(openPR) Berlin, November 2016. Mit der Energiewende steht die Stromversorgung in Deutschland und Europa vor einem tiefgreifenden Wandel. Waren die Kraftwerke bisher verbrauchsnah errichtet worden, findet die Erzeugung Erneuerbarer Energien an meteorologisch günstigen Standorten statt. Diese sind in Nord- und Ostdeutschland und somit fernab der Verbrauchszentren gelegen. Kann der Strom aus Erneuerbaren Quellen aufgrund der schon heute vorhandenen Netzengpässe nicht dorthin transportiert werden, wo er gebraucht wird, entstehen neben den ökonomischen auch hohe ökologische Kosten.
Im Jahr 2015 hatten die Erneuerbaren Energien mit durchschnittlich 30 Prozent erstmals den größten Anteil aller Energiequellen an der Bruttostromerzeugung in Deutschland. Das Stromnetz ist derzeit aber nicht immer in der Lage, insbesondere den Windstrom aus den nördlichen Bundesländern in die Verbrauchszentren im Westen und Süden Deutschlands abzutransportieren. Wenn aufgrund von Netzengpässen in Deutschland oder den Nachbarländern ein Durchleiten des Stroms von Nord nach Süd nicht möglich ist, greifen die Netzbetreiber steuernd ein und schalten immer wieder Windräder- und Solaranlagen ab, um das Netz zu entlasten. In Norddeutschland stehen deshalb ausgerechnet an windreichen Tagen viele Windräder still. Die Gesamtkosten für die sogenannten Redispatch-Maßnahmen – also Kosten für die Abregelung von Kraftwerken an der einen und das Hochfahren an anderer Stelle – beliefen sich für das Gesamtjahr 2015 auf mehr als 1 Milliarde Euro.
Da dieser Strom dann andernorts fehlt, muss er dort kurzfristig zugekauft werden - wobei in der Regel konventionelle Kraftwerke zum Einsatz kommen: Netzengpässe führen also zu einem vermehrten Einsatz fossiler Kraftwerke. Allein im ersten Halbjahr 2015 konnten laut Bundesnetzagentur mehr als 1,4 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Erneuerbaren Quellen nicht eingespeist werden, weshalb etwa eine Million Tonnen CO2 aus fossilen Quellen zusätzlich ausgestoßen wurden. Wenn die Netzengpässe nicht behoben werden, werden diese Kosten in Zukunft weiter steigen.
Da die Einspeisung aus Erneuerbaren Energien natürlichen Schwankungen unterliegt, bekommt die Gewährleistung der Systemstabilität und der Versorgungssicherheit eine neue Bedeutung. Die günstigste und effektivste Maßnahme, um diese Schwankungen aufzufangen, ist ein möglichst weiträumiger Netzverbund. Wenn – nach einer notwendigen Übergangsphase – auch die fossilen Kraftwerke vom Netz gehen, können mit den Leitungen später saisonale Speicher in Form von Wasserkraft in den Alpen oder Norwegen eingebunden werden. Mit einer intelligenten Kopplung der Sektoren Strom, Wärme und Mobilität werden der Strombedarf und damit die Schwankungen übrigens eher noch steigen.
Um künftig mehr Strom aus Erneuerbaren Energien in die Netze einspeisen und deren Anteil an einer sicheren Stromversorgung ausbauen zu können, sind leistungsfähige und moderne Übertragungs- und Verteilnetze in Deutschland und im europäischen Verbundnetz notwendig. Sind nicht genügend Kapazitäten im Netz vorhanden, müssen Notfallmaßnahmen ergriffen werden, die langfristig sowohl ökonomisch wie auch ökologisch teurer sind als der Ausbau der Netze.








