(openPR) Trotz der lediglich benötigten 22.000 Tonnen Sand zur Auftriebssicherung, hat gestern die Einspülung von 200.000 Tonnen Sand in die Gründungswanne des Palastes der Republik begonnen. - Eine nicht erforderliche Menge, deren Einbringung und im Falle einer Neubebauung des Schlossareals notwendige Entfernung den Steuerzahler ca. 2 Millionen Euro kosten wird.
Mit der Sandverfüllung wird zugleich eine stadträumlich problematische Vorgabe für den landschaftsplanerischen Wettbewerb gemacht, wie an den Plänen zur Wettbewerbsvorbereitung zu sehen ist: Denn mit der jetzigen Verfüllungsvariante entsteht, bedingt durch die spreeseitig offene Wanne, ein halbkreisförmiger Trichter (siehe Anhang). Von Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer gern als „Amphitheater“ verklärt, gleicht er in seiner Unförmigkeit jedoch eher einem Bombentrichter und könnte somit bald als Symbol politischer Starrköpfigkeit an Bedeutung gewinnen.
Entgegen ihren ersten Stellungnahmen räumt die Senatsverwaltung inzwischen ein, dass der Vorschlag „20.000 qm x 5 Jahre“ von Urban Catalyst für eine Nutzung der Palastuntergeschosse, statisch-konstruktiv machbar wäre. Wie inzwischen bekannt wurde, kam bereits im Sommer letzten Jahres die vom Senat selbst in Auftrag gegebene Abrissplanung durch das Ingenieurbüro Specht, Kalleja + Partner zu dem Schluss, dass lediglich ca. 23.000 Tonnen und mithin eine Füllhöhe von 1,5 - 2 Metern zur Auftriebssicherung erforderlich sind. Die Berechnungen von Urban Catalyst / IfB bestätigten diese Angaben im Februar 2006 erneut. Dennoch bestritt die Senatssprecherin noch kürzlich die Richtigkeit dieser Angeben.
Das von Urban Catalyst / IfB und ZwischenPalastNutzung vorgestellte Konzept zur Nutzung der Palastuntergeschosse stand in den vergangenen Wochen im Mittelpunkt mehrere Gespräche mit Vertretern der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, dem Berliner Kultursenator sowie Vertretern des Bundesbauministeriums. Bundestagsabgeordnete - auch aus den Regierungsfraktionen - hatten sich zu dem Vorschlag positiv geäußert. Ausdrücklich befürwortet wurde das Konzept von der Leiterin der Zentral- und Landesbibliothek Berlin und zukünftigen Nutzerin des Humboldtforums Claudia Lux.
Die Verantwortung für die jetzigen Abrissmaßnahmen sowie die Zwischennutzung des Areals liegt jedoch bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Diese, sowie die von ihr beauftragte Deutsche Stadt- und Grundstücks-Entwicklungsgesellschaft (DSK), bestreitet nunmehr mit einer veränderten Begründung die Umsetzbarkeit des Vorschlages zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit dem Argument: Der bei der Abrissplanung vorgesehene Sand sei für den beauftragten Bauablauf unverzichtbar, da zumindest einer der Abrisskräne auf dem Sandbett errichtet werde. Eine Veränderung dieser Planung sei nicht vertretbar.
An dieser Abwehrhaltung des Berliner Senats für Stadtentwicklung könnte jedoch eine Weisung des Bundes als Auftragsgeber etwas ändern und ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nötiger denn je. Zwar ließe sich eine kulturelle Nutzung der Palastuntergeschosse auch noch gegen Ende der Abrissarbeiten mit dem Entfernen des verfüllten Sandes realiseren. Die Berliner Politiker hätten dann allerdings 2 Mio. Euro nicht nur sprichwörtlich in den Sand gesetzt.
Noch ist es nicht zu spät. In den ersten zwei Wochen wird der als Balast notwendige Sand eingespült. Wir fordern daher Bund und Land auf, den Schildbürgersteich der Sandverfüllung nutzbaren Raums Anfang April zu stoppen!
Amelie Deuflhard (ZwischenPalastNutzung e.V.)
Philipp Oswalt (Urban Catalyst)
BÜNDNIS FÜR DEN PALAST
PRESSEARBEIT
Annett Apelt Tom Raulien










