(openPR) Die Unterlagen für das Bürgerreferendum zu der Frage, ob Hamburg sich für die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2024 bewerben sollte, sind den Bürgerinnen und Bürgern zugestellt worden. Mit dabei eine Werbebroschüre des Senats, die Emotionen anspricht und den kritischen Geist vernebelt. Die Empfänger müssen jetzt genau nachdenken. Denn sie sind es, die für das Spektakel letztlich zahlen werden. Dabei hilft Information aus anderen Quellen als den Verlautbarungen und Werbeschriften der Protagonisten.
Im Gegensatz zu den Versprechungen des Senats sind die Kosten für das Spektakel nicht im entferntesten sicher kalkulierbar. Erhebliche Steigerungen sind möglich und sind in der Vergangenheit auch eingetreten. Die Lasten, die daraus entstehen, tragen aber nicht die Profiteure der Spiele, allen voran das IOC, auch die Bauwirtschaft sowie das Hotel- und Gaststättengewerbe. Nein, die Lasten trägt die Allgemeinheit, trägt die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger, die nichts von den "Spielen" haben, außer noch mehr Autoverkehr, Behinderungen durch allerlei notwendige Sicherheitsvorkehrungen und Vernachlässigung städtischer Aufgaben infolge Geldmangels. Sie wird vor allem „bluten“, wenn das Geld für Kitas, Bildung, soziale Dienste, die Pflege der Grünanlagen und Straßen, den Ordnungsdienst und viele andere Aufgaben im Interesse des Allgemeinwohls fehlt.
Auch die Schuldenbremse hilft da nicht weiter. Im Gegenteil: sie verschiebt sogar die Lasten noch sicherer und nachhaltiger zu denen, die von den Olympischen Spielen nichts hatten, außer jahrelange Behinderung und Belästigung durch Bauvorhaben, gesteigertes Aufkommen von Olympia-Touristen, und fehlendes Geld für die ordnungsgemäße Erledigung der laufenden Aufgaben für die Bürgerinnen und Bürger.
Der Ausbau des Barrierefreien Zugangs zum Öffentlichen Personennahverkehr ist längst im Gange und hat mit den Olympischen Spielen gar nichts zu tun. Er wird über steigende Fahrpreise finanziert. Für den Wohnungsbau sind die Olympischen Spiele ein Tropfen auf den heißten Stein. Er wird nur den Baulöwen die Kasse füllen. Besser wäre es, sich die Olympischen Spiele zu sparen und die vom Senat kalkulierten 1,2 Milliarden Kosten für Hamburg direkt in den Wohnungsbau zu investieren. Dann hätte man auch das Risiko vermieden, daß die Stadt vielleicht auf 2, 3 oder noch mehr Milliarden ungeplanter Kosten sitzen bleibt. Fachleute wissen, daß seriöse Kostenkalkulationen von Großprojekten, bei denen viele mitreden, aber niemand die Verantwortung trägt, immer mit einer erheblichen Unsicherheit behaftet sind. Die Elbphilharmonie, deren Kosten sich verfünffacht haben, sollte zur äußersten Vorsicht mahnen. Auch der Hamburger Landesrechnungshof sieht die Voraussetzungen für eine wirtschaftlich fundierte Entscheidung derzeit noch nicht als gegeben an.
Der „Verein von nebenan“ wird auch nicht von den Olympischen Spielen profitieren. Breitensport wird überall in Hamburg betrieben. Was nützt da eine einzige milliardenteure Anlage auf dem Kleinen Grasbrook? Neue Sportstätten wird es nur im Rahmen der Bauvorhaben für Olympia geben, nicht aber für den TUS Irgendwo. Der verliert allenfalls seine Sportstätte, weil dort Flüchtlinge untergebracht werden. Das viele Geld, das die Zuwanderer kosten, kann Hamburg übrigens auch nicht aus der Portokasse bezahlen. Die Finanzierung ihrer Integration sollte eigentlich Priorität vor einem Sportspektakel genießen.
Die weltweite Ausbreitung islamistischen Terrors gefährdet selbstverständlich auch die Olympischen Spiele und nicht nur die zahlreichen offiziellen Besucher. Die notwendigen Sicherheits- und Abwehrmaßnahmen werden zwangsläufig mit erheblichen Einschränkungen für die Bevölkerung verbunden sein. Wirksamer Schutz ist letztlich nicht möglich, nicht einmal, wenn Heerscharen von Polizei und Geheimdienstlern aus ganz Deutschland die Öffentlichen Verkehrsmittel überwachen sollten. Wir sollten uns das nicht antun.
Beim genauen Hinsehen ist die Propagierung des Olympia-Spektakels durch die Hamburger Regierung und die Wirtschaftslobby nur ein Anwendungsbeispiel für das Prinzip: Eigennutz geht vor Gemeinnutz.
Olympische Spiele sind ein Geschäft für wenige und ein Spektakel für schlecht Informierte und Gleichgültige, nichts weiter. Das IOC und andere Profiteure streichen satte Gewinne ein und Hamburg, d.h. die Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger, kommt für die Verluste auf. Nicht Sportler wie Du und ich, sondern – nicht selten mit zweifelhaften Mitteln – hochgezüchtete Sportmaschinen kämpfen um Ruhm und Geld. Profit für wenige auf Kosten und zu Lasten der Mehrheit. Da zeigt wieder die zur Lobbydemokratur entartete Demokratie ihre häßliche Fratze. Es wird Zeit, dieser Verirrung ein Ende zu machen.
Prof. Querulix beobachtet und kommentiert seit über 25 Jahren das fragwürdige Treiben des Menschentiers. Seine zeitlos-zeitkritischen Beobachtungen und Kommentare erscheinen gesammelt in einer eBook-Reihe, die bisher fünf Bände umfaßt. Ein sechster Band wird derzeit vorbereitet. Alle eBände im Umfang zwischen ca. 180 und 220 Seiten kosten je 9,95 Euro und sind beim eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital sowie in allen gut sortierten (Internet-)Buchhandlungen erhältlich.
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