(openPR) Sehr viel wurde und wird über das Thema Hartz IV oder auch Arbeitslosengeld II diskutiert und dabei steht immer nur der finanzielle Aspekt im Vordergrund. Welche psychologischen Folgen Erwerbslosigkeit und die mit Hartz IV staatlich verordneter Armut hat, darüber wird öffentlich geschwiegen, weil es jeden peinlichst berührt, wenn Hartz IV Diskussionsthema für Armut und Kostenexplosion herangeführt wird.
Aber Hartz IV ist auch eine seelenlose Armenfürsorge, mit weit reichenden Folgen für die Psyche der Betroffenen.
Ich arbeite, also bin ich jemand. Was aber bin ich ohne Arbeit?
Während früher der Arbeitsalltag den Rhythmus des Alltags bestimmt hat, werden Erwerbslose in eine Zwangspassivität abgeschoben, die schwere traumatische Züge annehmen kann. Das Ende ist dann in vielen Fällen ein Leben mit Alkohol, übermäßigem Fernsehkonsum, schlechtem Essen und Passivität, dass die Betroffenen scheinlebendig vegetieren läßt. Ulrich Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverband erklärte die Situation Arbeitsloser wie folgt:
"In dem Moment, wo ich merke, ich will arbeiten, kann aber nicht, muss ich auch gegenüber meinen anderen Familienmitgliedern vertreten, warum es so ist und zwar in einer Form vertreten, in der ich auch nicht schuld bin - was objektiv meist auch nicht der Fall ist."
Es gibt Kinder die im Winter zu dünn angezogen sind oder keine warmen Schuhe haben. Da kann ein Kind nicht an einem Schulausflug teilnehmen oder keine Freunde zum Geburtstag einladen, kann nicht ins Kino oder ins Schwimmbad gehen. Macht dieser Staat sich keinerlei Gedanken, dass genau dies bereits schon schwere psychische Schäden hervorrufen kann?
Selbstdisziplin, Zuverlässigkeit, Vertrauen, Leistungsbereitschaft, Bildung, Erfolg und gemeinsame Werte - dies alles hält eine Arbeitsgesellschaft zusammen. In unseren Sozialgettos jedoch zerfällt gerade dieser Zusammenhalt.
Mit den ständigen Stigmatisierungen und Verfolgungen Hilfebedürftiger in einem Land, das die Sozialleistungen bereits an die unterste Grenze des menschenwürdigen herabgesenkt hat und stets mehr Reglementierungen fordert, muss man sich nicht wundern, eine Gesellschaftsgruppe ins Leben zu rufen, die den Glauben an ein besseres Leben verloren hat.
Arbeitslosengeld II: Das bedeutet 345 Euro plus Miete und Heizkosten im Monat. Wie soll man davon leben? Wie leben Betroffene bereits mit dieser Armut? Besonders hart trifft es die Kinder der Arbeitslosen. Statt von "Puppen" - träumen sie nur davon, regelmäßig etwas zum Essen zu bekommen oder das sich die Mütter um sie sorgen können und es weniger Stress im Alltag gibt.
Dieser Stress, die Scham und die Erfahrung, ersetzbar zu sein, erzeugt bei Betroffenen Wut und Hoffnungslosigkeit. Der amerikanische Soziologe Richard Sennett sagt dazu:
"Was wir nun erleben, ist eine neue Gruppe von Menschen, die sich ausgeschlossen und als Bodensatz der Gesellschaft fühlt."
Hartz IV - seelenlose Armenfürsorge oder fürsorgliche Vernachlässigung von Hilfebedürftigen?
Lesen Sie zu diesem Thema auch: http://www.sozialticker.com/hartz-iv-truegerische-sicherheit.html
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