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Mahnmal der "als Zigeuner verfolgten" in Berlin

15.05.200610:18 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
Bild: Mahnmal der "als Zigeuner verfolgten" in Berlin

(openPR) OFFIZIELLE PRESSE-ERKLÄRUNG
des
JENISCHEN BUNDES IN DEUTSCHLAND
und der
UNION der JENISCHEN MINDERHEIT in EUROPA


Donnerstag, 11. Mai 2006
Vorsitzender des BR des JBiD
EUROPARAT der UJME
Bundes-Sekretariat des JBiD - Obrigheim/Neckar



Das geplante Mahnmal in Berlin zum Gedenken an die „als Zigeuner verfolgten“ des NS-Regimes! Hier: Beschwerde und Eingabe des ebenso als solches verfolgten JENISCHEN Volkes!

Sehr geehrte Damen & Herren,

Obwohl im Nationalsozialismus Publikationen und Schriftreihen des Reichsgesundheitsamtes und der „Rassentheoretiker“ Robert Ritter und Eva Justin die Jenischen als mit den Roma und Sinti ethnisch nicht verwandte Gruppe darstellten, wurden die jenischen Menschen als so genannte „Zigeunermischlinge„ oder „Asoziale“ ( Hr. Dr. Rein`s Soziale Hilfeleistung!?) verfolgt, zu Hunderttausenden (!) in Konzentrationslager deportiert und Europaweit mehr als 200 000 Jenische nicht wegen der angeblichen Verbrechen, die Sie begangen haben sollten, sondern wegen Ihrer Herkunft als „Zigeuner“, ermordet. Da diese Deportationen vielfach unter dem Vorwand eines angeblichen Verbrechens ausgeführt und deklariert wurden, hatten viele der Jenischen Opfer oder deren Hinterblieben keine Aussichten vom Nachfolgestaat dieses Regimes für die begangenen Gräuel auch eine Entschädigung, wie die anderen Opfer dieser Mörder zu erhalten.

Im Weltbild der Nationalsozialisten widersprachen „Mischlinge“ noch stärker der Vorstellung einer „reinen Rasse“ als die von ihnen zu „minderwertigen“, aber “reinrassigen“ Menschen erklärten Personen, weshalb sie jenische Menschen meist noch schlechter behandelten als Sinti und Roma.

Die im Jahr 2004 angenommene Dissertation über „Die Verfolgung der sozio-linguistischen Gruppe der Jenischen … 1934 – 1944“ stellte die erste wissenschaftliche Aufarbeitung dar, die im Rahmen einer deutschen Universität die Verfolgung der Jenischen während des Nationalsozialismus dokumentiert!

Hier wären wir damit bei der nächsten Beleidigung und unserem Empfinden nach, sogar der nachträglichen Verhöhnung der Opfer unseres Volkes während dieser Zeit angelangt!:

Das Mahnmal für die Opfer unter den ROMA (!?) während dieser Zeit in Berlin. Aus Respekt vor den Opfern des Jenischen Volkes und Angesichts der Tatsache, dass die Jenischen als „Zigeunermischlinge“ explizite Opfer des Dritten Reiches, insbesondere im deutschsprachigen Raume, waren und nach dem Krieg bis heute nicht öffentlich als eigenständiges Volk wahrgenommen werden, ist es eine Farce das sich die Jenischen bislang der Teilnahme an dieser Debatte enthalten mussten, denn eine Teilnahme an der Diskussion um das „Zigeuner-Mahnmal“ wurde Ihnen zu keinem (!) Zeitpunkt ermöglicht. Dem Wort „Roma“ werden auf internationaler Ebene zwei Bedeutungen zugerechnet. Einerseits kann das Wort für das eigentliche Volk der Roma stehen. Andererseits verwenden internationale Organisationen der Roma und auch die UNO das Wort „Roma“ als soziologischen Sammelbegriff aller Gruppierungen. Ausdrücklich anerkannte der Welt-Roma-Kongress 1979 in Genf die Jenischen auf Grund gemeinschaftlicher Lebensweisen und Traditionen trotz ethnischer Verschiedenheit als eigenständiges (!) Volk der Roma an, wobei das Jenische Volk selbst hier wieder einmal kein Mitspracherecht hatte!

Dies ist so einfach nicht legitim, denn wir sind nun mal Jenische, und wir wollen das auch bleiben! Die in Deutschland zum Standardbegriff erhobene Wortgruppe „Sinti und Roma“ definiert eine Klammer um zwei abgegrenzte, klar definierte Volksgruppen, grenzt sich vom internationalen Roma-Begriff ab und schließt hiermit auch die Jenischen aus. In der Schweiz und in Österreich ist mittlerweile die staatlich anerkannte und politisch korrekte Bezeichnung zu „ Sinti, Roma & Jenische“ geändert worden! Ein Mahnmal, das allen „als Zigeuner“ verfolgten Menschen gerecht werden soll, darf die den „Sinti und Roma“ nicht verwandten Jenischen nicht ausschließen. Da die ethnisch verwandten Gruppen der Roma und Sinti einerseits und die Jenischen andererseits jeweils nur für sich selbst sprechen können, bleibt die Verantwortung eines allen Opfern gerecht werdenden Textes beim Erbauer des Mahnmals. Es kann weder die Aufgabe selbsternannter Zigeuner-Wissenschaftler noch einzelner Exponenten der Volksgruppen sein, den Mahnmal-Text alleine zu formulieren.

Der heutige Staat trägt die Last der Verantwortung seiner Vorgänger gegenüber allen (!) Opfern und Hinterbliebenen der nationalsozialistischen Gräuel.

Wir, das in Deutschland immer noch (!) unterdrückte „Zigeunervolk“, die JENISCHEN fordern deshalb:

• Auch unsere (!) Beteiligung, oder zumindest die Berücksichtigung des Jenischen Volkes bei der Inschrift auf diesem ja angeblich allen Opfern unter den „Zigeunern“ gewidmeten Mahnmals!

• Ein Vorschlag zur Güte wäre hier doch der für alle annehmbare Begriff: „Sinti, Roma und Jenische“ zu verwenden, somit wäre auch wirklich allen (!) Opfern die nötige Anerkennung zu Teil geworden!

• Die Gleichstellung der Jenischen mit den anderen „Roma“, oder besser den anderen sog. „Zigeunervölkern“, die man in Deutschland trotz der Tatsache das es weit mehr (!) Jenische als Sinti oder Roma in der BRD gibt, bereits vor Jahren anerkannt hat!

• Wir fordern weiterhin zu den bereits in diesem Schreiben genannten Forderungen vehement unsere Anerkennung als „nationale Minderheit“ in der BRD!

• Die Förderung und den Schutz unserer Kultur, wobei uns das Recht auf „unsere“ Art der Weitergabe unserer Sprache an unsere Nachfahren auch nicht durch eine „Sprachencharta“ genommen werden sollte!



Wir bitten hier um die Unterstützung aller Völker gegenüber dem Jenischen Volk, denn so kann und darf (!) in einem Deutschland des 21. Jahrhunderts, das sich „Demokratisch“ & „Rechstaatlich“ nennt, nicht mehr weiter verfahren werden! Ebenso verstößt dies gegen jedes Internationale, und auch von der BRD anerkannte und unterzeichnete Menschen & Völkerrecht und ist schlichtweg eine Schande für unsere „Moderne“ und angeblich doch so weltoffene Gesellschaft, mit der man ja auch ganz aktuell bei der bevorstehenden Fußball-WM in Deutschland wirbt.

Wir hoffen vor allem darum das dem JENISCHEN Volk in Deutschland, das sich ja bei jeder Gelegenheit als der Vorreiter der Rechtstaatlichkeit in Europa ausgibt, auch endlich die Gerechtigkeit widerfährt, die den anderen Opfern der NAZI`s in Deutschland schon lange widerfahren ist.
Im Namen des Bundesrats des JBiD e.V,
des Europarats der UJME,
der Hinterblieben der Opfer und dem ganzen jenischen Volk,



Timo A. Wagner
Generalsekretär & Vorsitzender des BR des JBiD i.Gr.
Stimmberechtigtes Mitglied des EUROPA-RATS der UJME

JENISCHER BUND IN DEUTSCHLAND e.V.

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