openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Kinder mit einer Legasthenie oder Dyskalkulie dürfen in der Schule nicht „aussortiert“ werden!

23.09.201613:08 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung
Bild: Kinder mit einer Legasthenie oder Dyskalkulie dürfen in der Schule nicht „aussortiert“ werden!
Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V.
Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V.

(openPR) Die Deutsche Kinderhilfe hat gemeinsam mit dem Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) zu einer Pressekonferenz eingeladen, um eine Bildungskampagne zur Verbesserung der schulischen Rahmenbedingungen für Kinder mit einer Legasthenie und Dyskalkulie zu starten.



Zum 1. Mal wird am 30.9.2016 der Tag der Legasthenie und Dyskalkulie ausgerufen, um deutlich zu machen, dass für die betroffenen Kinder in der Bildung noch viel getan werden muss. Die gemeinsame Kampagne der Deutschen Kinderhilfe und des BVL „Bessere Bildungschancen für Kinder mit Legasthenie und/oder Dyskalkulie!“ soll helfen, die Chancen in unserem Bildungssystem zu verbessern, damit Kinder schulisch unterstützt und nicht „aussortiert“ werden.

Die Podiumsteilnehmenden der Pressekonferenz beleuchteten die aktuellen Problembereiche aus verschiedenen Blickwinkeln, d. h. von der Medizin, über Pädagogik, Politik bis hin zu eigener Betroffenheit. Rainer Becker, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe, sieht aufgrund von fehlenden schulischen Rahmenbedingungen und mangelhafter Umsetzung des Rechts auf inklusive Bildung die Bildungschancen von Kindern mit Legasthenie und Dyskalkulie noch immer erheblich beeinträchtigt. „Obwohl jedes unserer Kinder schon allein aus ethischen Gründen mit einbezogen werden müsste und wir darüber hinaus ihr Potential auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht verschenken dürften, wird in unserem Bildungssystem, trotz erklärter Inklusionsabsichten, überwiegend immer noch Exklusion – also Ausschluss – praktiziert“, sagt Rainer Becker.

Herr Prof. Michael von Aster, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der DRK Kliniken in Berlin, machte in seinem Eingangsstatement deutlich, dass Kinder, deren Legasthenie oder Dyskalkulie zu spät erkannt wird, häufig an psychosomatischen Folgeerkrankungen leiden. „Frühes Erkennen, sorgfältiges Diagnostizieren und individualisiertes und schulnahes Fördern hilft chronisches Schulscheitern zu verhindern und damit die Chancen für eine gelingende Bildungs- und Persönlichkeitsentwicklung zu verbessern“, sagt Prof. von Aster.

Ministerpräsident Bodo Ramelow pflichtete dem bei und sagte: „Ganz wichtig ist dabei – das weiß ich aus eigenem Erleben –, die Diagnose so früh wie möglich zu stellen. Denn es ist bitter, wenn man Legastheniker ist, dies aber nicht weiß und man das lange Zeit als Dummheit ausgelegt bekommt. Aber – das kann ich rückblickend auch sagen – es hat mich stark gemacht, weil ich meinen Weg gehen musste mit diesem Stigma.“ Das sah auch Knut Janßen, Vater von zwei betroffenen Kindern, so. „Könnten wir die Zeit zurückdrehen, so wäre es unser größter Wunsch, dass die Legasthenie früher erkannt wird. Es tut weh zu erleben, wie ein Kind an den Unterricht angepasst werden soll, wo doch eigentlich der Unterricht an das Kind angepasst werden muss“, sagt Janßen. Eltern fühlen sich bis heute allein gelassen. Das, was Schule nicht leisten kann, muss außerschulisch nachgeholt werden, sofern Eltern dazu überhaupt fachlich bzw. finanziell in der Lage sind. Kinder aus bildungsfernen Haushalten trifft es besonders hart und sie erreichen oftmals keinen Schulabschluss.

Ministerpräsident Bodo Ramelow betonte die Wichtigkeit, für jedes Kind die passende Förderung zu finden, denn Lernschwierigkeiten wie Legasthenie und Dyskalkulie kommen in unterschiedlichen Ausprägungen vor, und diese gilt es zu berücksichtigen. So ist ein gemeinsam mit den Lehrern, Eltern und gegebenenfalls der Jugendhilfe erarbeiteter individueller Förderplan ein geeignetes Instrument, um Schülerinnen und Schüler zu unterstützen. „Dabei können auch der Einsatz technischer Hilfsmittel, das Erbringen von Leistungsnachweisen in mündlicher statt schriftlicher Form oder der zeitlich begrenzte Verzicht auf Noten Maßnahmen zur Herstellung von Chancengleichheit beziehungsweise zur Förderung sein“, sagt Bodo Ramelow.

Politisch bekommt die Situation für Familien eine ganz besondere Bedeutung. Die schulrechtlichen Regelungen sind in jedem Bundesland anders gestaltet und die Bildungsperspektiven in Folge dessen sehr unterschiedlich. „Das führt sogar soweit, dass es z. B. für die Dyskalkulie in sieben Bundesländern noch gar keine Regelung gibt. Familien müssten eigentlich bei der Arbeits- und Wohnortsuche darauf achten, in welches Bundesland sie mit ihrem Kind ziehen, um es schulisch abzusichern“, beklagt Tanja Scherle vom BVL-Vorstand.

Wünschenswert wäre, dass in den Schulen flächendeckend qualifiziert gefördert wird, damit alle Kinder schnelle und direkte Unterstützung bekommen. „Alle Schülerinnen und Schüler brauchen eine individuelle Förderung durch qualifizierte Pädagogen oder Therapeuten sowie einen Nachteilsausgleich und Notenschutz bis zum Schulabschluss, um einen begabungsgerechten Schulabschluss zu erreichen“, fordert Tanja Scherle vom BVL-Vorstand. Als Pädagogin sieht sie auch eine besondere Herausforderung in der Qualifizierung von Pädagogen. Eine flächendeckende Weiterbildung findet bis heute nicht statt. Prinzipiell muss beim Lehramtsstudium kein Kurs zu den Teilleistungsschwächen Legasthenie und Dyskalkulie belegt werden. Dies bedeutet, dass durchaus nicht jede Lehrkraft über die Ursachen, Auswirkungen und notwendigen Unterstützungsmaßnahmen informiert ist und so, trotz großem persönlichen Engagements, nicht nachhaltig fördern kann.

Weitere Informationen zum Thema Legasthenie und Dyskalkulie sind im Internet unter http://www.bvl-legasthenie.de abrufbar.

Verwendung honorarfrei, Beleghinweis erbeten
745 Wörter, 5.663 Zeichen mit Leerzeichen

Weiteres Pressematerial zu dieser Pressemitteilung:

Sie können im Online-Pressefach schnell und einfach weiteres Bild- und Textmaterial sowie die Pressemappe zur Pressekonferenz zur kostenfreien Verwendung downloaden:

http://www.pr4you.de/pressefaecher/bvl

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 919829
 1705

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Kinder mit einer Legasthenie oder Dyskalkulie dürfen in der Schule nicht „aussortiert“ werden!“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V.

Bild: Schulen als Vorreiter für innovative Förderkonzepte bei Legasthenie und Dyskalkulie prämiertBild: Schulen als Vorreiter für innovative Förderkonzepte bei Legasthenie und Dyskalkulie prämiert
Schulen als Vorreiter für innovative Förderkonzepte bei Legasthenie und Dyskalkulie prämiert
Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. (BVL) hat gemeinsam mit der Deutschen Kinderhilfe am 27.02.2020 drei Schulen für ihr großes Engagement und ihre hohe Wertschätzung gegenüber Kindern mit Legasthenie und Dyskalkulie ausgezeichnet. Am 27. Februar 2020 wurden in Berlin drei Schulen prämiert, die sich in ganz besonderer Weise für die Förderung und Unterstützung von Kindern mit einer Legasthenie und/oder Dyskalkulie einsetzen. „Wir sind sehr beeindruckt von den Bewerbungen der Schulen, die zeigen, dass es auch in Zeiten des Lehrk…
Bild: PISA-Studie spiegelt wider, was Schülerinnen und Schüler mit Legasthenie und Dyskalkulie in Schulen erlebenBild: PISA-Studie spiegelt wider, was Schülerinnen und Schüler mit Legasthenie und Dyskalkulie in Schulen erleben
PISA-Studie spiegelt wider, was Schülerinnen und Schüler mit Legasthenie und Dyskalkulie in Schulen erleben
Der BVL (Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V.) sieht in den Ergebnissen der neuen PISA-Studie bestätigt, dass die fehlende individuelle Förderung in Schulen einen deutlichen Rückgang der Lese-/Rechtschreib- und Rechenkompetenz nach sich zieht. Der BVL (Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V.) hat am 30.09.2019, dem Tag der Legasthenie und Dyskalkulie, erneut darauf aufmerksam gemacht, dass Kinder in den Schulen individuell gefördert werden müssen. Der Lehrkräftemangel dürfe nicht dazu führen, dass Schulen ihren Bildungsauftr…

Das könnte Sie auch interessieren:

Neue KMK-Empfehlung – Diskriminierung von Legasthenikern und Dyskalkulikern
Neue KMK-Empfehlung – Diskriminierung von Legasthenikern und Dyskalkulikern
… dass die bestehenden schulrechtlichen Regelungen für Legastheniker verfassungswidrig sind. Die Neufassung hat katastrophale Folgen für Schülerinnen und Schüler, die von einer Legasthenie (Lese-/Rechtschreibstörung) oder von einer Dyskalkulie (Rechenstörung) betroffen sind, da sie massiv in ihren Rechten, abgeleitet aus dem Grundgesetz, beschnitten werden. …
Bild: „Jugend stärken“ bei Legasthenie und DyskalkulieBild: „Jugend stärken“ bei Legasthenie und Dyskalkulie
„Jugend stärken“ bei Legasthenie und Dyskalkulie
Der BVL, Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie, begrüßt die bundesweite Initiative „JUGEND STÄRKEN“ der Bundesfamilienministerin und hofft, dass Jugendliche mit einer Legasthenie oder Dyskalkulie zukünftig an ihren Stärken gemessen werden. „Wir müssen vor allem diejenigen erreichen, die in ihrem jungen Leben bereits wichtige Chancen verpasst und …
Kompetenzrangelei zwischen Schule und Jugendamt wird auf dem Rücken der Schüler ausgetragen
Kompetenzrangelei zwischen Schule und Jugendamt wird auf dem Rücken der Schüler ausgetragen
Das aktuelle Urteil vom VG Darmstadt lässt Jugendämter aufatmen. Sie sind angeblich nicht für die Förderung von Schülern mit einer Legasthenie (Lese-/ Rechtschreibstörung) verantwortlich. Die Schulverwaltung sei hier in die Pflicht zu nehmen. Bei dem Jungen war eine Legasthenie und eine weitere emotionale Störung des Kindesalters diagnostiziert worden. …
Bild: Sitzenbleiben ist bei einer Legasthenie oder Dyskalkulie keine LösungBild: Sitzenbleiben ist bei einer Legasthenie oder Dyskalkulie keine Lösung
Sitzenbleiben ist bei einer Legasthenie oder Dyskalkulie keine Lösung
Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) empfiehlt Eltern und Pädagogen, Kinder mit einer Legasthenie und Dyskalkulie nicht zusätzlich durch ein Sitzenbleiben seelisch zu belasten. Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V. (BVL) erhält aktuell viele Anfragen von Eltern, die sich Rat holen, weil ihre Kinder wegen einer Legasthenie …
Bild: Was hilft bei Legasthenie?Bild: Was hilft bei Legasthenie?
Was hilft bei Legasthenie?
Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) zeigt dazu auf seinem 18. Bundeskongress vom 9. - 11. Mai 2014 in Erfurt neue wissenschaftliche Erkenntnisse und praxisnahe Beispiele auf. 5-6% der deutschen Schulkinder leiden an einer Legasthenie, einer Lese- und Rechtschreibstörung. Oft wird diese Störung zu spät erkannt, meist erst dann, wenn die …
Bild: Nicht erkannt - nicht gefördert – kein Schulabschluss!Bild: Nicht erkannt - nicht gefördert – kein Schulabschluss!
Nicht erkannt - nicht gefördert – kein Schulabschluss!
Die Deutsche Kinderhilfe weist gemeinsam mit dem Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) auf einen Missstand in unserem Schulsystem hin, der Kinder mit einer Legasthenie und Dyskalkulie in ihren Bildungschancen deutlich einschränkt und gesellschaftspolitisch untragbar ist. Zum zweiten Mal wird am 30.09.2017 der Tag der Legasthenie und Dyskalkulie …
Bild: 19. BVL-Kongress Legasthenie und Dyskalkulie vom 17. bis 19. März 2017 in WürzburgBild: 19. BVL-Kongress Legasthenie und Dyskalkulie vom 17. bis 19. März 2017 in Würzburg
19. BVL-Kongress Legasthenie und Dyskalkulie vom 17. bis 19. März 2017 in Würzburg
Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) lädt zu seinem 19. BVL-Kongress mit dem Thema „Erkennen, fördern und fordern: Neue Erkenntnisse zur Legasthenie und Dyskalkulie“ nach Würzburg ein. Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V. führt in Kooperation mit der Universität Würzburg vom 17. bis 19. März 2017 den 19. Bundeskongress Legasthenie …
Bild: Bessere Bildungschancen für Kinder mit Legasthenie und DyskalkulieBild: Bessere Bildungschancen für Kinder mit Legasthenie und Dyskalkulie
Bessere Bildungschancen für Kinder mit Legasthenie und Dyskalkulie
Die Deutsche Kinderhilfe ruft gemeinsam mit dem Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) am 30.9. den Tag der Legasthenie und Dyskalkulie aus, um auf die Belange der betroffenen Kinder aufmerksam zu machen. Für viele Kinder mit einer Legasthenie und Dyskalkulie ist die Schulzeit eine besondere Hürde, da sie die täglichen Anforderungen nicht bewältigen. …
Horror „Schulanfang“ - Seelischer Druck führt zum Schulversagen
Horror „Schulanfang“ - Seelischer Druck führt zum Schulversagen
Für Tobias Marten* (9 Jahre) geht die entspannte Ferienzeit viel zu schnell zu Ende. Er kommt in die 4. Klasse und möchte Tierarzt werden. Seine Legasthenie (Lese-/Rechtschreibstörung) macht den Schulbesuch fast zur Hölle. „Morgens ist mir immer ganz übel und ich habe Bauchschmerzen, wenn ich zur Schule muss. Ich habe das Gefühl, ich schaffe das alles …
Bild: Keine Lehrer, keine Förderung, keine BildungsperspektivenBild: Keine Lehrer, keine Förderung, keine Bildungsperspektiven
Keine Lehrer, keine Förderung, keine Bildungsperspektiven
Die Deutsche Kinderhilfe fordert gemeinsam mit dem Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) einen Richtungswechsel in der Bildungspolitik. Förderung und Nachteilsausgleiche müssen trotz des dramatischen Lehrermangels ermöglicht werden. Zum 3. Mal wird am 30.09.2018 der Tag der Legasthenie und Dyskalkulie ausgerufen, um deutlich zu machen, dass …
Sie lesen gerade: Kinder mit einer Legasthenie oder Dyskalkulie dürfen in der Schule nicht „aussortiert“ werden!