen Zombie-Banken munter weitergeht, sind überwunden. Ganz im Gegenteil. Die Politiker scheinen allerdings unfähig zu sein, das Problem zu lösen und überlassen es deshalb der EZB. Die tut aber nichts weiter, als es unter hunderten Milliarden Neugeld zu begraben und es dadurch unter Inkaufnahme katastrophaler Kollateralschäden so lange zu verschleppen, bis es sich in einer gewaltigen Finanz-und Wirtschaftskrise selbst löst. Die scheint bereits in Gang gekommen zu sein.

Für die Europäische Idee könnte die unvermeidliche Heilungskrise des finanzwirtschaftlichen Krebsgeschwürs tödlich sein. Wünsche nach einer Bankenunion und gemeinschaftlicher Einlagensicherung, wie sie beispielsweise der französische Präsident Macron immer wieder vorträgt, sind nichts anders als ein Ausdruck der Verzweiflung der europäischen Südstaaten bzw. ihrer „Eliten“. Ihnen nachzugeben wäre aber nichts weniger als der Sturz der Europäischen Idee in den Orkus der Geschichte. Eine von den Nordstaaten, vor allem von Deutschland finanzierte Schuldenunion würde nur den Schlendrian perpetuieren und auch die solide wirtschaftenden Eurostaaten in die Krise stürzen und alles nur noch schlimmer machen.

Wer an eine solche „Lösung“ der bis heute verschleppten Finanz- und Bankenkrise denkt, sollte sich ernsthaft fragen, was er sozial und politisch zu riskieren bereit ist. Die ohnehin schon zunehmende Politikerverdrossenheit eines wachsenden Teils der Europäer, insbesondere auch der Deutschen, sollte zur Vorsicht mahnen. Es steht sehr viel auf dem Spiel.

Daß die von Anfang an stümperhaft konstruierte und dann übereilt eingeführte und seitdem von den verantwortlichen Politikern miserabel geführte Währungsunion unter den gegebenen Umständen überleben wird, ist fraglich. Ohne Finanzdisziplin geht es nämlich auf Dauer nicht. Südlicher Schlendrian läßt sich aber nicht einfach durch „Bankenunion“, „Vergemeinschaftung von Schulden“ oder „gemeinsame Einlagensicherung“ in nordeuropäische Sorgfalt und Selbstbeschränkung verwandeln. Mentalitäten ändern sich allenfalls in Jahrhunderten. Deshalb wurde an dieser Stelle schon mehrfach die Aufspaltung der Währungsunion in einen Südeuro und einen Nordeuro vorgeschlagen, die das Problem der unvereinbaren Mentalitäten der beteiligten Völker lösen könnte. Käme sie noch rechtzeitig, könnte sie den Eurostaaten vielleicht auch die Überwindung der sich immer deutlicher abzeichnenden Weltfinanz- und Wirtschaftskrise erleichtern.

Prof. Querulix beobachtet und kommentiert seit vielen Jahren das fragwürdige Treiben der Menschentiere. Viele seiner Beobachtungen hat er in der eBook-Reihe „Tacheles“ dokumentiert und kommentiert. Bisher sind 7 Bände erschienen. Der jüngste trägt den Titel: „Rien ne vas plus – Wohin treibt die Menschenwelt?“ (ISBN 978-3-943788-43-3). Wie seine 6 Vorgänger ist er im eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital (www.read.ruedenauer.de) erschienen und dort sowie in allen gut sortierten Buchhandlungen zum Preis von 9,95 Euro zu haben.

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