Die schnelle Verarbeitung und Auswertung von Daten ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Marketings. Da Unternehmen möglichst in Echtzeit darüber informiert werden wollen, was Konsumenten von ihren Produkten halten, wird auf künstliche Intelligenz im Marketing gesetzt. Dabei sollen basierend auf den vorliegenden digitalen Kundeninformationen deren Wünsche sowie Verhaltensmuster vorausgesagt werden. Marketingexperten erstellen auf Grundlage dieser Ergebnisse personalisierte Marketingstrategien. Doch in welchen Bereichen kann KI zielführend eingesetzt werden und wo stößt sie an ihre Grenzen?
Was bedeutet künstliche Intelligenz (KI) überhaupt?

Generell wird dabei zwischen der sogenannten reinen künstlichen Intelligenz und der pragmatischen künstlichen Intelligenz unterschieden. Während die reine künstliche Intelligenz dabei das menschlichen Denken und Handeln beschreibt, fasst man unter der pragmatischen künstlichen Intelligenz die Sprachverarbeitung sowie die Prophezeiung von künftigem Verhalten, beispielsweise durch die Auswertung von Algorithmen.
Aktuelle Anwendungsbeispiele für den Einsatz der künstlichen Intelligenz im Marketing und PR-Bereich
Künstliche Intelligenz gehört in vielen Arbeitsbereichen bereits zur alltäglichen Routine. So auch im Marketing und PR. Hierbei haben sich vor allem die folgenden Einsatzmöglichkeiten herauskristallisiert:
Textautomatisierung durch KI
Es ist ein Irrglaube, dass das automatisierte Texten durch künstliche Intelligenz ferne Zukunftsmusik ist. Ganz im Gegenteil! Bereits heute können Artikel oder Blogtexte durch Softwares in wenigen Minuten erstellt werden. Hierzu zählen zurzeit vor allem einfache Wetter- oder Sportmeldungen. Da redaktionelle Beiträge nach wie vor eine komplexe Recherchearbeit erfordern, kann künstliche Intelligenz die Auswertung von Informationen beschleunigen. Das Schreiben bleibt jedoch nach wie vor den Marketing- und PR-Profis vorbehalten.
Datenanalyse
Große Datenmengen können durch künstliche Intelligenz gesammelt und sortiert werden. Ziel dabei ist es, das zukünftige Kundenverhalten vorauszusagen und Trendanalysen zu treffen. Mit Hilfe dieses Wissens kann aktueller Content schneller erarbeitet und dringliche Themen, beispielsweise eines Kundensupports in Echtzeit, sofort aufgegriffen werden.
Als Beispiel für Datenanalyse durch KI kann das Projekt Polly angeführt werden. Durch Polly wurden über 60.000 Konten von sozialen Medien von Führungskräften weltweit auf dessen online Veröffentlichungen analysiert. Auf Grundlage dieser Veröffentlichungen ist es Polly gelungen, in die Gedankenwelt von Führungskräften vorzudringen und hieraus wichtige Trends herauszuarbeiten.
Datenjournalismus
Datenjournalismus befasst sich mit der öffentlichkeitswirksamen Aufarbeitung von quantitativen, informativen Daten. Die sachliche Wiedergabe dieser Informationen wird bereits durch künstliche Intelligenz, wie zum Beispiel bei der Stuttgarter Crimemap, vorgenommen. Hierbei handelt es sich um ein Projekt der Stuttgarter Nachrichten in Kooperation mit der Stuttgarter Zeitung, bei dem tagesaktuelle Polizeimeldungen über eine Datenbank publiziert werden und rückläufig bis ins Jahr 2014 eingesehen werden können. Die Nutzung von künstlicher Intelligenz im Bereich des Datenjournalismus hat den Vorteil, dass die Informationen schneller abrufbar und dabei verlässlicher sind als die von Menschen aufbereiteten Daten.
Content Marketing
Eine große Herausforderung im Marketing- und PR-Bereich besteht in der Ideenfindung für immer neue und hochwertige Inhalte. Künstliche Intelligenz wird diesbezüglich bereits zur zielgruppengerechten Themenfindung eingesetzt. Die KI Polly zeigte dabei zum Beispiel auf, welche Themenbereich für Führungskräfte besonders interessant sind.
Neue Trends

Automatisierungsprozesse in Kommunikationskampagnen
Insbesondere für wiederkehrende Aufgaben wie Memos oder Kalendereinträge, aber auch der Versand von E-Mails können Automatisierungsprozesse von künstlicher Intelligenz genutzt werden. Posts in den Sozialen Medien können durch KI automatisiert und optimiert werden.
Ein Beispiel hierfür sind bereits verwendete Social Bots, also Softwareroboter, die in sozialen Medien Beiträge liken, retweeten, selber texten, kommentieren oder mit anderen Benutzern live kommunizieren (Chat Bots).
Stimmungsanalyse mit künstlicher Intelligenz
Künstliche Intelligenz wird zukünftig wohl immer mehr der Auswertung und Analyse von Audio-, Video- und Text-Content dienen. Dadurch können schnell und zuverlässig die neusten Trends herausgefunden und dementsprechend das Marketing darauf abgestimmt werden.
Es ist zu erwarten, dass sich die künstliche Intelligenz in Zukunft hinsichtlich ihrer Technologie in Sachen Spracherkennung sowie Bild- und Videoerkennung immens weiterentwickeln wird. So können beispielsweise Kundenreaktionen mittels Kameras bei einer Produktpräsentation aufgenommen und ausgewertet werden können.
Influencer Marketing
Künstliche Intelligenz kann durch eine umfassende Daten- und Content-Analyse beim Herausfiltern wertvoller Influencer helfen. Die Datenanalyse kann dabei zum Beispiel über die Ermittlung des Einflusses des jeweiligen Influencers in der Online-Welt sowie der realen Welt erfolgen.
Grenzen und Risiken künstlicher Intelligenz

Hierbei ist vor allem bei der Datenanalyse zu fragen, wie gläsern ein Verbraucher gemacht werden darf. Marketingexperten sollten diesbezüglich also absolute Transparenz gegenüber den Kunden walten lassen und sicherstellen, dass nur jene Daten genutzt werden, für die auch eine Autorisierung vorliegt und bei denen der Ursprung nachvollziehbar ist.
Doch auch der Einsatz von KI als Social Bots für Posts in den sozialen Medien sind mit Vorsicht zu genießen. Denn meist ist für den Leser dabei nicht nachvollziehbar, ob es sich um einen Post von Usern handelt oder diese durch Bots generiert wurden. Künstliche Intelligenz kann so unter Umständen die öffentliche Meinung manipulieren. Diesbezüglich wird zum Beispiel vermutet, dass Social Bots im US-Wahlkampf 2016 eingesetzt wurden und Trends verstärkt haben.
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Neben der Gefahr der Manipulation sollten PR-Berater noch die folgenden Schwachpunkte von künstlicher Intelligenz im Auge behalten, um die Technologie KI möglichst sinnbringend einzusetzen:
KI ohne kritisches Urteilsvermögen
Nach dem heutigen Stand ist künstliche Intelligenz nicht dazu in der Lage, Informationen bzw. Daten kritisch zu hinterfragen. Vielmehr erarbeitet künstliche Intelligenz aus den vorhandenen Daten, Berechnungen und/oder Einschätzungen.
Den PR-Experten obliegt es daher immer noch, mögliche unterschiedliche Szenarien zu hinterfragen und weitere Faktoren zu berücksichtigen, die die künstliche Intelligenz für ihre Berechnungen und Einschätzungen noch nicht in Betracht gezogen hat.
Grenzen der Kreativität
Künstliche Intelligenz kann im Gegensatz zum Menschen nicht schaffen, was in dieser Form noch nicht existiert hat. Zwar kann künstliche Intelligenz Kunstwerke nachmachen, doch fehlt ihr die Kreativität zur Schaffung von etwas Neuem und Originalem.
Den Marketing- und PR-Beratern fällt daher auch in Zukunft die Aufgabe von kreativen Einfällen im Marketing zu.
Künstliche Intelligenz hat keine interkulturellen Kompetenzen
Ähnlich wie die Kreativität mangelt es der künstlichen Intelligenz auch an interkulturellen Kompetenzen. Hierunter versteht man verschiedene Formulierungen und Umgangsformen, welche über Ländergrenzen hinweg gelten, und die mit sozialer Kompetenz und Feingefühl einhergehen.
Sollen also im Marketing internationale Projekte verwirklicht werden, ist man zwingend auf Berater angewiesen, welche den interkulturellen Wechsel im Umgangston beherrschen.
Zusammenfassung: Künstliche Intelligenz im Marketing und PR-Bereich
Wie der Artikel aufgezeigt hat, wird künstliche Intelligenz nicht nur bereits vielfältig im Marketing und PR-Bereich eingesetzt. Zukünftig ist auch zu erwarten, dass sich die Zuhilfenahme von künstlicher Intelligenz deutlich verstärken wird.
Die Erhebung "Digital Dialog Insights 2020" zum aktuellen Status und den Trends im digitalen Dialogmarketing unter 120 Experten aus den Bereichen Produktion, Dienstleistung und Handel ergab, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Marketing vor allem für die die Personalisierung durch KI (83% Prozent der Befragten) und für die Optimierung des Targetings (78%) vielversprechend sei (Quelle: Statista 2022)
Allerdings bedeutet dies nicht, dass künstliche Intelligenz zukünftig das Marketing und die PR-Arbeit vollständig ersetzen wird. Vielmehr ist künstliche Intelligenz als das zu verstehen was es ist, nämlich als funktionales und ergänzendes Hilfsmittel, welches vor allem den Arbeitsalltag erleichtern und Zeit sparen soll. Es gibt jedoch klare Aufgaben, die künstliche Intelligenz nicht ersetzen kann. Hierzu gehören unter anderem das kritische Urteilsvermögen, die Kreativität sowie die Entwicklung von neuen Konzepten.