(openPR) Beschäftigte und Ausbildende Migrantenunternehmen treffen häufig auf eine gewisse Skepsis. Dabei ist über Arbeitsschutz- und Ausbildungsorganisationsbedingungen des Lernortes „Migrantenbetrieb“ bisher wenig bekannt.
Wo über Berufsbildung und Migration diskutiert wird, ist meist von ungleichen Chancen der Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund die Rede (z. B. Boos-Nünning/Granato 2008, Beicht 2012). Doch ethnische Ungleichheiten existieren nicht nur bei Bildungsnachfragern, sondern auch bei Anbietern betrieblicher Bildung. Die von Migranten geführten Unternehmen verfügen erstens über ungünstigere Voraussetzungen, um sich am dualen Berufsausbildungssystem zu beteiligen, und erfahren zweitens im Wettbewerb um geeignete Auszubildende strukturelle Nachteile (Leicht/Werner 2012). Dabei wächst die Zahl an Migrantenunternehmen mit großen Sprüngen und es sind überproportional häufig diese Unternehmen, die benachteiligten Jugendlichen – darunter vor allem bildungsferne Gruppen und Migranten – einen Ausbildungsplatz bieten (Leicht u. a. 2012, Neisen/Larsen 2012).
Migrantenunternehmen haben mittlerweile mindestens 2,2 Millionen Beschäftigte und stellen damit 18 Prozent aller Arbeitsplätze in inhabergeführten mittelständischen Unternehmen.
Diese Entwicklung wirft verschiedentlich die Frage nach der Qualität migrantischer Lernorte (Arbeitsstätten) auf. In welchem wirtschaftlichen Umfeld lernen die Auszubildenden in Migrantenunternehmen? Welches soziale Profil weisen sie auf? Unter welchen Bedingungen sowie mit welchen Ansprüchen wird in diesen Unternehmen ausgebildet und gearbeitet? Immerhin zielen Förderprogramme in Bund und Ländern schon längere Zeit auf eine Verstärkung des Ausbildungsengagements von Migrantenunternehmen, um das Fachkräftepotenzial in allen Richtungen auszuschöpfen.
Die Ausbildungs- und Beschäftigungsqualiät unterteilt sich in Inputqualiät, Prozessqualität und Ergebnisqualität. Faktoren, welche die Inputqualität bestimmen, sind die betriebliche Ausstattung sowie die Qualifikation der AusbilderInnen und der ausbildenden Fachkräfte. Die Prozessqualität hängt von Indikatoren wie z.B. Rekrutierung, Planung, Vorbereitung, Qualifizierungsprozesse während der Ausbildung sowie Prüfungsvor- und -nachbereitung ab. Das Output der Ergebnisqualität wird bestimmt durch gute Abschlussergebnisse, hohe berufliche Handlungsfähigkeit und betriebliche oder außerbetriebliche Entwicklungsmöglichkeiten, so Arbeitsschutzexperte Raif Özalan (www.arbeitsexperte.de).
Die Rahmenbedingungen (Qualifikation der Ausbilder, Branchenzugehörigkeit, Betriebsgröße, fehlende Arbeitsschutzorganisation, schulische Vorbildung oder ethnische Herkunft der Auszubildenden) führen in ihrer Gänze zu Herausforderungen, denen sich das betriebliche Ausbildungspersonal häufig nicht gewachsen sieht.
Zielgruppenorientierte Unterstützungsformen sollten jedoch nicht nur auf die spezifischen Bedarfe von Migranten, sondern genauso auf die jeweiligen betrieblichen Charakteristika, hier insbesondere Arbeitsschutzorganisation zugeschnitten sein. Die Unternehmen von Migranten sind sehr kleinbetrieblich strukturiert, d. h. sie können äußerst selten auf hauptamtliches Ausbildungspersonal und Fachkraft für Arbeitssicherheit zurückgreifen und sie besitzen weniger Möglichkeiten, ihre Auszubildenden oder Beschäftigte durch zusätzliche Angebote zu fördern.
Für die Prävention im Bereich Migration bieten sich beispielhaft folgende Ansätze an:
Arbeitsumfeld:
Einsatz und Gestaltung von mehrsprachigen und/oder bildgestützten Anweisungen und Hinweisschildern
Im Bereich Information und Qualifikation:
Den Unterweisungserfolg sicher stellen und kontrollieren, dass Unterweisungsinhalte auch tatsächlich verstanden worden sind.
Besuch von Seminaren zum Umgang mit /Unterweisung von Beschäftigten mit Migrationshintergrund und zu interkulturellen Kompetenzen
Eventuell muttersprachliche bei Qualifizierungmaßnahmen anbieten
Auf übergreifender Ebene:
Schaffung länderübergreifender Standards und Export von Sicherheitsstandards
Entwicklung einer globalen Präventionskultur, die die Unterschiede in den Präventionskulturen verschiedener Länder langfristig harmonisiert
Die dargestellten Herausforderungen, mit denen Ausbilder, Arbeitnehmer und Auszubildende am Lernort „Migrantenbetrieb“ („Migrantenarbeitsstätte“) konfrontiert werden, sind ohne gezielte Unterstützung schwer zu bewältigen. Fördermaßnahmen sollten sich jedoch nicht allein auf die Ausbildungsbeteiligung, sondern stärker auf Fragen der Nachhaltigkeit, Ausbildungsqualität und Arbeitsschutzorganisation konzentrieren. Hier besteht großer Nachholbedarf. Doch die bislang bekannten Maßnahmen werden den spezifischen Bedarfen von Migrantenbetrieben wohl kaum gerecht.
Die EU erwartet in den nächsten Jahrzehnten eine Netto-Immigration von bis zu 40 Millionen Menschen aus Drittländern. In der Folge sind in den nächsten Jahren weiterführende Konzepte zum Umgang mit Migration und kultureller Vielfalt am Arbeitsplatz zu entwickeln.














