(openPR) Der Kunsthandel Dr. Wilfried Karger zeigt neben der ständigen Ausstellung figurativer Plastik in seinem showroom im stilwerk Berlin, Kantstraße 17, 10623 Berlin, 3. Etage vom 30. Mai bis 26. Juli 2014 die Kabinettausstellung
Der Bildhauer Harald Haacke
Wandlitz 1924 - 2004 Berlin
Als der damalige Bundeskanzler, Dr. Helmut Kohl die Idee hatte, für die Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland in der Neuen Wache in Berlin die Pieta von Käthe Kollwitz aus dem Jahre 1937/38 vergrößern zu lassen, ging eine Welle der Empörung durch die Reihen der Plastikfreunde dieses Landes ob der Frevelhaftigkeit eines solchen Ansinnen.
Wenn heute im Zentrum der Schinkelschen Architektur eine meines Erachtens beeindruckende
und gelungene Figur steht, die Trauer erschütternd vermittelt, ist dies sicher auch dem Umstand zu danken, dass der Bildhauer Harald Haacke diesen Auftrag bekam und trotz heftiger Debatten auch ausführte.
Vielfach hatte er zu dieser Zeit schon bewiesen, dass er nicht nur ein gefragter Restaurator historischer Plastiken ist, sondern auch in der Lage war, zerstörte Denkmale anhand von Fotografien, Zeichnungen oder kleineren Modellen neu zu erschaffen. Wie nur wenige Bildhauer konnte er sich als Künstler zurücknehmen, sich in die Bildsprache verschiedener Kunstepochen einfühlen und seine handwerklichen Fertigkeiten in den Dienst der Neuschöpfungen historischer Denkmale stellen.
So verdanken wir ihm unter anderem die Neuschöpfung des Immanuel-Kant-Denkmals von Daniel Christian Rauch aus dem Jahre 1864 in Kaliningrad, das 1992 wieder aufgestellt werden konnte.
Auch den Rathenau-Brunnen im Volkspark Rehberge von Georg Kolbe aus dem Jahr 1930, der von den Nationalsozialisten zerstört worden war, schuf Harald Haacke 1985/86 neu.
Für das Schloss Charlottenburg in Berlin erarbeitete Harald Haacke vier frei nachempfundene Barock-Statuen, die 1971/72 in Aluminium gegossen wurde, und im Knobelsdorf-Flügel des Schlosses bildete er vier Darstellungen der Tageszeiten nach Johann August Nahl nach, Hochreliefs aus Gips an der Treppenhausdecke.
Der damalige Kustos des Schlosses Charlottenburg, Prof. Dr. Helmut Börsch-Supan, der im Jahre 2004 die Trauerrede für Harald Haacke gehalten hatte, lässt es sich nun nicht nehmen, die kommende Ausstellung mit den Statuen von Harald Haacke zu eröffnen, die jedoch ausschließlich seinem freien plastischen Oeuvre gewidmet ist, lediglich einige Fotos verweisen auf das eben geschilderte Schaffen.
Die 90. Wiederkehr seines Geburtstages sowie sein 10. Todestag sind wohl Anlass genug, sich an den Bildhauer Harald Haacke zu erinnern.
Das Werk seiner freien Plastiken ist überschaubar, etwa 25 Plastiken umfasst die Ausstellung. Es sind alles Güsse, die zu Lebzeiten Haackes entstanden sind, sie sind aus dem künstlerischen Nachlass, der von seinem Sohn verwaltet wird.
Seit zwanzig Jahren ist es die erste Ausstellung von Plastiken Harald Haackes überhaupt.
Geprägt ist sein Schaffen von der klassizistischen Kunstauffassung Georg Kolbes, maßvoll idealisiert, verhaltend nur bewegt, streng tektonisch gebaut. Hier fußt Harald Haacke wie auch Georg Kolbe und sein Lehrer Richard Scheibe in der Tradition der Berliner Bildhauerschule.
"Wie kein anderer Berliner Bildhauer vertritt Haacke eine auf Maßhalten bedachte preußische Kunstauffassung, bei der nüchterne Beobachtung und dienende Hingabe in einem Gleichgewicht bleiben", schrieb Helmut Börsch-Supan über ihn.
Stets gewahrt er das Gleichgewicht zwischen Ruhe und Bewegung, zwischen Geschlossenheit des äußeren Umrisses und innerer Gliederung und in der Verteilung der plastischen Gewichte.
Seine Themen sind Stehen, Liegen, Sitzen sowie Mädchen oder Knabe.
Nicht Gestik oder Mimik kennzeichnen seine Figuren, prägend ist die Ehrfurcht vor dem Dargestellten, es sind ausgefeilte und durchgearbeitete Meisterwerke der Bildhauerkunst.
Mit einer Selbstverständlichkeit stehen, liegen oder sitzen seine Mädchen oder Knaben, in sich gekehrt, sich selbst genügend ohne jede Agitation oder Besserwisserei. Und gerade dadurch erheischen sie unsere Aufmerksamkeit, nur auf sich selbst bezogen verlangen sie nach Betrachtung.
Fein nuanciert haben die Figuren von Harald Haacke eine zwar zurückgenommene aber doch vorhandene erotische Ausstrahlung. Mit Wohlwollen betrachtet man die nackten Körper, ob männlich oder weiblich.
Wenn nun nach langer Zeit wieder einmal eine Ausstellung der Haackschen Figuren zu sehen ist, zeigt diese Schau in ihrer Abfolge eine nicht erwartete Dynamik, eine Bewegung, die sich aus kleinen Nuancen zusammensetzt, sich gegenseitig steigernd. Sie führt zu einem Erlebnis, das man der einzelnen Figur nicht zugetraut hätte.
Auch darum sind Ausstellungen wichtig, wichtig, weil sie eben mehr vermitteln als das einzelne Werk des Bildhauers, weil die Art der Präsentation das OEuvre auf eigene Weise interpretiert. Wichtig ist diese Ausstellung auch schon deshalb, weil dem Werk Harald Haackes droht, allmählich vergessen zu werden, obwohl er ein wichtiger Vertreter der figurativen Plastik im Berlin der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts war. Auch die Medien könnten dazu beitragen, dass dies nicht geschieht.
Die Vernissage der Ausstellung ist am
Mittwoch, dem 28. Mai 2014 um 19 Uhr.
Es spricht: Prof. Dr. Helmut Börsch-Supan, Kunsthistoriker,
Geöffnet ist die Ausstellung vom 30. Mai bis zum 26. Juli 2014,
Dienstag bis Freitag von 14 bis 19, Sonnabend von 10 bis 19 Uhr und nach Vereinbarung.
Weitere Informationen zur Ausstellung entnehmen Sie bitte der beiliegenden Einladung zur Vernissage der Ausstellung und der Internetpräsenz www.kunsthandel-karger.com.
Druckfähige Abbildungen (*300 dpi) werden Ihnen auf Anforderung per Mail zugesandt.












