openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Demenz: Neue Substanz verbessert Gehirnfunktion

28.07.201711:03 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Demenz: Neue Substanz verbessert Gehirnfunktion
Marc Aurel Busche am Zwei-Photonen-Mikroskop, welches die direkte Beobachtung von Nervenzellen im intakten Gehirn mit hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung ermöglicht.  (Kurt Bauer / Technische Un
Marc Aurel Busche am Zwei-Photonen-Mikroskop, welches die direkte Beobachtung von Nervenzellen im intakten Gehirn mit hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung ermöglicht. (Kurt Bauer / Technische Un

(openPR) Das Protein Amyloid-? gilt als Hauptverantwortlicher für die Entstehung von Alzheimer. Aussichtsreiche Substanzen für neue Therapien sind deshalb Wirkstoffe, die die Amyloid-?-Produktion hemmen, so genannte Inhibitoren. In einer Mäusestudie konnte ein Team der Technischen Universität München (TUM) jetzt für einen solchen Inhibitor nachweisen, dass er die Amyloid-?-Menge reduziert und dadurch die normale Aktivität der Nervenzellen wiederherstellt und die Gedächtnisleistung deutlich verbessern kann.



---
In Deutschland leben etwa 1,5 Millionen Menschen mit Demenz. Ein wirksames Medikament, das die Krankheit aufhalten oder heilen kann, gibt es bisher nicht. Die genauen Ursachen der Erkrankung sind zudem noch nicht endgültig geklärt. Wahrscheinlich ist aber, dass sich bei Erkrankten im Gehirn größere Mengen des Proteins Amyloid-? anhäufen als bei Gesunden, was dazu führt, dass das Protein verklumpt und die Nervenzellen schädigt.

Betroffene Zellen können dadurch überaktiv werden, so dass sie ständig falsche Signale an ihre Nachbarzellen senden. Außerdem geraten bestimmte Gehirnwellen, die so genannten langsamen Oszillationen, außer Kontrolle. Diese Wellen spielen vor allem in der Gedächtnisbildung eine entscheidende Rolle, indem sie Gelerntes in den Langzeitspeicher verschieben.

Gehirnfunktionen in Mäusen wiederhergestellt

„Eine erfolgreiche Therapie muss möglichst früh bei der Erkrankung ansetzen. Wir haben in unseren Versuchen deshalb das Enzym ?-Secretase blockiert, das Amyloid-? herstellt.“, erläutert Dr. Dr. Marc Aurel Busche, Nachwuchsgruppenleiter am Institut für Neurowissenschaften der TUM und Facharzt für Psychiatrie an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am TUM Klinikum rechts der Isar.

Die Forscherinnen und Forscher testeten einen Wirkstoff, der die ?-Secretase hemmt, in einem Alzheimer-Mausmodell. Die Tiere produzieren große Mengen von Amyloid-?, was wie beim Menschen zur Bildung von Amyloid-?-Verklumpungen im Gehirn führt und Gedächtnisstörungen verursacht. Während der Studie erhielten die Mäuse bis zu acht Wochen lang den Hemmstoff über die Nahrung und wurden anschließend untersucht. Hierbei nutzten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine besondere Bildgebungsmethode, die Zwei-Photonen-Mikroskopie, mit der sich einzelne Nervenzellen im Gehirn be-obachten lassen.

Wie erwartet hatten die Mäuse nach dieser Zeit weniger Amyloid-? in ihren Gehirnen, da seine Herstellung verhindert wurde. Der Effekt des Wirkstoffs war aber deutlich weitreichender: auch die Gehirnfunktionen der Tiere hatten sich wieder normalisiert. Es gab weniger überaktive Nervenzellen und auch die langsamen Gehirnwellen verhielten sich wieder wie in gesunden Tieren. Entscheidend war für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass sich auch das Gedächtnis der Tiere wieder verbesserte. Die Mäuse fanden eine in einem Wasserlabyrinth versteckte Plattform wieder ebenso schnell, wie ihre gesunden Artgenossen.

Klinische Studie in Planung

„Was uns vor allem beeindruckt und verwundert, ist die Umkehrbarkeit der Symptome. Die Tiere hatten vor der Behandlung ein deutliches Krankheitsbild mit Amyloid- ?-Verklumpungen im Gehirn. Dennoch konnten wir die wichtigsten Gehirnaktivitäten und Fähigkeiten durch den Wirkstoff wiederherstellen.“, erläutert Aylin Keskin, Erstautorin der Publikation. Die Studie der Forscherinnen und Forscher bringt aber noch einen weiteren Vorteil: „Wir konnten jetzt auch im Umkehrschluss nachweisen, welche der neuronalen Defekte wirklich von Amyloid-? verursacht werden. Das war zum Beispiel für die überaktiven Nervenzellen bisher noch nicht ganz verstanden.“, sagt Keskin.

Die Ergebnisse der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler findet auch bald den Weg in die Klinik: Es ist eine große klinische Studie mit rund 1000 Teilnehmern geplant, in der der leicht abgewandelte Hemmstoff getestet werden soll. „Wir hoffen natürlich sehr, dass sich die vielversprechenden Entdeckungen im Tiermodell, auch auf den Menschen übertragen lassen“, sagt Busche.

---

Die Studie entstand im Rahmen des SyNergy-Clusters. Sie wurde gefördert durch die Alzheimer Forschung Initiative e.V., die Deutsche Forschungsgesellschaft (DFG), das European Research Council (ERC) und das European Union FP7 Program. Die Experimente wurden in Kooperation mit Novartis durchgeführt.

Publikation
A. D. Keskin, M. Kekuš, H. Adelsberger, U. Neumann, D. R. Shimshek, B. Song, B. Zott, T. Peng, H. Förstl, M. Staufenbiel, I. Nelken, B. Sakmann, A. Konnerth, and M. A. Busche, BACE inhibition-dependent repair of Alzheimer’s pathophysiology, Proceedings of the National Academy of Sciences, July 2017, DOI: 10.1073/pnas.1708106114
http://www.pnas.org/content/early/2017/07/19/1708106114.abstract

Kontakt
Dr. Dr. Marc Aurel Busche
Technische Universität München
Institut für Neurowissenschaften der TUM &
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am TUM Klinikum rechts der Isar
Tel: +49 (0)89 289 - 23325 (Pressestelle TU München)
E-Mail

Hochauflösende Bilder für die redaktionelle Berichterstattung:

https://mediatum.ub.tum.de/1374640

Weitere Informationen

Institut für Neurowissenschaften der TUM
http://www.ifn.me.tum.de/new/

Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am TUM Klinikum rechts der Isar
http://www.psykl.mri.tum.de/

Weitere Informationen:
- https://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/detail/article/34099/ - Diese Meldung im Web
- https://www.tum.de/die-tum/aktuelles/ - Alle Pressemeldungen der TU München

Quelle: idw

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 961084
 135

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Demenz: Neue Substanz verbessert Gehirnfunktion“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Technische Universität München

Bild: Multiple Sklerose: Cholesterin-Kristalle verhindern Reparatur im ZentralnervensystemBild: Multiple Sklerose: Cholesterin-Kristalle verhindern Reparatur im Zentralnervensystem
Multiple Sklerose: Cholesterin-Kristalle verhindern Reparatur im Zentralnervensystem
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems, bei der Immunzellen fettreiche Myelinscheiden der Nervenfasern abbauen. Der Wiederaufbau intakter Myelinscheiden ist notwendig, damit sich Patienten von ihren Behinderungen erholen. Aber das Regenerationsvermögen nimmt mit dem Alter ab. In „Science“ liefert ein Team der Technischen Universität München eine mögliche Erklärung: Fettmoleküle aus der Myelinscheide, die nicht rasch aus Fresszellen abtransportiert werden, können chronische Entzündungen auslö…
Doppelschlag gegen Tuberkulose
Doppelschlag gegen Tuberkulose
Auf der Suche nach neuen Strategien gegen lebensgefährliche Tuberkulose-Infektionen hat ein Team der Technischen Universität München (TUM), der Harvard University und der Texas A&M University in den USA einen neuen Verbündeten entdeckt: Sie fanden eine Substanz, die den Aufbau der Zellmembran des Bakteriums stört. Es wirkt selbst schon in geringer Konzentration und in Kombination mit einem bereits bekannten Antibiotikum verstärkt es die Wirkung um den Faktor 100. --- Eine der größten Herausforderungen bei der Behandlung lebensgefährlicher Tu…

Das könnte Sie auch interessieren:

Demenz - Früh erkennbar und oft vermeidbar
Demenz - Früh erkennbar und oft vermeidbar
… Verbindung gebracht wird. Das durch enzymatische Prozesse abgebaute Eiweiß-Bruchstück verklumpt, lagert sich in Form der Amyloid-Plaques im Gehirn ab und beeinträchtigt die Gehirnfunktion. Ein neues bildgebendes Verfahren ermöglicht es nun, diese Ablagerungen, die Radiologen bis dato nur in der post-mortem-Untersuchung nachweisen konnte, beim lebenden …
Bild: Geistig fit und rege im Alter: Rechtzeitige Vorbeugung und Behandlung kann Demenz verhindernBild: Geistig fit und rege im Alter: Rechtzeitige Vorbeugung und Behandlung kann Demenz verhindern
Geistig fit und rege im Alter: Rechtzeitige Vorbeugung und Behandlung kann Demenz verhindern
… verschlossener Gefäße, kommt es zu einer Mangelversorgung des Gehirns mit Sauerstoff. Als Folge davon sterben allmählich Nervenzellen ab und das Gehirn verliert an Substanz. Da diese Schädigung nicht plötzlich eintritt, sondern allmählich fortschreitet, ist die vaskuläre Demenz eine schleichende Erkrankung. Das Gehirn kann sich erholen: Entgegen der früheren …
Bild: Demenzerkrankungen vorbeugen mit den Kräften der NaturBild: Demenzerkrankungen vorbeugen mit den Kräften der Natur
Demenzerkrankungen vorbeugen mit den Kräften der Natur
… das Institut ttz das gelatine- und glutenfreie Nahrungsergänzungsmittel „Johannifit“ (in Apotheken), das - zusammen mit einer gesunden Lebensweise - die Gehirnfunktion positiv beeinflussen kann. Hierzu der Leiter des Forschungsinstituts ttz, Professor Dr. Klaus Lösche: „Schwarze Johannisbeeren sind hervorragende Lieferanten sekundärer Pflanzenstoffe …
Frauenärzte der GenoGyn raten: Demenzerkrankungen in der Menopause vorbeugen
Frauenärzte der GenoGyn raten: Demenzerkrankungen in der Menopause vorbeugen
… könnten manche Frauen nach der Menopause von einem neuroprotektiven Effekt einer Hormontherapie profitieren, da sich Östrogene und Gestagene grundsätzlich positiv auf die Gehirnfunktion auswirken. „Alzheimer muss kein Schicksal sein – wir können vorsorgen“, appelliert Frauenarzt Dr. Jürgen Klinghammer aus dem Vorstand der GenoGyn und verweist zusätzlich …
Bild: Transkranielle Pulsstimulation (TPS®) jetzt auch in Neuruppin/BrandenburgBild: Transkranielle Pulsstimulation (TPS®) jetzt auch in Neuruppin/Brandenburg
Transkranielle Pulsstimulation (TPS®) jetzt auch in Neuruppin/Brandenburg
… der TPS arbeiten, sprechen bei allen Indikationen mittlerweile von einer Erfolgsquote von 80%. Die Transkranielle Pulsstimulation (TPS®) kann als erste Therapie die Gehirnfunktion der Betroffenen deutlich verbessern. Die Transkranielle Pulsstimulation, kurz: TPS®, geht auf nicht-invasive Weise mittels Stoßwellen erstmals direkt an den "Ort des Geschehens" …
Bild: Mikronährstoffe bremsen geistigen Abbau – Mit Vorbeugung von Demenz und Alzheimer frühzeitig beginnenBild: Mikronährstoffe bremsen geistigen Abbau – Mit Vorbeugung von Demenz und Alzheimer frühzeitig beginnen
Mikronährstoffe bremsen geistigen Abbau – Mit Vorbeugung von Demenz und Alzheimer frühzeitig beginnen
… renommierten Universität Oxford an einer Gruppe älterer Menschen zeigen konnten. Die Forscher verabreichten den Studienteilnehmern einen Cocktail aus B-Vitaminen und beobachten ihre Gehirnfunktion und die geistige Leistungsfähigkeit im Vergleich zu der Gruppe von Teilnehmern, die keine B-Vitamine erhielten. Sowohl die geistige Leistungsfähigkeit wie auch …
Bild: Hoffnungsträger intelligente LebensmittelBild: Hoffnungsträger intelligente Lebensmittel
Hoffnungsträger intelligente Lebensmittel
… So diskutierten auf dem International Nutrition Symposium am 26. und 27. Oktober 2006 in Lausanne Wissenschaftler aus aller Welt über den Einfluss der Ernährung auf die Gehirnfunktion. Das Gehirn ist ein regelrechter Energiefresser, das bis zu 25 Prozent der vom Körper täglich umgesetzten Glucose verbraucht. Und dies, obwohl das Denkorgan nur zwei Prozent …
Demenzerkrankungen vorbeugen
Demenzerkrankungen vorbeugen
… Institut ttz das gelatine- und glutenfreie Nahrungsergänzungsmittel „Johannifit“ (erhältlich in Apotheken), das - zusammen mit einer gesunden Lebensweise - die Gehirnfunktion positiv beeinflussen kann. Hierzu der Leiter des Forschungsinstituts ttz, Professor Dr. Klaus Lösche: „Schwarze Johannisbeeren sind hervorragende Lieferanten sekundärer Pflanzenstoffe …
Bild: Durchbruch bei Alzheimer-Demenz: Zugelassene und wirksame Therapie kommt in Deutschland zum EinsatzBild: Durchbruch bei Alzheimer-Demenz: Zugelassene und wirksame Therapie kommt in Deutschland zum Einsatz
Durchbruch bei Alzheimer-Demenz: Zugelassene und wirksame Therapie kommt in Deutschland zum Einsatz
… Auswirkungen auf das alltägliche Leben sind individuell sehr verschieden. Wissenschaftlich nachgewiesen: Die Transkranielle Pulsstimulation (TPS®) kann die erkrankte Gehirnfunktion des Patienten deutlich verbessern. Das international renommierte Schweizer Medizintechnikunternehmen STORZ MEDICAL AG, seit Jahrzehnten Marktführer im Bereich der Stoßwellentherapie, …
Bild: Mikronährstoffe bremsen geistigen Abbau – Mit Vorbeugung von Demenz und Alzheimer frühzeitig beginnenBild: Mikronährstoffe bremsen geistigen Abbau – Mit Vorbeugung von Demenz und Alzheimer frühzeitig beginnen
Mikronährstoffe bremsen geistigen Abbau – Mit Vorbeugung von Demenz und Alzheimer frühzeitig beginnen
… renommierten Universität Oxford an einer Gruppe älterer Menschen zeigen konnten. Die Forscher verabreichten den Studienteilnehmern einen Cocktail aus B-Vitaminen und beobachten ihre Gehirnfunktion und die geistige Leistungsfähigkeit im Vergleich zu der Gruppe von Teilnehmern, die keine B-Vitamine erhielten. Sowohl die geistige Leistungsfähigkeit wie auch …
Sie lesen gerade: Demenz: Neue Substanz verbessert Gehirnfunktion