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Wessen Mahnmal?

31.03.200512:35 UhrVereine & Verbände
Bild: Wessen Mahnmal?
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Verein "schäft qwant" www.jenisch.info

(openPR) Jenische Stellungnahme zur Debatte um ein Mahnmal für Sinti, Roma oder Zigeuner in Berlin

Aus Respekt vor den Opfern und in der Hoffnung, dass die bisher an der Debatte um das „Zigeuner-Mahnmal“ Beteiligten würdevoll zu einer Lösung finden, haben sich die Jenischen bislang der Teilnahme an diesem Disput enthalten.



Obwohl auch im Nationalsozialismus Publikationen und Schriftreihen des Reichsgesundheitsamtes und der „Rassentheoretiker“ Robert Ritter und Eva Justin die Jenischen als mit den Roma und Sinti ethnisch nicht verwandte Gruppe darstellen, wurden die jenischen Menschen als so genannte „Zigeunermischlinge“ oder „Asoziale“ verfolgt, in Konzentrationslager deportiert und vielfach ermordet. Im Weltbild der Nazis widersprachen „Mischlinge“ noch stärker der Vorstellung einer „reinen Rasse“ als die von ihnen zu „minderwertigen“, aber „reinrassigen“ Menschen erklärten Sinti und Roma.

Dem Wort „Roma“ werden auf internationaler Ebene zwei Bedeutungen zugerechnet. Einerseits kann das Wort für das eigentliche Volk der Roma stehen. Andererseits verwenden internationale Organisationen der Roma und auch die UNO das Wort „Roma“ als soziologischen Sammelbegriff aller Gruppierungen. Ausdrücklich anerkannte der Welt-Roma-Kongress 1979 in Genf die Jenischen auf Grund gemeinschaftlicher Lebensweisen und Traditionen trotz ethnischer Verschiedenheit als Volk der Roma an. Die in Deutschland zum Standardbegriff erhobene Wortgruppe „Sinti und Roma“ definiert eine Klammer um zwei abgegrenzte, klar definierte Volksgruppen, grenzt sich vom internationalen Roma-Begriff ab und schließt hiermit auch die Jenischen aus. In der Schweiz und in Österreich ist mittlerweile die staatlich anerkannte und politisch korrekte Bezeichnung zu „Roma, Sinti und Jenische“ erweitert worden.

Angesichts der Tatsache, dass die Jenischen als „Zigeunermischlinge“ explizite Opfer des Dritten Reiches, insbesondere im deutschsprachigen Raume, waren und nach dem Krieg bis heute nicht öffentlich als eigenständiges Volk wahrgenommen werden, können wir uns der Debatte nicht länger enthalten.

Ein Mahnmal, das allen „als Zigeuner“ verfolgten Menschen gerecht werden soll, darf die den „Sinti und Roma“ nicht verwandten Jenischen nicht ausschließen. Da die ethnisch verwandten Gruppen der Roma und Sinti einerseits und die Jenischen andererseits jeweils nur für sich selbst sprechen können, bleibt die Verantwortung eines allen Opfern gerecht werdenden Textes beim Erbauer des Mahnmals. Es kann weder die Aufgabe selbsternannter Zigeuner-Wissenschaftler noch einzelner Exponenten der Volksgruppen sein, den Mahnmal-Text alleine zu formulieren. Der heutige Staat trägt die Last der Verantwortung seiner Vorgänger gegenüber allen Opfern und Hinterbliebenen der nationalsozialistischen Gräuel.

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