(openPR) Unser Schulsystem kennt verschiedene Leistungs und Teilleistungsstörungen, die teilweise in den Schulen anerkannt sind und somit eine Erleichterung in der Bewertung erlangt haben. Der Großteil der Leistungsstörungen ist jedoch nicht anerkannt und führt zu Problemen der Kinder in der Schule.
Leistungsstörungen
Unser Schulsystem kennt im Allgemeinen drei verschiedene Leistungsstörungen: ADS/ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivitäts-Syndrom), Dyskalkulie und Legasthenie.
Die einzige in der Schule anerkannte Leistungsstörung ist die Legasthenie oder Lese- / Rechtschreibstörung.
Auch wenn die anderen Phänomene nicht anerkannt sind, sollte eine frühe Förderung / Therapie ins Auge gefasst werden, bevor sich Probleme festsetzen und weitere Komplikationen entstehen.
Dyskalkulie
Bei der Dyskalkulie, also einer Entwicklungsverzögerung des mathematischen Denkens, handelt es sich um eine „beständige Minderleistung im Lernstoff des arithmetischen Grundlagenbereiches (Mächtigkeitsverständnis, Zahlenbegriff, Grundrechenarten, Dezimalsystem), wobei die Betroffenen mit ihrer subjektiven Logik in systematisierbarer Art und Weise Fehler machen, die auf begrifflichen Verinnerlichungsproblemen beruhen“ (Wikipedia).
Zeichen für Dyskalkulie z. B. sind, wenn man den Eindruck bekommt, dass „Üben“ nichts bringt, Zahlen vertauscht werden oder leichte Transferleistungen nicht nachvollziehbar für das Kind sind. Oft kann es auch passieren, dass das Kind am nächsten Tag vom „Eingeübten“ nichts oder nicht mehr viel weiß. Viel Üben bringt in diesem Fall nicht großen Erfolg.
Die Kinder sollten ab der ersten Klasse unterstützt werden und dies auf jeden Fall, bevor der Zahlenraum 100 übersteigt. Oft können einfache Mittel große Erfolge erzielen und einen jahrelangen Leidensweg ersparen. Mittlerweile sind viele Psychologen für eine Dyskalkulie - Therapie ausgebildet. Hilfe findet man auch beim Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie.
ADS / ADHS
Unter ADS / ADHS versteht man eine bereits im Kindesalter beginnende psychische Störung, die sich durch Probleme mit der Aufmerksamkeit sowie Impulsivität und häufig auch Hyperaktivität auszeichnet. Etwa drei bis zehn Prozent aller Kinder zeigen Symptome im Sinne eines ADHS-Syndroms. Jungen sind deutlich häufiger betroffen als Mädchen. Die Symptome können mit unterschiedlicher Ausprägung bis in das Erwachsenenalter hinein fortbestehen.Das ADS oder ADHS führt, wenn es durch einen Psychologen bestätigt wird, nicht zu einer Notenerleichterung, kann aber ein gewisses Verständnis der Schule und Lehrer gegenüber dem Kind zur Folge haben.
Hier liegt eine erstaunliche Bandbreite an Therapien (aber kein Patentrezept) vor.
Oft können kognitive Therapien, Ergotherapien, Bewegung und viel Sport die Konzentration fördern. Neuerdings werden Erfolge durch Neurofeedback verzeichnet: Manche schwören auf homöopathische Behandlungen oder Ergotherapie, andere halten Fehlstellungen der Wirbelsäule (Hals) oder Probleme des Gleichgewichtssinns für ursächlich.
Eine Veränderung der Ernährung (phosphatfrei, basisch, zuckerfrei) wird oft als ein positiver Aspekt im „Krankheitsverlauf“ angesehen. Lebensmittelallergien können ebenfalls ursächlich sein und deren Behandlung kann eine Konzentrationssteigerung nach sich ziehen.
Unstrittig ist nur, dass ADS/ADHS - Kinder einen äußerst geregelten und ruhigen Tagesablauf benötigen. Sie sollten nicht zusätzlich beschäftigt werden, damit sie ruhiger werden, denn dies kann die entgegengesetzte Wirkung nach sich ziehen. Ein gleichmäßiger, durchstrukturierter Tag mit viel Ordnung ist eine Grundvoraussetzung für die Verbesserung der Konzentration.
Elterntherapien und ein umfangreiches Wissen des Krankheitsbildes erleichtern den Umgang mit dem Kind.
Mittlerweile werden viele Kinder auch mit einer Pharmakotherapie behandelt. Hierbei sollte man bedenken, dass jede Wirkung auch unerwünschte Nebenwirkungen zeigt und daher nicht leichtfertig therapiert werden sollte. Bekannte Ritalin Nebenwirkungen sind Gewichtsverlust, Depressionen oder bipolare Störungen und vieles mehr. Diese Behandlungsweise kann zu Abhängigkeiten usw. führen. Zu diesem Thema gibt es zahlreiche interessante Studien, die den Umfang hier sprengen würden. (siehe Büchertipps, Seite 11)
Legasthenie
Die Legasthenie oder Lese / Rechtschreibschwäche (LRS) wird als pathologisch in der Schule anerkannt, sofern es sich um eine Störung und nicht nur um eine Schwäche handelt.
„Unter Legasthenie versteht man eine massive und lang andauernde Störung des Erwerbs der Schriftsprache“ (Wikipedia, Verband für Legasthenie).
Legastheniker haben Probleme bei der Umsetzung der gesprochenen zur geschriebenen Sprache und umgekehrt. Als Ursache werden eine genetische Disposition, Probleme bei der auditiven und visuellen Wahrnehmungsverarbeitung, der Verarbeitung der Sprache und vor allem bei der phonologischen Bewusstheit angenommen.
Die Störung tritt isoliert und erwartungswidrig auf, d. h. die schriftsprachlichen Probleme entstehen, ohne dass es eine plausible Erklärung (wie z. B. eine generelle Minderbegabung oder schlechte Beschulung) gibt.
Je nachdem, ob der Betroffene eine auditive oder aber visuelle Form der Legasthenie hat (auch beides ist möglich), unterscheiden sich die Therapien.
Bei der auditiven Legasthenie kann schon viel durch eine deutliche Sprache erreicht werden, damit der Legastheniker die Endungen der Wörter hören bzw. verschriften kann. Silben klatschen oder abschreiten sind gute Möglichkeiten, eine Bewusstheit zu schaffen. Logopäden können eine deutliche Sprache des Kindes einüben, damit es in seinem inneren Ohr ein klares und eindeutiges Wort hört, welches dann leichter zu verschriften wäre.
Bei der visuellen Form der Legasthenie bewegt sich das Schriftbild vor dem inneren Auge des Legasthenikers konstant. Dadurch kommt es oft zu Phänomen wie dem „verlieren“ der Zeile oder des Wortes (aus R_O_T, kann z. B. sowohl T_O_R, als auch O_R_T werden, je nachdem, wie sich die Buchstaben bewegen). Dies führt zu einer allgemeinen Desorientierung.
Aus diesem Grund können Legastheniker auch Probleme in der Mathematik oder Geometrie bekommen. Zeichnungen sind selten exakt und Zahlen können leicht vertauscht werden. So kann es manchmal einem reinem Glücksspiel gleichkommen, ob das Kind 45 oder 54 schreibt, auch wenn es weiß, was es eigentlich schreiben möchte. Das muss kein Anzeichen für das Vorliegen einer Dyskalkulie sein. Vielmehr gehen manche Wissenschaftler davon aus, dass Legasthenie, Dyskalkulie, ADHS und Dysgraphie (Unfähigkeit Wörter und Texte zu schreiben, trotz intakter Handmotorik und Intelligenz) oft denselben Ursprung haben, nämlich eine allgemeine Desorientierung. Wird die Konzentration durch Therapien
wieder auf einen Punkt gebündelt, so verbessern sich alle Phänomene gleichermaßen. Die Legasthenie hat auf keinen Fall etwas mit Dummheit zu tun, auch wenn dieser Gedanke immer noch existiert. Oftmals kann eine Legasthenie mit einer besonders ausgeprägten Begabung einhergehen, z. B. in Intelligenzbereichen, in künstlerischer Form, räumlichem Denken oder in der Geschwindigkeit der Wissensaufnahme. Manche Forscher sprechen davon, dass Legastheniker über eine schnellere Denkweise verfügen als Nicht – Legastheniker, da sie in Bildern und nicht in Worten denken, zumindest bis zu einem bestimmten Alter. Danach wird oft auf beide Arten gedacht (also in Wort und/oder Bild, Theorie von Davis, siehe Anhang).
Der Bundesverband für Legasthenie geht davon aus, dass 4 % aller Schüler betroffen sind. Ein großer Prozentsatz dieser Kinder ist überdurchschnittlich begabt.
Bei einer frühen Förderung, durch anerkannte Legasthenie-Therapeuten kann es zu einer Leistungssteigerung kommen. In jedem Fall wird das Thema Schreiben von einer „neutralen“ Seite betrachtet und bearbeitet und nicht nur –oft emotional- von den Eltern korrigiert. Beim eigenen Kind fällt es schwer, nach jahrelangem Üben noch Verständnis für Fehler aufzubringen, die bereits tausendfach verbessert wurden. Therapeuten stehen außen vor und haben gelernt damit umzugehen.
Im Laufe der jugendlichen Entwicklung geschehen oft massive Entwicklungsschübe, auch in Form der Verbesserung der Rechtschreibleistungen und des Leseverständnisses. Voraussetzung dafür sind allerdings eine konstante Auseinandersetzung mit der Sprache und ständige Förderung.
Seit 1999 gibt es in Bayern, als erstem Bundesland, den „Legasthenieerlass“, der es legasthenen Kindern ermöglicht, einen höheren Bildungsweg einzuschlagen.
Hierbei wird Schülern mit diagnostizierter Legasthenie Zeitzuschläge von bis zu 50 % gewährt. Auf eine Benotung der Rechtschreibleistung wird verzichtet.
Den Lehrern wird empfohlen, von legasthenen Kindern häufiger die mündlichen Leistungen zu bewerten, um die fehlenden Noten (z.B. von Diktaten oder Leseproben) auszugleichen. Es kann auch pädagogisch sinnvoll sein, bei Diktaten dem Legastheniker einen angemessenen Fehlersprung zu gewähren. Leider sind nicht immer alle Grundschulen dazu bereit, es sei denn, sie kennen sich in diesem Bereich gut aus und gehen progressiv vor.
In der Grundschule bedeutet der Legasthenieerlass:
Keine Noten auf Diktate, je nach Form der Störung auch keine Benotung von Leseproben.
In der Grammatik kann auf die Bewertung der Groß- und Kleinschreibung verzichtet werden, mit der Konsequenz, dass ein Legastheniker z. B. auch ein Nomen klein schreiben kann und trotzdem behaupten darf, dass es ein Namenwort ist.
Im Gymnasium werden die Fremdsprachen – je nach Gutachten – mündlich und schriftlich 1:1 bewertet, d. h. jede geschriebene Note (Schulaufgabe, EX, Kurzarbeit) steht zu jeder mündlichen (also gesprochenen! hierzu zählt keine EX, die normalerweise als mündliche Note berechnet wird) Note (Ausfragen, Referat, Mitarbeit) im Verhältnis 1:1.
Strittig ist die Bewertung der Interpunktion. Im Gymnasium wird sie nicht bewertet, in der Grundschule hängt es von der Handhabung des Lehrers ab. Hier sollte man sich in Streitfällen an das Kultusministerium wenden. Oft wird die Interpunktion der Rechtsschreibung zugeordnet (und damit nicht bewertet), außer es wird eindeutig in der Grammatikfrage gefordert, bzw. speziell geübt, wie z. B. wörtliche Rede, oder „notiere das richtige Satzzeichen am Ende des Satzes“. Kommata sollten aber nicht bewertet werden, auch nicht automatisch fehlende Punkte am Satzende.
Vor allem für den Übertritt und die weiterführenden Schulen empfiehlt es sich, ein psychologisches Gutachten erstellen zu lassen.
Dieses erfolgt durch einen Psychologen und beinhaltet ein Diktat, Lesen (Wortgenauigkeit und gelesene Wörter pro Zeiteinheit), ferner einen Intelligenztest, der ausschließen soll, dass das Kind lediglich aufgrund einer Minderbegabung nicht lesen und schreiben kann, sowie eine psychologische Untersuchung, die wiederum ausschließen soll, dass andere Ursachen zu Grunde liegen.
Das Gutachten des Psychologen wird dann an den Schulpsychologen weitergeleitet, der wiederum den Nachteilerlass nach seinem Ermessen ausstellt und diesen an die Schule weitergibt. Erst dann ist das Kind von der Benotung befreit.
Tipp: Klären Sie vorher die Kosten des Gutachtens (= Zusammenfassung des Ergebnisses der Testung). Krankenkassen sind zur Übernahme des Gutachtens nicht verpflichtet, zahlen aber meist die Testung. Schulen oder städtische Schulberatungen bieten oft kostenlose Testungen an.
Manche Psychologen erstellen, gleich nach dem Rechtschreibtest, mit dem sie beginnen, ein erstes Kurzergebnis, sodass bei einem erfolgreichen Rechtschreibtest (mit zu wenigen Fehlern für einen Legastheniker) auf weitere Tests und Kosten verzichtet werden kann.
Sollte die Legasthenie positiv getestet worden sein, so entfällt ab diesem Zeitpunkt die Bewertung der Rechtschreibung und das Zeugnis bekommt folgende Zusatzbewertung:
„Aufgrund einer fachärztlich festgestellten Legasthenie wurden (Lese- und) Rechtschreibleistungen nicht bewertet.“
Es steht dem Schüler /Schülerin bzw. den Eltern aber jederzeit frei, die Nichtbewertung wieder aufzuheben. Sollte man nicht wollen, dass im Abiturzeugnis steht, dass man Legastheniker ist, muss man bereits in der Oberstufe auf eine fehlende Bewertung der Rechtschreibung und Leseleistung verzichten. Im G8 also ab der Qualifikationsstufe Q 11.
Um Kindern das Lernen in der Schule - bei all den alltäglichen Schwierigkeiten - zu Erleichtern haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, den Schulalltag mit unseren Trainingsbüchern zu erleichtern.Insbesondere Kindern mit Leistungsstörungen wollen wir die Möglichkeit geben aufgrund des übersichtlichen Aufbaus und den Tests, die denen der Schulen entsprechen, das Lernen zu erleichtern. Die Fächer Deutsch, Aufsatz, Lesen, Mathematik und HSU sind als "ultimatives Probenbuch" erschienen, die Fremdsprachen finden Sie in der "Testflipping" Serie für Englisch, Französisch und Latein.












