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Der Ruf nach dem Alkoholverbot

12.08.201418:24 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
Bild: Der Ruf nach dem Alkoholverbot
Alkoholverbot ist der falsche Weg
Alkoholverbot ist der falsche Weg

(openPR) „Trink, trink, Brüderlein trink!“ Nicht nur Brüderlein, auch Schwesterlein folgt gerne dieser Einladung. An Stammtischen und auf Bowlingbahnen, bei Winzerfesten und in Bierzelten, beim Schützenfest und beim Betriebsausflug wird so richtig zugeschlagen.



In Kantinen und Kaschemmen, in Bars und Discos bewahrheitet sich täglich ein abgewandeltes Wort von Hemingway: „Kein Mensch trinkt zu seinem Vergnügen.“ Trinken ist Volkssport und Komasaufen scheint die neue Königsdisziplin zu sein – besonders unter Jugendlichen.

Jetzt schlagen Sucht-Experten mal wieder Alarm. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) fordert die Bundesregierung auf, den Alkoholverkauf an Jugendliche generell zu verbieten. Der Verkauf soll eingeschränkt und besser kontrolliert werden. Alkohol soll teurer und Alkohol-Werbung generell verboten werden.


Zu coole und lockere Werbung

Zugegeben - glauben wir der Werbung, so sind wir ein Volk von sozialen Trinkerinnen und Trinkern, die sich mit Genuss nach getaner Arbeit in gemütlicher Runde ein aus Quellwasser gebrautes Premium-Pils oder bei einem guten Essen einen Schluck wohltemperierten Rotwein gönnen, die sich mit einem Glas extra-trockenem Sekt in einer Welt aus Optimismus und Idealismus zuprosten und hin und wieder an einem Kirschlikör nippen. Und die dabei immer wissen, was sie tun und wann sie mit dem Trinken aufhören müssen.

Leider sprechen nicht nur Unfall- und Kriminalstatistiken dagegen. In diesem, unserem Land gibt es weit über drei Millionen Männer und Frauen, die Alkohol missbrauchen oder abhängig sind – ungeachtet der noch weit größeren Zahl derer, die einfach nur aus Gewohnheit trinken. Ungefähr zehn Millionen Bundesbürger konsumieren Alkohol in riskanter Weise. Jeder fünfte Deutsche hat ein Alkoholproblem.

Keine Frage: Weniger Werbung würde sicher dafür sorgen, dass wir mit weniger positiven Assoziationen zum Alkohol gefüttert würden. Aber es würde das Problem nicht lösen. Genau so wenig wie ein totales Werbeverbot für Alkoholika. Beides könnte im besten Falle dazu beitragen, die Gesellschaft – und damit auch die Jugendlichen unter uns – ein wenig zum Umdenken zu bewegen. Nur alleine reicht das nicht.


Der Reiz der Verbote

Ja, wir sind ein Volk von Trinkern. Wo etwa 95 Prozent der Bevölkerung mehr oder weniger häufig Alkohol konsumieren, sind Bier und Wein, Wodka und Whisky, Kümmel und Korn fest in den Alltag integriert. Zu einem gewissen Lebensstil und bestimmten Anlässen gehören nun einmal die entsprechenden alkoholischen Getränke.

Fast überall gehört es dazu – ja es wird geradezu erwartet, Alkohol zu trinken. Sei es bei einem Empfang, einer Familienfeier oder einer Party mit Freunden. Auf eine Geburt, auf eine Beförderung, ja sogar auf den bestandenen Führerschein wird mit Alkohol angestoßen. Wer nicht mitmacht, wird leicht zum Außenseiter.

Und genau da liegt das Problem. Unabhängig davon, dass ein Verbot ohnehin kaum jemanden – auch keinen Jugendlichen – davon abhalten wird, zur legalen Droge Alkokol zu greifen, verbreiten Verbote immer den Geruch von Bevormundung. Wer glaubt, mit einem Alkoholverbot etwas erreichen zu können, belügt sich selber und betreibt Augenwischerei.

Das gilt auch für den Verkauf von Alkohol an Jugendliche. Ein Verkaufsverbot bringt erfahrungsgemäß rein gar nichts – egal ob es sich um Bier oder Wodka handelt. So wie jeder 15-Jährige einen 16-Jährihgen kennt, der Bier kaufen darf, so kennt jeder 17-Jährige einen 18-Jährigen, der Hochprozentiges besorgen kann. Junge Leute sind geübt darin, sich über Umwege zu beschaffen, was sie wollen. Der Reiz des Verbotenen ist da nur noch ein zusätzlicher Ansporn.


Sinnvolle Maßnahmen

Natürlich sieht niemand gerne, wenn sich Menschen bis zur Bewusstlosigkeit voll laufen lassen – erst recht nicht, wenn es sich um Kinder oder Jugendliche handelt. Das schreit sogar in einer Gesellschaft, in der alle saufen, aber keiner es gewesen sein will, nach Gegenmaßnahmen.

Supermarktregale oder Tankstellen leerzuräumen und den Verkauf von Alkoholika nur noch in staatlich lizenzierten Liquor-Shops zu erlauben, wird genau so wenig nützen wie der Versuch nächtlicher Alkoholverkaufverbote.

Sinnvoller ist sicher, es über den Preis zu versuchen. Preiserhöhungen zeigen immer Wirkung – nicht nur bei Jugendlichen. Höhere Preise könnten auch bei so manchem Erwachsenen das Bewusstsein dafür schärfen, dass Bier und Schnaps Genussmittel und keine Grundnahrunmittel sind. Und der eine oder andere Jugendliche würde seinen Alkoholkonsum alleine aus finanziellen Gründen reduzieren.

Um Jugendliche wie Erwachsene wirklich zum Umdenken zu bewegen, bedarf es allerdings einer grundlegenden Änderung der Einstellung unserer Gesellschaft zum Alkohol. Jeder sollte sich vergegenwärtigen, dass Alkohol auch süchtig und krank machen kann.

„Obwohl mittlerweile jedem bekannt sein dürfte, dass Alkohol sowohl berauscht, als auch süchtig machen kann, werden die Gefahren des Alkoholkonsums in unserer Gesellschaft zum großen Teil immer noch verleugnet oder verdrängt“, weiß Alkohol-Coach Rolf von Berg, Buchautor und Leiter des Institut für praktische Lebenshilfe (IFPL).

Den Alkohol zu verteufeln oder zu verbieten, wäre aber genau so falsch und zudem weder nötig noch wünschenswert. „Wenn wir unsere Kinder vor den Gefahren des Alkohol schützen wollen, müssen wir ihnen mit gutem Beispiel vorangehen. Wir müssen ihnen den bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol vorleben, statt Wasser zu predigen und Wein zu trinken.“

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