(openPR) Bankster und Spekulanten wirbeln das Börsengeschehen kräftig durcheinander. Ein Paradies für Zocker – jedenfalls für diejenigen, die ein glückliches Händchen haben oder über Insiderinformationen verfügen. Aber auch ein Spiel mit dem Feuer.
Bedenkt man allein die Menge der Derivate, die Banken in die Welt gesetzt haben, Optionen mit so komplexen Bestimmungen, daß sie nur noch von Eingeweihten und Mathematikern begriffen werden, nichts weiter als Spielgeld, das dessen Wert sich unaufhörlich verändert und mit dem sicherlich einige – vor allem die Emittenden – reich werden, aber wohl die meisten eher arm. Warren Buffett soll diese „Spielbanken-Chips“ der Investmentbankster einmal die Massenvernichtungswaffe der Investmentindustrie genannt haben.
Weil wenige Großbanken das Derivategeschäft kontrollieren, besteht ein systemisches Risiko, wenn diese fallieren. Und das ist keineswegs unwahrscheinlich. Der Handel mit Derivaten, die eigentlich als Absicherung für Investoren gedacht waren, scheint inzwischen vollkommen außer Kontrolle geraten zu sein. Der Umfang des Derivatemarktes soll nach einer Statistik der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich 638 Billionen US-Dollar betragen. Das wäre rund das zehnfache Bruttoinlandsprodukt sämtlicher Staaten der Welt.
Welche Gefahr von Derivaten ausgeht, zeigt die Collateral Transformation genannte Spielart, die schon mit der Verbriefung von Subprime-Hypotheken durch amerikanische Banken verglichen wurde. In der Anleihen-Version borgen us-amerikanische Banken Zockern erstklassige Anleihen und nehmen dafür als Pfand Papiere mit deutlich schlechterer Qualität entgegen. Dafür kassieren sie hohe Entgelte. Wird ein Spekulant insolvent, bleibt die Bank auf den von ihm verpfändeten Wertpapieren – mit einiger Wahrscheinlichkeit Staatsanleihen europäischer Krisenländer, Anleihen von Unternehmen mit schlechter Bonität oder notleidende Immobilienkredite.
Man muß davon ausgehen, daß die Banken inzwischen das größte Risiko für die Weltwirtschaft und damit für den Wohlstand der Menschen darstellen. Offensichtlich stehen die Politiker dem Problem machtlos gegenüber bzw. haben gewichtige Gründe, ihre gesetzgeberische Macht nicht zur Problemlösung anzuwenden. So ist auch zu erklären, daß das ganze Finanzsystem inzwischen vollkommen abhängig ist von der ständigen Zufuhr frischen billigen (= real kostenlosen) Geldes aus der Notenpresse. Das sogenannte Quantitative Easing kann nur noch um den Preis des Zusammenbruchs des Finanzsystems gestoppt werden.
Betrachtet man die in den letzten Jahren exponentiell steigenden Schulden der der Vereinigten Staaten – inzwischen sind rund 18 Billionen US-Dollar erreicht – fragt man sich: Was ist der US-Dollar, was sind US-Dollar-Anleihen wirklich noch wert? In vielen anderen Staaten sieht es nicht besser aus. Griechenland ist pleite und wird den Völkern in anderen Ländern vor Augen führen, was ihnen bevorsteht, wenn das Weltfinanzsystem kollabiert.
Die mit dem billigen Geld aufgepumpten Spekulationsblasen am Anleihen- und Aktienmarkt sowie bei Immobilien in Ballungsräumen zeigen bereits erste Risse. Es ist jetzt nur noch eine Frage der Zeit, bis zum großen Crash. Daß die Spekulanten eine durch den Zusammenbruch des Finanzsystems ausgelöste große Weltwirtschaftskrise für möglich halten, zeigen die stark fallenden Kurse der Rohstoffe. Daß auch Edelmetalle derzeit zu Spottpreisen zu haben sind, scheint nur auf den ersten Blick anomal. Wer weiß, daß Börsenkurse nicht nur Stimmungen, sondern auch Absichten der Marktteilnehmer widerspiegeln, ist darüber nicht erstaunt.
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