openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Bakterielle Biofilme detektieren und bekämpfen

07.12.201715:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Bakterielle Biofilme detektieren und bekämpfen
Biofilm eines klinischen Isolates von Pseudomonas aeruginosa in der Fluoreszenzfärbung (grün: lebende Zellen, rot: tote Zellen) (TWINCORE/Janne Thöming)
Biofilm eines klinischen Isolates von Pseudomonas aeruginosa in der Fluoreszenzfärbung (grün: lebende Zellen, rot: tote Zellen) (TWINCORE/Janne Thöming)

(openPR) HIPS-Forscher haben ein Molekül hergestellt, das Infektionen mit Pseudomonaden im Körper sichtbar machen kann

---
Der Problemkeim Pseudomonas aeruginosa kann schwere Infektionen in verschiedenen Organen des menschlichen Körpers auslösen. Besonders gefährlich wird es, wenn sich die Bakterien zu Biofilmen zusammenlagern: So entziehen sie sich nicht nur Angriffen des Immunsystems, sondern schützen sich sogar vor der Wirkung von Antibiotika. Die Folge ist eine kaum behandelbare chronische Infektion. Wissenschaftler des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS), einem gemeinsamen Standort des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) und der Universität des Saarlandes, haben ein Molekül entwickelt, das speziell an ein bakterielles Schlüsselprotein in Biofilmen bindet. Dieses Molekül blockiert dadurch einen wichtigen Baustein des Biofilms und kann gleichzeitig – wenn es mit einem entsprechenden Farbstoff versehen ist – den Biofilm im Körper sichtbar machen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der internationalen Ausgabe des Fachjournals Angewandte Chemie.



Bakterien der Art Pseudomonas aeruginosa gehören zu den Krankenhauskeimen und sind gegen viele gängige Antibiotika resistent. Sie können alle Organe oder auch Implantate befallen und sogenannte Biofilme bilden, in denen sie lange Zeit geschützt überdauern. Die Folge ist eine chronische Infektion, die nur schwer behandelt werden kann, da sowohl das Immunsystem als auch Antibiotika den Bakterien nichts anhaben können. Um einen Biofilm zu bilden, setzen die Pseudomonaden bestimmte Proteine frei – die Lektine. Diese Proteine binden außerhalb der Bakterienzellen an Zuckermoleküle und vernetzen sie zu einer Matrix, in der sich die Erreger zusammenlagern. Gelänge es, die Lektine mit einem Wirkstoff zu blockieren, könnten so bestehende Biofilme aufgelöst oder deren Bildung verhindert werden.

Da zum Beispiel das Lektin mit der Bezeichnung „LecA“ die Zuckermoleküle nur recht locker bindet, haben sich die HIPS-Forscher um Dr. Alexander Titz auf die Suche nach einem Molekül gemacht, das dauerhaft an LecA bindet. Die Voraussetzung dafür ist eine sogenannte kovalente Bindung oder Atombindung. „Wir haben zunächst mittels Röntgenstrukturanalyse die dreidimensionale Struktur von LecA analysiert und dann rational gezielt ein kleines Molekül entworfen, dessen Eigenschaften eine kovalente Bindung an die Zuckerbindestelle von LecA ermöglichen sollten“, sagt Alexander Titz. Das auf diese Weise entworfene Molekül haben die Forscher anschließend im Labor synthetisch hergestellt und mit LecA zusammengebracht. Mithilfe verschiedener biophysikalischer Methoden haben Kollaborationspartner am HIPS und am Centre national de la recherche scientifique in Grenoble die exakte Position der Bindestelle am Lektin bewiesen. In massenspektrometrischen Untersuchungen konnten sie dann die kovalente Bindung eindeutig nachweisen.

„Damit ist es erstmals überhaupt gelungen, ein spezifisches Molekül zu erzeugen, das kovalent an ein Lektin bindet“, sagt Titz, der die Nachwuchsgruppe „Chemische Biologie der Kohlenhydrate“ des HZI und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung leitet. Ein möglicher Weg der Anwendung ist die Weiterentwicklung des Moleküls zu einem Wirkstoff, der die Biofilmbildung von Pseudomonas aeruginosa unterdrückt. Die Bakterien würden zwar normal wachsen, könnten aber keinen Biofilm mehr bilden und wären so weniger gefährlich – sie würden ihre Virulenz einbüßen. Damit ließen sie sich mit Antibiotika behandeln, falls das Immunsystem sie nicht schon beseitigt. Für diesen Ansatz als Pathoblocker müsste das neue Molekül allerdings noch weiter optimiert werden.

„Eine andere Anwendungsmöglichkeit konnten wir schon zeigen, und zwar in der Bildgebung“, sagt Alexander Titz. „Wir haben das lektinbindende Molekül mit einem fluoreszierenden Farbstoff gekoppelt und konnten damit bestehende Biofilme sichtbar machen.“ Bislang lässt sich eine Infektion mit Pseudomonas aeruginosa zwar diagnostizieren, meist aber nicht der genaue Ort im Körper feststellen. Eine gezielt auf das befallene Organ oder Gewebe ausgerichtete Therapie ist daher nicht möglich. „Für eine diagnostische Anwendung am Menschen müssen wir das Molekül noch weiterentwickeln. Zum Beispiel müssen wir anstelle des Fluoreszenzfarbstoffes eine Sonde einsetzen, die das Detektieren mit Magnetresonanz- oder Positronen-Emissions-Tomographie ermöglicht“, sagt Titz. Außerdem müsse das langfristige Überleben des Moleküls im Körper sichergestellt werden. Diese Optimierungsprozesse laufen unter anderem im Rahmen einer Förderung des Europäischen Forschungsrates (ERC).

Originalpublikation:
Stefanie Wagner, Dirk Hauck, Michael Hoffmann, Roman Sommer, Ines Joachim, Rolf Müller, Anne Imberty, Annabelle Varrot, Alexander Titz: Covalent lectin inhibition and application in bacterial biofilm imaging. Angewandte Chemie International Edition, 2017. DOI: 10.1002/anie.201709368

Die Pressemitteilung und Bildmaterial finden Sie auch auf unserer Webseite unter dem Link

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung:
Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen Wissenschaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern macht: Das zu verstehen soll den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern.

Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung:
Im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) entwickeln bundesweit circa 500 Wissenschaftler aus 35 Institutionen gemeinsam neue Ansätze zur Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Infektionskrankheiten. Ziel ist die Translation: die schnelle, effektive Umsetzung von Forschungsergebnissen in die klinische Praxis. Damit bereitet das DZIF den Weg für die Entwicklung neuer Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente gegen Infektionen. Weitere Informationen:

Ihre Ansprechpartner:
Susanne Thiele, Pressesprecherin

Dr. Andreas Fischer, Wissenschaftsredakteur


Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung GmbH
Presse und Kommunikation
Inhoffenstraße 7
D-38124 Braunschweig

Tel.: 0531 6181-1400; -1405

Quelle: idw

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 984421
 572

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Bakterielle Biofilme detektieren und bekämpfen“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Bild: Neues Epidemie-Management-System bekämpft Affenpocken-Ausbruch in NigeriaBild: Neues Epidemie-Management-System bekämpft Affenpocken-Ausbruch in Nigeria
Neues Epidemie-Management-System bekämpft Affenpocken-Ausbruch in Nigeria
Mobiles System ermöglicht in entlegenen Regionen frühzeitige Schutzmaßnahmen gegen Epidemien – Wanka: „Deutsche Forschung trägt dazu bei, globale gesundheitliche Herausforderungen zu lösen“ --- Mit einem neuen mobilen Informationssystem bekämpfen deutsche Wissenschaftler vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) sowie nigerianische Forscher erstmals einen Affenpocken-Ausbruch in Nigeria. Seit September 2017 hat sich die Epidemie von Affenpocken mit bislang 128 …
Bild: Neues Diagnosetool optimiert artfremde OrgantransplantationenBild: Neues Diagnosetool optimiert artfremde Organtransplantationen
Neues Diagnosetool optimiert artfremde Organtransplantationen
Forscher des HZI und HIPS entdecken bakterielles Protein. welches Immunogene Zuckermoleküle auf Schweinezellen erkennt. --- Zuckermoleküle stellen im Körper wichtige Signale mit einem hohen Informationsgehalt dar und sind an vielen biologischen Prozessen wie der Anheftung von Bakterien an Wirtszellen oder der Bildung von Biofilmen beteiligt. Die Rezeptoren, die diese Zucker erkennen können, sind spezielle Proteine – die Lektine. Forscher des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS), einem Standort des Helmholtz-Zentr…

Das könnte Sie auch interessieren:

FendX schließt mit McMaster eine Forschungskooperationsvereinbarung für die Entwicklung einer Katheterbeschichtung auf Basis seiner Nanotechnologie
FendX schließt mit McMaster eine Forschungskooperationsvereinbarung für die Entwicklung einer Katheterbeschichtung auf Basis seiner Nanotechnologie
… der Möglichkeit, unter Einsatz unserer Nanotechnologie eine Beschichtung für Katheter zu entwickeln, die aus unserer Sicht die Verstopfung von Kathetern durch Blutgerinnsel oder bakterielle Biofilme verringern wird. Bereits im Rahmen der ersten Arbeiten konnte McMaster eine signifikante Abnahme der Anhaftung von Bakterien und Blut nachweisen, was möglicherweise …
Investoren setzen auf Phagentherapie:
Investoren setzen auf Phagentherapie:
… Biocenter angesiedelte Unternehmen befasst sich mit der Entwicklung von Phagen-basierten Arzneimitteln. Für diese werden spezielle Viren (Phagen) zur Behandlung von multiresistenten bakteriellen Infektionen eingesetzt. Der vielversprechende Lösungsansatz im Kampf gegen die Antibiotika-Krise war privaten Investoren nun weitere EUR 1,5 Millionen an Investments …
Bild: Netter-Stiftungsfonds feiert einjähriges BestehenBild: Netter-Stiftungsfonds feiert einjähriges Bestehen
Netter-Stiftungsfonds feiert einjähriges Bestehen
… Competition) ermöglichen. Der studentische Wettbewerb im Bereich der Synthetischen Biologie wird seit 2003 jährlich in Boston ausgerichtet. "Unser Ziel ist es, neue Erkenntnisse über bakterielle Biofilme zu gewinnen", erklärt Maik Luu vom Marburger iGEM-Team. "Aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften stellen Biofilme ein großes Problem bei der Bekämpfung von …
Wie Bakterien zusammenhalten
Wie Bakterien zusammenhalten
FAU startet neues internationales ForschungsprojektBakterielle Biofilme sind allgegenwärtig und spielen in vielen Bereichen unseres Lebens eine entscheidende Rolle: Wir bürsten sie von unseren Zähnen, sie helfen im Darm bei der Verdauung, können aber auch tödliche Krankenhausinfektionen auslösen oder große Probleme in der Industrie wie verstopfte Ölpipelines …
Pilzinfektionen bei Frauen: Neue Chancen zur Behandlung einer hartnäckigen Erkrankung
Pilzinfektionen bei Frauen: Neue Chancen zur Behandlung einer hartnäckigen Erkrankung
… jetzt im Rahmen einer klinischen Phase-1-Studie in Wien untersucht. Das Medikament des Wiener Biopharma-Unternehmens ProFem wirkt auf neuartige Weise: Die als sogenannte Biofilme vorkommenden Pilzkolonien werden zunächst aufgelöst und so einem zweiten Wirkstoff zugänglich gemacht. Ziel der Therapie ist die vollständige Heilung dieser chronischen Erkrankung. …
PhagoMed als führendes junges Biotech-Unternehmen in Europa ausgezeichnet
PhagoMed als führendes junges Biotech-Unternehmen in Europa ausgezeichnet
… nämlich das Health Catapult des Europäischen Instituts für Innovation & Technologie (EIT). Die synthetische Lysin-Plattform des Unternehmens, deren erstes Ziel die Bekämpfung der Bakteriellen Vaginose ist, wurde von der internationalen Jury als führende biotechnologische Innovation in Europa im Jahr 2020 ausgezeichnet. Das EIT Health Catapult ist …
Bild: Wohnmobile: winterfest und sorgenfrei mit der MultiBox von MultiManBild: Wohnmobile: winterfest und sorgenfrei mit der MultiBox von MultiMan
Wohnmobile: winterfest und sorgenfrei mit der MultiBox von MultiMan
… sind Schäden an Pumpen und Armaturen nicht auszuschließen. Während des Sommers haben sich Biofilme und Kalkbeläge in der Trinkwasseranlage gebildet, die für bakterielle Belastung und Geschmacksbeeinträchtigungen sorgen können. Diese Beläge müssen entfernt und die Anlage sollte entkeimt und entkalkt werden. Zur Reinigung von Trinkwasseranlagen gibt es …
Bild: Infektionskrankheiten sicher und schnell erkennenBild: Infektionskrankheiten sicher und schnell erkennen
Infektionskrankheiten sicher und schnell erkennen
… Technologies AG Paul-Ehrlich-Straße 5, 72076 Tübingen Telefon 07071 9761-30 Die Abbildung zeigt die FISH-Aufnahme eines Streptokokken-Biofilms auf einer menschlichen Herzklappe. Übersicht links: Der bakterielle Biofilm ist klar vor dem grünen Gewebshintergrund erkennbar. Detailaufnahme rechts: Bei höherer Auflösung werden die einzelnen Bakterien sichtbar. In …
Der beste Dünger der Welt
Der beste Dünger der Welt
… suspendierte Biomasse und immobilisierte Biofilme unter Zuführung von Gülle als mikrobielles Futter eine mineralisierte und fermentiere Nährstofflösung produziert. Diese enthält hochaktive, bakterielle Stoffwechselprodukte wie Aminosäuren, Proteine und Vitamine. Das pflanzliche Wachstum wird in der gesamten Breite gefördert und das Verfahren wirkt dem …
Sie lesen gerade: Bakterielle Biofilme detektieren und bekämpfen