(openPR) Zwei Menschen können meistens mehr als einer, wenn es um körperliche Arbeit geht, 10 noch viel mehr. Sitzen diese zehn aber in einer Konferenz und sollen sie kreativ arbeiten oder Probleme lösen, sieht es anders aus. Da mögen sie noch so wissend und noch zu intelligent sein. Ihre Geisteskräfte vervielfachen sich in der Regel nicht, sondern hindern und schwächen sich gegenseitig. Dies umso mehr, als Gefühle, Glaubessätze und die Rudeltierinstinkte die Oberhand über das Denken gewinnen.
Arbeitsteilige Administration und Produktion verlangen konstruktive Kommunikation der Beteiligten. Komplexe Systeme und Prozesse müssen eingerichtet, beherrscht und gesteuert werden. Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigen die Elbphilharmonie in Hamburg, Stuttgart 21 und der Berliner Großflughafen, um nur diese drei spektakulären Negativ-Beispiele zu nennen. Sind die Beteiligten solcher Projekte zu dumm? Als Individuen sicherlich nicht. Als Gruppe verlieren sie allerdings – nicht selten gewaltig, wie die Beispiele zeigen.
Der Italiener Cesare Lombroso äußerte schon im 19. Jahrhundert seine diesbezügliche Erfahrung: „In einer vielköpfigen Körperschaft, auch wenn sie eine Elite darstellt, werden die Ergebnisse nicht durch Addition, sondern durch Subtraktion der vorhandenen Gedanken erreicht.“ Damit hat er eine Erkenntnis vorweggenommen, die weltweit heute schätzungsweise täglich mehrere Milliarden Euro und hunderte Menschenleben kostet, und die unnötiges Leid und Elend verursacht oder verlängert.
Die Politik ist das Paradebeispiel für kostspieliges und nutzloses Palaver. Die Worte Lombrosos lassen unwillkürlich an „den kleinsten gemeinsamen Nenner“ denken, den politische Palaver im besten Fall hervorbringen. Zum Glück für die Akteure zahlen andere, die Völker, die Zeche für nutzlose Redeschlachten. Die Veranstalter des Palavers werden dafür sogar noch sehr gut entlohnt. Zusätzlich erhalten sie üppige Pensionen, wenn sie einige Jahre durchhalten. Auch können sie sich bestens für sogenannte Nebentätigkeiten empfehlen. Die hypertrophieren nicht selten zu Haupttätigkeiten und schließlich zur inner- und/oder außerparlamentarischen Lobbyistentätigkeit, die dann richtig gut bezahlt wird.
Der Parlamentarismus ist längst zum Palaverismus degeneriert, der sich für die Veranstalter auf jeden Fall lohnt, die übrige Bevölkerung aber mehr belastet als ihr aufzuhelfen. Den Debatten zuzuhören, erweist sich meist als Zeitverschwendung. Außer, es geht einmal lustig zu. Das sehen die Damen und Herren Abgeordneten übrigens genauso. Deshalb ist der Plenarsaal meistens gut mit leeren Plätzen gefüllt.
Hinter verschlossenen Türen wird aber durchaus fleißig gearbeitet. Da wird in kleinsten Gruppen, oft nur zu zweit, ein Gesprächsergebnis ausgekungelt. Das funktioniert besser als im Plenum, weil Komplexität reduziert, persönliche Kompatibilitäten genutzt und persönliche Inkompatibilitäten ausgeschlossen werden können. Dem staunenden Volk wird dann als der Weisheit letzter Schluß der – oft faule – Kompromiß präsentiert, das, was die Politiker-Lobbyisten ihrer Klientel schuldig sind und allen anderen potentiellen Wählern glauben, noch zumuten zu können. Aus solchen Kommunikationsprozessen kommen dann Dinge heraus wie beispielsweise das „Herdprämie“ genannte Betreuungsgeld, mit dem die Integration und Bildungschancen von Migrantenkindern oder -enkeln unter Milliardenaufwand erfolgreich verhindert werden. Auch die abschlagsfreie Rente mit 63 ist angesichts des Fachkräftemangels, der absehbaren künftigen Unterfinanzierung der Rentenkassen und jetzt schon vielen Renten auf Hartz-IV-Niveau ein wahres Geniestück.
Leider genügt das Wenige, das der Palaverismus an Ergenissen absondert, der sprichwörtliche kleinste gemeinsame Nenner, nicht, um Völker und Staaten in eine gute und sichere Zukunft zu führen. Denken wir nur an die längst überfälligen Reformen und Investitionen in die Zukunft unseres Landes: für Bildung, sichere und bezahlbare Energie aus regenerativen Quellen, Verkehrsinfrastruktur, Öffentliche Ordnung, auskömmliche Renten, Erderwärmung . . . und denken wir an die Banken- und Staatschuldenkrise, deren autonome „Lösung“ uns möglichweise bald vor Probleme stellen wird, an die heute noch kaum jemand denkt, die aber Herrn Draghi vielleicht schon schlaflose Nächte bereiten.
„Viele Konferenzen dienen nur dazu, Ergebnisse so geschickt zu verhindern, daß die anderen schuld sind“, weiß Prof. Querulix. Das gilt zwar vor allem für die Politik, ist aber überall dort anzutreffen, wo divergierende sachfremde Befindlichkeiten und Interessen der Beteiligten die Gespräche beeinflussen. In diesen Fällen sind geschickte Gesprächsführer gefragt, die imstande sind, alle Beteiligten auf gemeinsame Ziele einzuschwören und zur vorbehaltlosen Mitwirkung bei der Zielerreichung zu motivieren. Solche Gesprächsführer/innen brauchen Autorität, müssen aber zugleich offen sein für die Expertise ihrer Gesprächspartner, wenn sie in der Sache optimale Gesprächsergebnisse anstreben.
Auch in Unternehmen grassiert der Palaverismus. Nur mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner tun sich Unternehmen schwerer als politische Gremien. Echte Problemlösungen sind in Unternehmen nämlich in den meisten Fällen unverzichtbar, Placebos genügen nicht. Unbequeme Lösungen können oft nicht einmal auf die lange Bank geschoben werden. Das kostet die Beteiligten Nerven und Lebensqualität.
Deshalb sagen sie ineffektiven und ineffizienten Gruppengesprächen den Kampf an – und scheitern oft schon an den schlechten Vorbildern ihrer Vorgesetzten. Schlechte Vorbilder verwandeln die betriebliche Gesprächskultur in eine toxische Umwelt für konstruktive, effektive und effiziente Gruppengespräche. Als einzelner, vielleicht auch noch durch schwache persönliche oder fachliche Autorität behindert, kämpft einer da auf verlorenem Posten. Da blüht und gedeiht dann der Palaverismus so gut wie in der Politik – und kostet Geld, viel Geld, und stiehlt die Zeit, die sowieso immer zu knapp ist, und verscheucht schließlich immer erfolgreicher auch die Arbeitslust.
Geheimwaffen gegen den Palaverismus gibt es nicht. Auch das eBook „Besprechungen effizient und effektiv vorbereiten und durchführen - Ihr praktischer Assistent und Soforthelfer für produktive Gruppengespräche“ aus dem eVerlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital kann in toxischer Umwelt zur Verbesserung des Verlaufs und der Ergebnisse von Gruppengesprächen nicht viel beitragen. Das können letztlich nur die beteiligten Menschen.
Nur wenn – beginnend in der Chefetage – die Führungskräfte fest entschlossen sind, ihre Konferenzen, Besprechungen, Meetings oder wie sie ihre Gruppengespräche auch nennen mögen effizienter und effektiver durchzuführen, haben sie eine Chance auf effektive und effiziente Gruppengespräche. Wenn sie dann auch noch bereit sind, die dazu notwendigen Techniken und das erforderliche Verhalten systematisch einzuüben, dann können sie sich künftig viel Zeit, Geld und Frust ersparen und tatsächlich in kürzerer Zeit bessere Gesprächsergebnisse erreichen.
Der genannte Assistent und Soforthelfer „Besprechungen effizient und effektiv vorbereiten und durchführen“ ist als eBook (PDF), ISBN 978-3-943788-09-9, 161 S., für 19,95 Euro und als Druckausgabe unter dem Titel „Verschwenden Sie keine Zeit mit Besprechungen“, ISBN 3-89811-052-4, 160 S., für 24,95 Euro einschließlich Versandkosten direkt beim Verlag READ – Rüdenauer Edition Autor Digital erhältlich.
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